Wunstorfer Stadtanzeiger - Das Mitteilungs- und Anzeigenblatt für die Wunstorfer Region

Sprung

Inhalt

» Wunstorf

Das Lufttransportgeschwader 62 ist weltweit ein Begriff 40 Jahre Transall C-160 - Jubiläumsfeier auf dem Fliegerhorst / Rückblick auf Einsätze

WUNSTORF (so­wi). Das Jahr 1968 war der Wen­de­punkt in der Ge­schichte des Luft­trans­ports der deut­schen Luft­waf­fe. Beim Luft­trans­port­kom­mando in Köln-Wahn wurde ne­ben dem Hub­schrau­ber Bell UH-1D und die Boe­ing 707 auch die Tran­sall in die Luft­waffe ein­ge­führt. Die Ü­ber­gabe der ers­ten Tran­sall an die Luft­waffe er­folgte am 28. April in Ahl­horn und durch die spätere Ver­le­gung nach Wunstorf im Sep­tem­ber 1978 war jetzt hier der An­lass ge­ge­ben, das Ju­biläum "40 Jahre Ein­satz der Tran­sall C-160 in der Luft­waf­fe" fest­lich zu be­ge­hen. Dies ge­schah am ver­gan­ge­nen Diens­tag mit ei­nem fei­er­li­chen Ap­pell, an dem zahl­rei­che hoch­ran­gige Mi­litärs wie Ge­ne­ral­leut­nant Aarne Kreu­zin­ger-Ja­nik als Be­fehls­ha­ber des Luft­waf­fen­führungs­kom­man­dos, ehe­ma­lige Kom­mo­do­res, Kom­man­dan­ten und Be­sat­zungs­an­gehö­rige teil­nah­men, wie auch der letzte Kom­man­deur der Flug­zeug­füh­rer­schule "S" und erste Kom­mo­dore des LTG 62, Oberst a.D. Theo­dor Zil­lo­ber, Oberst a.D. Rolf Korth und der ehe­ma­lige Kom­mo­dore des LTG 62 und Kom­man­deur des Luft­trans­port­kom­man­dos, Ge­ne­ral­ma­jor a.D. Rein­hart Hop­pe. Die An­we­sen­heit des Bri­ga­de­ge­ne­rals und Kom­man­dant der franzö­si­schen Luft­waf­fe, Cas­par Fille-Lam­bie aus Metz, do­ku­men­tierte die be­ste­hende gute Ver­bin­dung der Luft­streit­kräfte bei­der Län­der. Denn der Name "Tran­sall" lei­tete sich aus der deutsch-franzö­si­schen "Trans­por­ter Al­li­anz" ab, die Be­zeich­nung "C" steht für Cargo und die 160 aus den 160 Qua­drat­me­tern bei­der Trag­flächen. Auch in Zu­kunft wird die Ver­bin­dung zwi­schen der deut­schen und franzö­si­schen Luft­waffe mit Blick auf da­sTran­sall-Nach­fol­ge­mo­dell A 400 M und die Auf­stel­lung des Eu­ropäi­schen Luft­trans­port­kom­man­dos zu ei­ner Er­wei­te­rung und Ver­tie­fung führen.

Der Kom­man­deur des Luft­trans­port­kom­man­dos, Ge­ne­ral­ma­jor Hans-Wer­ner Ah­rens, dankte dem am­tie­ren­den Kom­mo­dore Oberst Karl Traut­vet­ter und dem Team des Ge­schwa­ders für die Aus­rich­tung des fei­er­li­chen Rah­mens und des Ap­pells. Den Ver­bands­füh­rern der Ge­schwa­der 61, 62 und 63 be­schei­nigte er in Zei­ten ho­her, un­un­ter­bro­che­ner Ein­satz­be­las­tung und der be­gon­ne­nen or­ga­ni­sa­to­ri­schen Ver­än­de­run­gen einen vor­bild­li­chen Zu­sam­men­halt und aus­ge­präg­ten Team­geist als Trans­port­flie­ger.

­Die Kon­struk­teu­re, Tech­ni­ker und Werks­leute ha­ben mit der Ent­wick­lung und dem Bau der Tran­sall C-160 die Sehn­sucht nach ei­nem außer­ge­wöhn­li­chen Luft­fahr­zeug er­füllt, denn es ist ein zu­ver­läs­si­ges, gut­müti­ges, auch in Grenz­si­tua­tio­nen be­re­chen­ba­res und von den Be­sat­zun­gen ge­lieb­tes Flug­zeug.

