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Ausbildung ist Landeskirche viel wert

24 Millionen Euro-Investition in Loccum getätigt / Klosterkammer könnte auch den Neubau der Klosterbibliothek fördern

LOC­CUM (jan). Einen aus­ge­zeich­ne­ten Ruf habe das Pre­di­ger­se­mi­nar der Lan­des­kir­che im Klos­ter Loc­cum, sagt Ste­pha­nie Sprin­ger, Prä­si­den­tin im han­no­ver­schen Lan­des­kir­chen­amt und das sei si­cher­lich ein ge­wich­ti­ger Grund für die großen In­ves­ti­tio­nen, die der­zeit dort getätigt wer­den. "Wir mer­ken, dass es das der Lan­des­kir­che wert ist", sagt Adel­heid Ruck-Schrö­der, Stu­di­en­di­rek­to­rin des Pre­di­ger­se­mi­nars da­zu. Im­mer­hin sind es 24 Mil­lio­nen Eu­ro, die alle der­zeit ge­plan­ten und teil­weise schon durch­ge­führ­ten Bau­vor­ha­ben nach der­zei­ti­gem Stand kos­ten sol­len.

Einen wei­te­ren Grund sieht Ruck-Schrö­der dar­in, dass Aus­bil­dungs­zen­tren zu­kunfts­fähig sind – ge­nau das ist auch das Kon­zept des Loc­cu­mer Pre­di­ger­se­mi­nars. Denn mitt­ler­weile wer­den dort nicht nur die an­ge­hen­den Pas­to­ren aus der han­no­ver­schen Lan­des­kir­che aus­ge­bil­det. Auch jene aus den Lan­des­kir­chen Braun­schweigs, Bre­mens, Ol­den­burgs und Schaum­burg-Lip­pes be­su­chen al­le­samt das Loc­cu­mer Klos­ter. Oder wer­den es be­su­chen, so­bald die Bau­ar­bei­ten ab­ge­schlos­sen sind - 2020, wenn der erste ver­briefte Bau, der Vi­ka­ren zur Aus­bil­dung diente, 200 Jahre alt sein wird, soll al­les wie­der an al­tem, neu ge­stal­te­tem Ort sein. Wie die alte Bau­sub­stanz des 1163 ge­grün­de­ten Klos­ters mit den neuen An­for­de­run­gen har­mo­nie­ren soll, darü­ber ha­ben sich der Prä­si­dent der Klos­ter­kam­mer Han­no­ver, Hans-Chris­tian Bi­al­las, und Ste­pha­nie Sprin­ger in­for­miert. Nach aus­führ­li­cher Be­sich­ti­gungs­tour auf der Bau­stelle sagte Bi­al­las, dass die Lan­des­kir­che dem ers­ten An­trag auf För­de­rung durch die Klos­ter­kam­mer ü­ber 150.000 Euro – dem be­reits statt­ge­ge­ben wurde – gerne noch einen wei­te­ren fol­gen las­sen kön­ne. Die Stif­tungs-Grundsätze ließen das zu, die Aus­sich­ten auf Er­folg seien nach sei­ner An­sicht gut. Hatte die Klos­ter­kam­mer bis­lang den Er­halt der Bau­sub­stanz ge­för­dert, so könne sie auch für den Neu­bau der Bi­blio­thek noch ein­sprin­gen – denn Bil­dung sei schließ­lich ein för­de­rungs­fähi­ger Grund. Während das ge­samte Klos­ter­gelände mo­men­tan eine Bau­stelle zu sein scheint, so liegt Priors Gar­ten, in dem jene Bi­blio­thek ent­ste­hen soll, noch brach. Dem­nächst soll aber be­gon­nen wer­den mit dem Neu­bau auf his­to­ri­schem Grund. Und dann sol­len bis 2020 auch mehr als 100.000 Bücher wie­der in Loc­cum ein­zie­hen. Wie wert­voll diese Bi­blio­thek ist, de­mons­trierte Bi­blio­the­kar Jörg Fied­ler an zwei Schät­zen, die er aus ih­rem si­che­ren Zwi­schen­la­ger in Han­no­ver für einen Tag zurück nach Loc­cum ge­bracht hat­te: Ge­wal­tig im wahrs­ten Sinne des Wor­tes lag die Köl­ner Bi­bel von 1473, die erste Bil­der­bi­bel in ge­druck­ter Form, auf dem Tisch im Baubüro. Und auch ein Kräu­ter­buch aus dem Jahr 1545 zählt zu je­nen Schät­zen des Klos­ters. "Das Kreüt­ter Buch" heißt das Werk, das der Bo­ta­ni­ker, Arzt und lu­the­ri­sche Pre­di­ger Hie­rony­mus Bock zu­sam­men­stellte und das als ers­tes deutsch­spra­chi­ges Kräu­ter­buch in ge­druck­ter Form er­schien. Mehr als ein oder zwei Hand­voll die­ser Erst­aus­gabe exis­tier­ten nicht mehr. Schön ge­malte Zeich­nun­gen von Pflan­zen sind dort ab­ge­bil­det, mög­lichst na­tur­ge­treu wur­den sie ge­zeich­net, um den Le­sern das Wis­sen um ihre "­kraffe und wür­ckung", ihre Kraft und Wir­kung, zu ver­mit­teln. Ein an­ge­mes­se­ner Platz für sol­che Kost­bar­kei­ten wird in der Bi­blio­thek ge­schaf­fen – de­ren Zweck geht je­doch noch weit darü­ber hin­aus. Kleine Kost­bar­kei­ten sind in­des auch im Alt­be­stand während der Bau­ar­bei­ten ent­deckt wor­den. Womög­lich han­delt es sich bei den flo­ra­len Mo­ti­ven, die im Drei-Kai­ser-Zim­mer un­ter der Ver­tä­fe­lung ent­deckt wur­den, um die ur­sprüng­li­che Wand­ge­stal­tung je­nes Raum­es, den das Klos­ter 1913 aus­bauen ließ, um dem Kai­ser, der sei­nen Be­such an­gekün­digt hat­te, einen sei­ner Würde ent­spre­chen­den Auf­ent­halts­ort an­bie­ten zu kön­nen. Loc­cums Abt Horst Hirsch­ler hin­ge­gen wird bis­lang auch nicht ver­mu­tet ha­ben, dass sich un­ter dem De­cken­putz in sei­ner Abt­woh­nung fi­li­grane Be­ma­lun­gen be­fin­den. Stau­nen ü­ber die­ses und je­nes gab es also von Sei­ten Bi­al­las und Sprin­gers. Wei­tere Ent­de­ckun­gen, die bei künf­ti­gen Be­su­chen prä­sen­tiert wer­den kön­nen, sind nicht aus­zu­sch­ließen. Fo­to: jan

vom 15.02.2018 | Ausgabe-Nr. 7A

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