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» Rehburg-Loccum

Werben um Anerkennung für die Meßwarbs

Vortrag über Rehburgs Baumeister findet große Resonanz / Kapitel der Stadtgeschichte erzählen

Ein ge­wis­ses In­ter­esse an dem Thema hatte Hü­se­mann, der bis vor we­ni­gen Jah­ren noch Bür­ger­meis­ter Reh­burg-Loc­cums war, er­war­tet. Dass dann al­ler­dings im Saal der "Ro­man­tik Bad Reh­bur­g" seine kühns­ten Er­war­tun­gen, die auf rund 40 Gäste hin­aus­lie­fen, so weit ü­ber­trof­fen wur­den, dass der Saal mit reich­lich 100 Gäs­ten ge­füllt war, er­staunte ihn doch sehr und bestärkte ihn in der An­nah­me, dass die­ses wich­tige Ka­pi­tel der Stadt­ge­schichte Reh­burg-Loc­cums be­wahrt und wei­ter­ge­tra­gen wer­den soll­te. Was es zu be­wah­ren gilt, das ist ins­be­son­dere in Reh­burg sehr prä­sent. Zahl­rei­che Ge­bäu­de, die ein­deu­tig das Orts­bild prä­gen stam­men näm­lich von je­nen Meßwarbs. Ob es die alte Schule ist, in der mitt­ler­weile die Po­li­zei re­si­diert, der "Raths-Kel­ler", der mit ei­nem der schöns­ten Säle der Um­ge­bung prun­ken kann, der Feu­er­wehr­turm oder auch die Vil­la, in der der Schrift­stel­ler Ernst Jün­ger seine Ju­gend­jahre ver­brach­te. Wei­tere Wohn­häu­ser, die ins Auge fal­len, sind etwa die Wohn­häu­ser, die Wil­helm und Ernst Meßwarb für ihre ei­ge­nen Fa­mi­lien bau­ten. So ge­ballt, wie in Reh­burg tritt die Ar­chi­tek­tur von Va­ter und Sohn in den um­lie­gen­den Or­ten zwar nicht ins Bild. Un­ver­kenn­bare Ge­bäude ha­ben sie aber auch dort er­schaf­fen – in Wöl­ping­hau­sen etwa das Matte-Schlöss­chen und in Mar­dorf die alte Schu­le. Das Be­son­dere an die­sen Bau­ten, führte Hü­se­mann aus, seien ei­nige Ele­men­te. Das eine sei der Ma­te­rial-Mix, den beide be­vor­zug­ten. Sand­stein-So­ckel un­ter Back­stein-Auf­bau­ten, Holz-Ge­fa­che, die häu­fig mit Sinn­sprüchen ver­se­hen sind, Türm­chen hier und Er­ker dort, Gau­ben in ver­schie­de­nen Aus­führun­gen zeug­ten von der Lust am Ent­wurf der bei­den. Dem hät­ten sie oft noch wei­tere Ele­mente bei­ge­fügt. Am Haus von Ernst Meßwarb schlum­mert ein Dackel an der Kette an der Wand nahe dem Ein­gang. An der al­ten Schule zeugt ein Fries mit Eule – Sym­bol der Weis­heit – ein stei­ner­nes Tä­fel­chen mit Schwamm und eine auf­ge­schla­gene – ebenso stei­nerne – Fi­bel da­von, was die Schü­ler dort er­war­ten soll­te. Be­son­ders prunk­voll ist die In­nen­aus­stat­tung des Bür­ger­saals im "Raths-Kel­ler" mit Dra­chenköp­fen, die als Trä­ger für Zu­gan­ker die­nen, mit auf­ge­mal­ten Zunft­zei­chen in zahl­rei­chen Ge­fa­chen und auch dort mit ei­nem Sinn­spruch, auf den heute noch bei so man­cher Ver­an­stal­tung in je­nem Saal hin­ge­wie­sen wird: "Fürs Gan­ze, nicht für Dich tritt ein. So wird des Or­tes Wohl ge­dei­hen." Den großen Rei­gen des­sen, was diese Ar­chi­tek­tur aus­macht, ent­fal­tete Hü­se­mann, brachte sie in den Kon­text der Zeit­ge­schichte und rei­cherte sei­nen Vor­trag mit Erzäh­lun­gen aus dem Le­ben der bei­den an – weit ü­ber de­ren Vita ging er hin­aus, wenn er etwa aus den Brie­fen zi­tier­te, die der junge Ernst Meßwarb an seine Braut Adele schrieb, um ihr da­von zu be­rich­ten, wie ihr ge­mein­sa­mes Heim ent­stehe und wes­we­gen er diese oder jene Lö­sung wähl­te. Die Auf­merk­sam­keit des Pu­bli­kums war Hü­se­mann nicht nur bei sol­chen Pas­sa­gen ge­wiss. Doch wie nun den Stil ein­ord­nen, in dem die Meßwarbs ar­bei­te­ten? Ei­nige Mög­lich­kei­ten bot Hü­se­mann an. Sollte das, was von zirka 1850 bis 1938 ge­schaf­fen wur­de, dem His­to­ris­mus zu­ge­ord­net wer­den? Zahl­rei­che Ele­mente spre­chen dafür und diese Ar­chi­tek­tur-Rich­tung fiel ge­nau in jene Zeit. An­de­rer­seits, führte er aus, spräche auch viel für den Ju­gend­stil. An Bei­spie­len dazu man­gelte es ihm nicht, al­lein et­li­che Bunt­glas­fens­ter, die die Meßwarbs in ihre Bau­ten in­te­grier­ten, ließen die­sen Schluss zu. Letzt­lich war Hü­se­manns Schluss­fol­ge­rung, dass es sich um einen voll­kom­men ei­ge­nen Bau­stil han­dele – den Reh­bur­ger Bau­stil. Die­sem Bau­stil und den Bau­meis­tern Meßwarb mehr An­er­ken­nung zu­teil wer­den zu las­sen, stünde Reh­burg gut zu Ge­sicht, war Hü­se­manns Fa­zit. Ein be­geis­ter­tes Pu­bli­kum ver­ließ den Saal, das ver­mut­lich man­ches in Reh­burg und Um­ge­bung künf­tig an­ders be­trach­ten wird.­Fo­to: jan

vom 27.01.2018 | Ausgabe-Nr. 4B

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