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Altpapiersäcke sollen demnächst was kosten

Abfallwirtschaftsbetrieb plant Schutzgebühr / Wunstorfer Regionspolitiker nehmen Stellung / Heute tagt Ausschuss

WUNSTORF (tau). Mit der Mel­dung, Alt­pa­pier­sä­cke sol­len dem­nächst 5 Cent pro Stück kos­ten, ist eine De­batte um er­neut stei­gende Müll­ge­bühren aus­gelöst wor­den. Dem­nach plant der Ab­fall­wirt­schafts­be­trieb aha die bis­her kos­ten­los ü­ber den Han­del aus­ge­ge­be­nen blauen Alt­pa­pier­sä­cke künf­tig ge­gen eine Schutz­ge­bühr von ei­nem Euro pro Rolle zu ver­trei­ben. Be­grün­det wird die­ser Schritt mit ei­nem ü­ber die Jahre ge­mes­se­nen Ver­brauchs­an­stieg. Aha geht da­von aus, dass die kos­ten­lo­sen Sä­cke im­mer häu­fi­ger zweck­ent­frem­det wer­den, also bei­spiels­weise als Beu­tel für Re­st­ab­fall­behäl­ter.

Die bei­den Wunstor­fer Re­gi­ons­ab­ge­ord­ne­ten von SPD und CDU, Frauke Meyer-Grosu und Man­fred Wen­zel ver­tei­di­gen das Vor­ge­hen von aha. Beide gehören dem Re­gi­ons­aus­schuss für Ab­fall­wirt­schaft an. "­Der Ge­brauch der blauen Sä­cke ist in den ver­gan­ge­nen Jah­ren von 20 auf 40 Mil­lio­nen im Jahr ge­stie­gen. Das ist ja eine un­glaub­li­che Zahl", sagt Frauke Meyer-Gro­su. Vor al­lem Fir­men und Ge­schäfte hät­ten sich of­fen­bar einen Kos­ten­vor­teil ver­schafft, da sie sich die An­schaf­fung der han­delsüb­li­chen Ab­fallsä­cke spar­ten. "Lei­der müs­sen wir Bür­ger, die wir die Sä­cke ih­rem Zweck ent­spre­chend nut­zen, nun dar­un­ter lei­den", be­klagt die SPD-Po­li­ti­ke­rin. Die Höhe der Schutz­ge­bühr hält sie für ver­tret­bar. Man­fred Wen­zel sieht es ähn­lich, merkt aber an, dass man ü­ber die Höhe der Schutz­ge­bühr noch ein­mal spre­chen müs­se. Er will un­ter an­de­rem wis­sen, was eine Rolle in der Her­stel­lung kos­tet und was der Han­del dafür be­kommt. "Ich sehe auch die Ge­fahr, dass sich wie­der eine Gruppe von Kun­den für die Pa­pier­tonne ent­schei­det. Häu­fig ist je­doch die Stand­platz­frage nicht ge­klärt und für aha be­deu­tet die Ton­nen­leh­rung einen zu­sätz­li­chen Auf­wand, was wie­derum mehr Kos­ten ver­ur­sacht", so Wen­zel. Da­niel Far­nung (FDP) lehnt die Pläne ab. "Da die Nut­zung von Alt­pa­pier­ton­nen bis­her kos­ten­los ist und laut aha auch blei­ben soll, wäre die Ein­führung von kos­ten­pflich­ti­gen Alt­pa­pier­sä­cken den Nut­zern der blauen Alt­pa­pier­sä­cke ge­genü­ber un­fair", so Far­nung. Er hält die Be­grün­dung von aha zwar für nach­voll­zieh­bar, die Ge­bühr würde an der Zweck­ent­frem­dung aber aus sei­ner Sicht nichts än­dern. Er plä­diert für mehr An­reize zur Müll­ver­mei­dung. Det­lev Ul­rich Aders (AfD) lehnt die Ein­führung ei­ner Ge­bühr eben­falls ab. "­Schon bei der letz­ten Ge­bühre­ner­höhung war ver­mut­lich ab­seh­bar, dass die Alt­pa­pier­sä­cke nicht mehr kos­ten­los ab­ge­ge­ben wer­den kön­nen. Die Ver­mu­tung liegt na­he, dass die Be­grün­dung der Zweck­ent­frem­dung nur vor­ge­scho­ben ist und die Kun­den vor­wie­gend zum Um­stieg auf die Tonne be­wo­gen wer­den sol­len", so Aders. Der Lu­ther Rü­di­ger Hergt, der eben­falls Mit­glied der Re­gi­ons­ver­samm­lung ist, wird den Plä­nen eben­falls nicht zu­stim­men. Die sin­ken­den Ein­nah­men aus dem Ver­kauf von Pa­pier sind sei­ner Mei­nung nach ein tem­poräres Pro­blem. Er sagt: "Es scheint so zu sein, als ob der neue aha-Ge­schäfts­füh­rer Tho­mas Schwarz ei­ni­ges um­ge­stal­ten will. Man­ches mag gut sein, aber die blauen Sä­cke nur ge­gen Ge­bühr ab­zu­ge­ben, halte ich nicht für gut." Her­um­flie­gen­des Pa­pier auf den Straßen werde zu­neh­men, so die Be­fürch­tung von Hergt. Heute tagt der Ab­fall­wirt­schafts­aus­schuss. Die Mit­glie­der wer­den dort ü­ber eine Än­de­rung der Ab­fall­ge­bühren­sat­zung be­ra­ten. Fo­to: tau

vom 26.10.2017 | Ausgabe-Nr. 43A

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