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Immense Veränderungen im Handwerk

Freisprechungsfeier der Kreishandwerkerschaft / Handwerk ist nicht digitalisierbar wie alle andere

GARB­SEN (gi). "Re­naissance be­schreibt eine eu­ropäi­sche Kul­tu­re­po­che, in der Zeit des Um­bru­ches vom Mit­tel­al­ter zur Neu­zeit im 15. und 16. Jahr­hun­dert. Sie war ge­prägt von den Bemühun­gen um eine Wie­der­be­le­bung der kul­tu­rel­len Leis­tun­gen der grie­chi­schen und rö­mi­schen An­ti­ke", sagte Kreis­hand­werks­meis­ter Tho­mas Hinze zu Be­ginn sei­ner Rede an­läss­lich der Frei­spre­chungs­feier von 31 Ge­sel­len und vier Ge­sel­lin­nen der Kreis­hand­wer­ker­schaft Neu­stadt­/­Burg­dorf. Die Ü­ber­gabe der Zeug­nisse fand im Bil­dungs­zen­trum der Hand­werks­kam­mer Han­no­ver in Garb­sen statt. Es habe den Adel, die Ge­lehr­ten, Wis­sen­schaft­ler, Pries­ter, Ärzte und Rich­ter ge­ge­ben. Sie bil­de­ten das ge­sell­schaft­li­che und geist­li­che Zen­trum. Am Rande des Or­tes wohnte das ge­wöhn­li­che Volk, wie die Hand­wer­ker, das Ein­kom­men sei größten­teils er­bärm­lich ge­we­sen. So­weit der Aus­flug von Hinze in das frühe 16. Jahr­hun­dert. Was hat sich in der Zeit seit­dem ver­än­dert, fragte Hin­ze. Hand­werk war und sei im­mer da, wenn es ge­braucht werde und habe es ver­stan­den, die Spra­che der Kun­den zu spre­chen. "Warum erzähle ich Ih­nen das al­les und warum hole ich so­weit aus­", so Hin­ze. Aus dem Grund, weil die auf das Hand­werk zu­kom­men­den Ver­än­de­run­gen im­mens sein wer­den. Das ge­sell­schaft­li­che Gleich­ge­wicht, in dem Hand­werk schon im­mer eine wich­tige Rolle ge­spielt ha­be, ge­rate aus den Fu­gen. Alle Ver­än­de­run­gen, die spätes­tens mit den neuen Me­dien und der Di­gi­ta­li­sie­rung ein­her­ge­hen, stell­ten al­les bis­her Da­ge­we­sene in den Schat­ten. Die Kom­mu­ni­ka­tion finde auf al­len Kanälen in ab­so­lu­ter Echt­zeit statt. Wer nach we­ni­gen Mi­nu­ten nicht ant­worte sei tot. Der Han­del finde mehr und mehr On­line statt, Ge­schäfte in Ge­mein­den und Städ­ten ster­ben aus, das Bil­dungs­sys­tem stehe Kopf. Von heute auf mor­gen gäbe es nur noch Ab­itu­ri­en­ten und Stu­die­ren­de. Auf ein­mal seien alle schlau, oder die El­tern glaub­ten es zu­min­dest. Und das Hand­werk? "Uns geht es auch nicht bes­ser, auch bei uns wird hän­de­rin­gend Per­so­nal ge­sucht. Nur eins un­ter­schei­det uns, wir sind nicht di­gi­ta­li­sier­bar", be­rich­tete der Kreis­hand­werks­meis­ter. Das Hand­werk biete wirk­li­che Per­spek­ti­ven. Nur, es seien bei al­len Bemühun­gen zu we­ni­ge, die den di­rek­ten Weg im Hand­werk fän­den. Viel zu häu­fig werde in ver­meint­lich at­trak­ti­veren Be­ru­fen das Glück ge­sucht und Ent­täu­schung ge­fun­den. Der Prä­si­dent der Hand­werks­kam­mer Han­no­ver, Karl-Wil­helm Stein­mann machte deut­lich, dass das Hand­werk mit der Di­gi­ta­li­sie­rung mit­ge­hen und sich ver­net­zen müs­se. Die Ge­sel­len hät­ten einen so­li­den Be­ruf mit Zu­kunft er­lernt, der Ge­sel­len­brief stehe für "­Made in Ger­ma­ny". Stein­mann brachte in seine Grußworte auch einen ak­tu­el­len po­li­ti­schen Be­zug mit ein. In Ber­lin müsse Ver­ant­wor­tung ü­ber­nom­men wer­den für das Land. Es gäbe na­hezu Voll­be­schäf­ti­gung, doch müsse ge­sagt wer­den, "­was wir noch wol­len". Und warum so viele Bür­ger die AfD ge­wählt hät­ten, läge wohl dar­an, dass sie sich ab­ge­hängt fühl­ten. Die Po­li­tik habe das mit­be­kom­men und ei­ni­ges in die Ko­ali­ti­ons­ver­ein­ba­rung, mit der Stein­mann zu­frie­den sei, ein­fließen las­sen. Die stell­ver­tre­tende Re­gi­ons­prä­si­den­tin Mi­chaela Micha­lo­witz wünscht sich, dass viele der Ge­sel­len in der Re­gion ver­blei­ben. Hier sei mit 1,2 Mil­lio­nen Ein­woh­nern der wich­tigste Bal­lungs­raum in Nie­der­sach­sen und da­mit ein gu­tes Fun­da­ment für die wei­tere be­ruf­li­che Zu­kunft. Für die Mu­sik sorg­ten er­neut Chris­tiane Olt­manns und Thors­ten Doll. Fo­to: gi

vom 15.02.2018 | Ausgabe-Nr. 7A

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