Mit der Lan­dung der ers­ten Tran­sall für die Flug­zeug­füh­rer­schule "S" in Wunstorf be­gann eine neue Di­men­sion in der Trans­port­flie­ge­rei. Neu­e,wei­ter ent­fernte Ziele konn­ten in bis da­hin un­ge­wohnte Höhen, teil­weise ü­ber schlech­tem Wet­ter an­ge­flo­gen, größere Stre­cken schnel­ler zurück­ge­legt und we­sent­lich mehr Las­ten und mehr Per­so­nen be­för­dert wer­den. Die Einsätze er­folg­ten welt­weit, kein Kon­ti­nent blieb bis heute aus­ge­spart. Es wa­ren vor al­lem die Hilf­seinsätze und Routen­trans­porte in­ner­halb Eu­ro­pas, nach Afri­ka, USA und Ka­na­da. So wurde die Tran­sall - auch vom Flie­ger­horst Wunstorf - zu ei­nem welt­wei­ten Sym­bol des Frie­dens.

Es folg­ten ü­ber vier Jahr­zehnte meh­rere Mo­der­ni­sie­rungs­schrit­te. So konnte die für 6.000 Flug­stun­den aus­ge­legte Rumpf- und Trag­flächen­kon­struk­tur auf eine Le­bens­dauer von 15.000 Flug­stun­den ver­län­gert wer­den. Die Mo­der­ni­sie­rung der Cock­pits, un­ter an­de­rem mit dem Ein­bau ei­ner Au­to­no­men Na­vi­ga­ti­ons­an­lage und ei­nes neuen Au­to­pi­lo­ten, machte die Tran­sall fit für At­lan­ti­kü­ber­que­run­gen.

Nach den ers­ten Hilfs­flü­gen für die Re­pu­blik Bi­afra 1968 folg­ten Hilf­seinsätze für Erd­be­ben­op­fer im Iran. Es ging wei­ter, Schlag auf Schlag: So­ma­lia, Tür­kei, Su­dan, Äthio­pien us­w., was der Tran­sall die lie­be­volle Be­zeich­nung "En­gel der Lüf­te" ver­lieh. Weil im Su­dan und in Äthio­pien die Vor­aus­set­zun­gen für eine si­chere Kurz­lan­dung nicht ge­ge­ben wa­ren, wurde ein spe­zi­el­les­Ver­fah­ren für das Ab­set­zen von Hilfs­gütern ent­wi­ckelt, um sie dort­hin zu brin­gen, wo sie un­mit­tel­bar benötigt wur­den. Mit dem "Ab­set­zen aus ex­trem nied­ri­gen Höhen" während des Fluges wurde vie­len Men­schen das Ü­ber­le­ben ge­schenk­t.

­Doch das Auf­ga­ben­ge­biet ver­än­derte sich durch den Auf­trag zur lo­gis­ti­schen Un­ter­stüt­zung der Al­li­ier­ten Streit­kräfte im ers­ten Golf­krieg 1991, dann im Bür­ger­krieg in Ex-Ju­go­sla­wien. Der Ab­schuss ei­ner ita­lie­ni­schen G 222 und der Be­schuss ei­ner Tran­sall im Fe­bruar 1993 ü­ber Kar­lo­vac mit schwe­ren Ver­let­zun­gen des La­dungs­meis­ters führte zu ei­ner elek­tro­ni­schen Selbst­schutzaus­stat­tung zur Ab­wehr von Ra­dar- und In­fra­rot­ge­stütz­ten Ra­ke­ten. Ins­ge­samt wur­den so 18 Tran­sall zu ei­nem gut ge­schütz­ten mi­litäri­schen Trans­port­flug­zeug un­gerüs­tet.

­Seit 2001 ver­sor­gen vom Stütz­punkt Ter­mez in Us­be­kis­tan acht Ma­schi­nen und Be­sat­zun­gen die NATO-Trup­pen im Ein­satz­ver­bund I-SAF. 22.500 Flug­stun­den, 21.700 Ton­nen La­dung und kanpp 210.000 Pas­sa­giere sind bis heute die be­ein­dru­ckende Bi­lanz.

­Doch die Tran­sall stößt an ihre Gren­zen: Flug­plätze in bis zu 4000 Me­tern Höhe und Tem­pe­ra­tu­ren weit ü­ber 40 Grad Cel­sius of­fen­bart die Schwäche die­ses be­währ­ten Flug­zeugs: Das Feh­len von zwei wei­te­ren Trieb­wer­ken. So ist die Zu­la­dung be­grenzt - zum Bei­spiel beim Flug nach Ka­bul ü­ber den Hin­du­kusch auf nur drei bis vier Teon­nen oder auf 20 Pas­sa­gie­re. Des­halb neigt sich die Ära der Tran­sall dem En­de: Ab 2011 wird sie schritt­weise durch 60 Air­bus 400 M er­setzt. Das LTG 62 auf dem Flie­ger­horst Wunstorf wird als ers­ter Ver­band 30 neue Ma­schi­nene die­ses Typs er­hal­ten und das Motto "Schnell - welt­weit - zu­ver­läs­sig" noch bes­seer er­fül­len kön­nen. Fo­to: sowi

vom 03.05.2008 | Ausgabe-Nr. 18B

Seite drucken Drucken  | Seite versenden Versenden

« weitere Artikel

Keine Zeitung erhalten