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Ein stabiler Flugbetrieb ist noch
immer nicht durchgängig möglich

A400M strandet mit Reporter an Bord in Berlin-Tegel / Rücktransport erfolgt mit dem Zug

WUNSTORF (r). "Ein Schick­sal teile ich jetzt mit Bun­des­ver­tei­di­gungs­mi­nis­te­rin Ur­sula von der Leyen (C­DU). Wir sind beide schon mit dem neuen Trans­port­flug­zeug der Bun­des­wehr lie­gen ge­blie­ben. Mein Rück­trans­port aus Ber­lin per ICE dürfte da­bei un­gleich güns­ti­ger aus­ge­fal­len sein, als die Ver­tei­di­gungs­mi­nis­te­rin und ih­ren Tross aus Ru­kla in Li­tauen zurück­zu­ho­len. Viel­leicht liegt es an Ber­lin? Während von der Leyen dort ge­st­ar­tet war, en­dete meine Reise im mo­d­erns­ten mi­litäri­schen Trans­port­flie­ger der Welt auf dem Flug­ha­fen Te­gel. In bei­den Fäl­len wa­ren die Ma­schi­nen mit Trieb­werks­pro­ble­men zum un­ge­plan­ten Stopp ge­zwun­gen wor­den. An­ge­fragt beim Luft­trans­port­ge­schwa­der (LTG) 62 war ur­sprüng­lich eine kurze Runde mit dem neuen Flie­ger, be­son­ders um in der be­gin­nen­den Däm­me­rung die An­flug­be­feue­rung am Flie­ger­horst aus dem Cock­pit auf­zu­neh­men. Nach­dem die Mit­flug­ge­neh­mi­gung vor­lag, än­derte sich der Flug­plan. Vom hei­mi­schen Flie­ger­horst sollte ich einen Aus­bil­dungs­flug be­glei­ten. Ers­tes Ziel sollte der Mi­litär­flug­platz Hohn (Schles­wig-Hol­stein) sein, nach ei­nem Pi­lo­ten­tausch war Ber­lin-Te­gel zwei­ter Zwi­schen­stopp - mit ei­nem wei­te­ren Tausch im Cock­pit - und schließ­lich der Wei­ter­flug nach Nürn­berg, von wo die "54+12", so die Num­mer der Ma­schi­ne, zurück nach Wunstorf flie­gen soll­te.

Für den Start be­schleu­ni­gen die vier Tur­bo­prop-Trieb­werke mit ih­ren 8.200 kW die Ma­schine ra­sant vor­wärts, schnell sind wir in der Luft. Im Flug macht die A400M einen deut­lich sta­bi­le­ren Ein­druck als der lang­jäh­rige Trans­port­flie­ger C-160 Tran­sall - und einen lei­se­ren. Der neue Trans­por­ter ist um die Hälfte schnel­ler als die Vor­gän­ge­rin, schon nach kur­zer Flug­zeit ist Hohn er­reicht. Selbst im Frachtraum scheint es deut­lich lei­ser zu sein, der ist im Ver­gleich zum Vor­gän­ger-"Waf­fen­sys­tem" rie­sig. "Wir ha­ben bei den Hilf­seinsät­zen in der Ka­ri­bik 18 statt zwei Ton­nen pro Flug lie­fern kön­nen", hatte Stab­s­haupt­mann Gerd M., ei­ner der LTG 62-Pi­lo­ten, noch vor dem Start als Ver­gleich erzählt. Er ist ein ech­ter Fan der A400M, bis­he­ri­gen Wid­rig­kei­ten zum Trotz. Bis zur Lan­dung in Ber­lin lief al­les plan­mäßig, di­rekt nach dem Auf­set­zen zeigte die Ü­ber­wa­chungs­soft­ware ei­nes Trieb­werks plötz­lich einen Feh­ler an. Ein Me­tall­span sollte re­gis­triert wor­den sein - kein un­be­kann­ter Feh­ler. Nur Au­gen­bli­cke später ist der "­Tech­ni­sche La­de­meis­ter" Pe­ter V. im Cock­pit, berät sich mit den Pi­lo­ten um den rang­höchs­ten Of­fi­zier, Stab­s­haupt­mann Klaus B. Für einen Check der Sen­so­ren müs­sen die äuße­ren Trieb­werke ab­ge­stellt wer­den. Da der Feh­ler nun vom Com­pu­ter re­gis­triert ist, kommt der so­for­tige Wei­ter­flug zurück nach Wunstorf erst­mal nicht in Fra­ge. Dort­hin lau­fen in der nächs­ten Stunde "­die Dräh­te" heiß, nach Ge­sprächen mit der flie­gen­den Gruppe (Bun­des­wehr) und der am Flie­ger­horst an­säs­si­gen Air­bus-Tech­nik fällt letzt­lich die Ent­schei­dung: das Flug­zeug bleibt ste­hen. Während die Crew sich ein Ho­tel sucht, sorgt die Bun­des­wehr für mei­nen Trans­port zum Haupt­bahn­hof - und ebenso vom Wunstor­fer Bahn­hof zurück zum Flie­ger­hor­st. Am Fol­ge­tag wer­den Tech­ni­ker nach Te­gel rei­sen, nach­mit­tags wird die "54+12" dann zurück nach Wunstorf kom­men. "Wir sind noch in der Ein­führungs­pha­se", sagt LTG 62-Pres­se­of­fi­zier Do­ris Lam­mers. "Trotz­dem läuft es schon ganz gut und die Ma­schine ist gut nutz­bar." Feh­ler tre­ten al­ler­dings im­mer noch wie­der auf, nicht nur bei mei­nem Mit­flug. Die Crews schei­nen sich dar­auf ein­ge­stellt zu ha­ben, ma­chen einen ü­beraus pro­fes­sio­nel­len Ein­druck in der je­wei­li­gen Si­tua­tion - egal ob Pi­lo­ten oder Cargo-Crew. Ge­gen tech­ni­sche Wid­rig­kei­ten sind sie aber macht­los. Fo­to: gi/­Seitz

vom 24.02.2018 | Ausgabe-Nr. 8B

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