Der Notruf kommt von der Insel Wilhelmstein: Eine Mutter kann plötzlich nicht mehr richtig sprechen. Für die Rettungskräfte beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit. Weil sich die Patientin auf der Insel befindet, setzt die Feuerwehr Steinhude die Johanniter zunächst mit dem Boot über. Nach der Erstversorgung verdichtet sich der Verdacht. Die Frau hat einen Schlaganfall. Sie muss umgehend in ein Krankenhaus gebracht werden. Der vermeintliche Schlaganfall auf der Insel war – zum Glück – jedoch nur eines von mehreren vorbereiteten Übungsszenarien. Zwölf Stunden lang stellten sich gestern rund 30 Ehrenamtliche neuen Einsatzlagen.
Die Johanniter aus Wunstorf-Steinhuder Meer trainierten gemeinsam das Vorgehen für den Ernstfall. Unterstützt wurden sie von Helferinnen und Helfern aus dem Ortsverband Deister sowie von den Feuerwehren aus Steinhude, Wunstorf und Hagenburg. Selbst Mitglieder der Führungsebene schlüpften in Rollen: Regionalvorstandsmitglied der Johanniter Niedersachsen Mitte, Robin Schwerdtfeger, stellte einen psychisch belasteten Patienten dar. Die Bandbreite der Szenarien reichte von einer Reanimation bis hin zu technischen Rettungen. So musste eine gestürzte Person mithilfe der Drehleiter der Feuerwehr Wunstorf aus einer schwer zugänglichen Lage gerettet werden. Ein besonders anspruchsvolles Szenario spielte sich am Hölty Gymnasium ab. Dort mussten die Einsatzkräfte drei Schülerinnen und Schüler versorgen, die sich beim Sportunterricht verletzt hatten. Mehrere Rettungswagen, ein Notarzteinsatzfahrzeug sowie Fachberater kamen dabei zum Einsatz. Zusätzliche Unruhe entstand durch weitere Jugendliche, die die Rettungskräfte bedrängten und so die Belastungen eines realen Einsatzes simulierten.
Für die realistische Unfall- und Notfalldarstellung der simulierten Patienten war Sophie Niemeyer verantwortlich. Gemeinsam mit ihrem Team stellte sie Wunden, Symptome und Verhaltensweisen so authentisch wie möglich nach. „Die Vorbereitung und Darstellung waren durchaus anstrengend, gleichzeitig hat es viel Spaß gemacht. Am Ende haben wir unser Ziel erreicht und dafür gesorgt, dass alle Patienten bestmöglich versorgt werden konnten“, sagte Niemeyer. Nach zwölf Stunden Blaulicht, Funkverkehr und herausfordernder Entscheidungen zog Übungsleiter Fabrice Louis ein Fazit: „Wir haben viele erfahrene Ehrenamtliche, und das hat sich heute bei allen Einsatzlagen gezeigt. Die Abläufe haben gut funktioniert, und gefreut hat mich, mit wie viel Motivation und Engagement alle bis zum Ende dabeigeblieben sind“, so der Johanniter.