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» Rehburg-Loccum

Das Rätsel von Rehburg

Fundamentstreifen sind Überbleibsel von mittelalterlichem Stift

REH­BURG (jan). Wie das Le­ben in der Stifts­an­lage As­beke in Reh­burg im 11. Jahr­hun­dert war, lässt sich nur noch erah­nen. Le­dig­lich Fun­da­men­treste sind der Nach­welt er­hal­ten ge­blie­ben.

Der weite Blick ü­ber die Um­ge­bung und der tro­ckene Platz auf ei­nem Hü­gel der Reh­bur­ger Berge wa­ren bei der Stand­ort­wahl der klei­nen Stifts­an­lage wohl ent­schei­dende Fak­to­ren. Trotz ih­rer er­höh­ten Lage ist sie heut­zu­tage nicht leicht zu fin­den, denn von den Ge­bäu­den von einst steht be­reits seit rund 1 000 Jah­ren kei­nes mehr. Nur ein grü­nes Schild auf der "Jä­ger­straße" in Reh­burg, der Aus­fall­straße zum Klos­ter­ort Loc­cum, weist auf die Stifts­ruine hin. Wer dem Hin­weis folgt, sollte nicht zu schnell auf­ge­ben und um­keh­ren. Denn erst wenn der schmale land­wirt­schaft­li­che Weg sich bis auf den ers­ten Hü­gel hin­auf ge­wun­den hat, liegt zur lin­ken Hand das klei­ne, ein­ge­zäunte Areal.

Ideal für ein Pick­nick im Son­nen­schein ist der Platz, der Blick reicht in ei­ner Rich­tung weit ü­ber Reh­burg und auch das Stein­hu­der Meer kann ge­schaut wer­den. Die Ra­sen­fläche ist stets gut gemäht, der neu aber an his­to­risch be­leg­ter Stelle auf­ge­mau­erte Brun­nen mit ei­nem Git­ter ge­si­chert und die leicht er­höh­ten Fun­da­men­tres­te, die Zeu­gen der Ver­gan­gen­heit in der Nähe Reh­burgs sind, la­den dazu ein, auf ih­nen den Grund­riss ab­zu­ge­hen.

Vor rund 30 Jah­ren war an die­ser Stelle noch Acker­land. Und wenn der Zu­fall es nicht ge­wollt hät­te, dass aus­ge­rech­net der pas­sio­nierte Hei­mat­for­scher Au­gust Lust­feld die­ses Feld be­stell­te, hätte sich si­cher­lich bis heute nichts daran geän­dert. Doch Lust­feld wun­derte sich ü­ber die Sand­stein­bro­cken, die er beim Pflü­gen im­mer wie­der zu­tage för­der­te. Dort, wo diese Bro­cken be­son­ders kon­zen­triert auf­tra­ten, be­gann er zu gra­ben, stieß auf Mau­er­fun­da­mente und in­for­mierte das In­sti­tut für Denk­mal­pflege in Han­no­ver.

Drei Jahre mit Aus­gra­bun­gen folg­ten, 45 mal 25 Me­ter maßen die frei ge­leg­ten Fun­da­mente schließ­lich, auch der Brun­nen, der für Was­ser in der An­lage sorg­te, wurde ent­deckt. Eine Kir­che ver­mu­te­ten die Ar­chäo­lo­gen in dem großen recht­e­cki­gen Raum, daran an­ge­ord­net Ne­ben­ge­bäude – ers­te­res sau­ber ge­ar­bei­tet, in or­dent­li­chen rech­ten Win­keln, letz­te­res mit deut­li­chen Män­gel an der Bau­kon­struk­tion.

We­der in Reh­burg noch im Loc­cu­mer Klos­ter wa­ren Un­ter­la­gen ü­ber diese An­lage vor­han­den. Ein­zig der Name ei­ner nahe ge­le­ge­nen Sied­lung aus dem Mit­tel­al­ter war im­mer noch be­kannt: As­be­ke. Ein Na­me, der die ein­zige Spur war, an­hand de­rer wei­ter ge­sucht wer­den konn­te. Fün­dig wur­den die Wis­sen­schaft­ler in der "­Bi­schofs­ge­schichte der Ham­bur­ger Kir­che", ei­ner schrift­li­chen Ü­ber­lie­fe­rung aus dem 11. Jahr­hun­dert. Dem­nach hat Erz­bi­schof Adal­bert von Bre­men (1043 bis 1072) gleich meh­rere Probs­teien ge­grün­det, dar­un­ter eine in "As­beke in den Wald­ber­gen der Min­de­ner Diö­ze­se". Recht ei­gennüt­zig wa­ren die Be­weg­gründe die­ses Erz­bi­schofs sei­ner­zeit, als er ein Stift außer­halb sei­ner Diö­zese grün­de­te: um den ehr­gei­zi­gen Plan zum Bau des Bre­mer Doms zu ver­wirk­li­chen, benötigte der Kir­chen­mann Bau­ma­te­rial und da­von war in die­sen "Wald­ber­gen" ei­ni­ges vor­han­den. Mit der Stifts­grün­dung er­reichte Adal­bert, dass er Sand­stein und Kalk be­kam, bis ins 13. Jahr­hun­dert lässt sich diese ge­schäft­li­che Ver­bin­dung zwi­schen Bre­men und Reh­burg nach­voll­zie­hen. Die Grün­dung des klei­nen Stifts auf dem Reh­bur­ger Berg hatte sich für die Bre­mer Erz­bischöfe also durch­aus ge­lohnt. Die Ge­schichte des Stifts selbst stand für seine Be­woh­ner al­ler­dings un­ter ei­nem we­ni­ger gu­tem Stern. Als der Stif­ter höchst­per­sön­lich ei­nes Ta­ges zu ei­ner Vi­site auf den Hü­gel kam, brach un­plötz­lich das Haupt­ge­bäude in sich zu­sam­men. Nur we­nige Jahre stand das "­Stift As­be­ke" so­mit als geist­li­cher Ort auf dem Hü­gel, das Ge­bäude wurde nie wie­der auf­ge­baut.

Als Spu­ren der Ver­gan­gen­heit sind nur die Fun­da­men­treste ge­blie­ben. Wie das Le­ben auf dem Hü­gel­rü­cken nahe der noch zu grün­den­den Stadt Reh­burg vor 1 000 Jah­ren aus­ge­se­hen hat, bleibt wei­ter­hin ein Ge­heim­nis. Der Phan­ta­sie der Be­su­cher beim Pick­nick an his­to­ri­schem Ort wer­den keine Gren­zen ge­setzt. Fo­to: jan

vom 31.07.2008 | Ausgabe-Nr. 31A

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