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ABC-Puppenschüler - Spielzeug des Monats

Zum Schulanfang ein Blick in den ehemaligen Schulalltag

STEIN­HUDE (so­wi). "Ene mene Tin­ten­fass, geh‘ in die Schule und lerne was, wenn Du was ge­lernt hast, kom­m‘ nach Haus und sag mir was". Die­ser auf­mun­ternde Spruch hat wohl viele Ge­ne­ra­tio­nen von klei­nen ABC-Schüt­zen auf ih­ren ers­ten Gang in die Schule be­glei­tet. All die vie­len neuen Ein­drücke, die den Erst­kläss­ler mäch­tig be­schäf­ti­gen, wur­den später im häus­li­chen Spiel nach­voll­zo­gen.

Wer weiß schon, dass un­ser heu­ti­ges Schul­sys­tem knapp 150 Jahre alt ist? Da­mals, um 1850, war re­gel­mäßi­ger Schul­be­such die Aus­nah­me. Erst die Ein­führung der Schul­pflicht und der Be­such der Volks­schule (heute Grund­schu­le) ord­ne­ten den Weg in Bil­dung und Aus­bil­dung. Schule wurde in den letz­ten Jahr­zehn­ten des 19. Jahr­hun­derts zum Er­leb­nis und gehörte mit ei­nem Mal zum täg­li­chen Le­ben und do­ku­men­tierte sich auch im Kin­der­spiel­zeug.

­Seit etwa 1890 hiel­ten auch Pup­pen­schu­len und Pup­pen-Schul­kin­der Ein­zug in die Kin­der­zim­mer.

Hier konn­ten die Kin­der beim Spiel mit Leh­rer- und Schü­ler-Pup­pen al­les nach­spie­len, was sie in Rea­lität und Phan­ta­sie mit der Schule ver­ban­den. Mit dem Er­schei­nen der Cha­rak­ter­pup­pen ab 1909 zieht der Rea­lis­mus in die Pup­pen­ge­sich­ter und neu ge­form­ten Kör­per ein. Die­ser neue Pup­pen­typ ver­langt eine Klei­dung, die kind­ge­recht ge­hal­ten ist.

Erst­ma­lig neh­men nun auch Pup­pen­jun­gen einen fes­ten Platz im Pup­pen­an­ge­bot an. Als Spiel­zeug des Mo­nats Sep­tem­ber, dem Ein­schu­lungs­mo­nat, wird im Stein­hu­der Spiel­zeug­mu­seum der Pup­pen­junge von der Firma Kley & Hahn, der um 1910/15 her­ge­stellt wur­de, in Ein­schu­lungs­aus­rüs­tung vor­ge­stell­t.

­Der Pup­pen­junge hat einen sehr aus­drucks­vol­len Kopf mit strah­len­den hell­blauen Glas­schlaf­au­gen, die mit ex­akt be­mal­ten Wim­pern um­ran­det sind. Der of­fen lächelnde Mund ist de­zent be­malt und weist oben zwei Zähne auf. Die Wan­gen sind kräf­tig getönt.

­Der be­son­dere Cha­rak­ter die­ses Kopfes wird ent­schei­dend ge­prägt durch die Fri­sur, hel­les strup­pi­ges Mo­hair­haar, dass das jun­gen­hafte Aus­se­hen ver­stärk­t.

Vom schwar­zen Samt­an­zug mit weißem Spit­zen­kra­gen, ei­ner hell­blauen Fliege und schwar­zem Samt­käppi ü­ber weißen Knie­strümp­fen und schwar­zen Halb­schu­hen sieht er wahr­lich fest­lich ge­klei­det aus­.

­Der An­zug passt aus­ge­zeich­net zu dem Cha­rak­ter und Aus­druck des ABC-Schüt­zens, es herrscht eine Ein­heit, die bei den Cha­rak­ter­pup­pen an­ge­strebt wur­de.

­Der Pup­pen­schul­junge trägt eine Schul­tüte im Arm und auf dem Rü­cken einen Ran­zen, in dem seine Schul­sa­chen un­ter­ge­bracht sind - Schreib­ta­fel, Grif­fel und Bücher - und aus dem ein klei­ner Schwamm und Wisch­tuch her­aus­hän­gen. Um sei­nen Hals trägt er die Brot­ta­sche.

Das Schule-Spie­len ist seit min­des­tens hun­dert Jah­ren ei­nes der größten Ver­gnü­gen der Kin­der. Auf spie­le­ri­sche Weise ver­ar­bei­ten sie ihre be­gin­nende Lö­sung vom El­tern­haus. Um den Fleiß der Kin­der zu be­loh­nen und das rich­tige Ver­hal­ten in der Schule zu un­ter­stüt­zen, wur­den be­reits um die Jahr­hun­dert­wen­de, 19./20. Jahr­hun­dert, Schul­pup­pen und ganze Schul­stu­ben en mi­nia­tur mit ei­ner Fülle von Zu­behör her­ge­stellt. Ei­nige schöne Ex­po­nate da­von sind im Mu­seum auch in der Dau­er­aus­stel­lung zu be­wun­dern.

­Die Öff­nungs­zei­ten des Mu­se­ums sind diens­tags bis sonn­tags von 13 bis 18 Uhr. Fo­to: sowi

vom 13.09.2007 | Ausgabe-Nr. 37A

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