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Soldaten kehren nach risikoreicher Libyen-Operation wohlbehalten zurück

Befehlshaber des Einsatzführungskommandos zeigt sich erleichtert über den Verlauf des Einsatzes

WUNSTORF (so­wi). Na­hezu alle großen Fern­seh­an­stal­ten und bun­des­weite Ta­ges­zei­tun­gen wa­ren ver­tre­ten, als am Sonn­abend sechs Tran­sall-Flug­zeuge auf dem Flie­ger­horst nach Ab­schluss der Ope­ra­tion "­Pe­ga­sus" mit rund 150 Sol­da­ten aus 30 Stand­orten auf dem Flie­ger­horst lan­de­ten. Sie hat­ten nach dem Be­ginn der Un­ru­hen in Li­byen vom 22. Fe­bruar bis 26. Fe­bruar 262 Men­schen, dar­un­ter 125 deut­sche Staats­bür­ge­rin­nen und -bür­ger, aus dem Kri­sen­ge­biet eva­ku­iert. Nach ih­rer Rück­kehr wur­den die Sol­da­ten des Fall­schirmjä­ger­ba­tail­lons See­dorf, Feld­jä­ger, Sprach­mitt­ler und In­ter­kul­tu­relle Ein­satz­be­ra­ter per­sön­lich per Hand­schlag durch den Be­fehls­ha­ber des Ein­satz­führungs­kom­man­dos, Ge­ne­ral­leut­nant Rai­ner Glatz, be­grüßt.

In ei­ner chro­no­lo­gi­schen Ab­folge be­rich­tete Glatz vor der Pres­se, Funk und Fern­se­hen ü­ber den Ab­lauf der Ope­ra­tion "­Pe­ga­sus", zu der mit Kräf­ten aus Heer, Luft­waf­fe, Ma­ri­ne, Streit­kräf­te­ba­sis, des Zen­tra­len Sa­nitäts­diens­tes und der Wehr­ver­wal­tung ein Ein­satz­ver­band zu­sam­men­ge­stellt wor­den war, an dem knapp ein­tau­send Sol­da­tin­nen und Sol­da­ten be­tei­ligt wa­ren. Die ge­samte Ope­ra­tion stand un­ter der Führung des Ein­satz­kom­man­dos der Bun­des­wehr.

Am 22. Fe­bruar star­ten zwei Tran­sall aus Wunstorf und Hohn vom NATO Stütz­punkt De­ci­mo­mannu auf Sar­di­nien und lan­den in­Tri­po­lis zur Eva­ku­ie­rung von 56 Deut­schen nach Mal­ta. Am 23. Fe­braur fliegt ein Air­bus der Flug­be­reit­schaft des Bun­des­ver­tei­di­gungs­mi­ni­se­ri­ums 27 Deut­sche von Tri­po­lis nach Köln-Wahn. Am 25. Fe­braur er­rei­chen die Fre­gatte Bran­den­burg und der Ein­satz­grup­pen­ver­sor­ger Ber­lin die li­by­sche Küs­te. Zwei Tran­sall der Luft­trans­port­ge­schwa­der 61 in Pen­zing und 63 in Hohn flie­gen Kräfte zum Ei­gen­schutz von Deutsch­land nach Kre­ta. Ab dem 26. Fe­bruar ste­hen die Fre­gat­ten Rhein­land-Pfalz, Bran­den­burg und Ber­lin für eine mög­li­che See-Eva­ku­ie­rung vor der li­by­schen Küste be­reit. Am sel­ben Tag star­ten mit­tags zwei Tran­sall auf Kre­ta, die drei­ein­halb Stun­den später in der Wüste von Na­fu­rah lan­den. "Das Ein­flie­gen und die Eva­ku­ie­rungs­maß­nah­men wa­ren an­ge­mel­det", be­tonte Glatz, den­noch wa­ren die Ri­si­ken nicht be­re­chen­bar, denn man weiß in dem zer­fal­len­den Staats­ge­bilde nicht, wer ge­rade das Kom­mando hat." Ins­be­son­dere der Raum Tri­po­lis sei von Flug­ab­wehr­ra­ke­ten ge­si­chert, des­halb wa­ren hier die Tran­sall ein­ge­setzt, die ü­ber Ra­ke­ten­ab­wehrein­rich­tun­gen ver­fü­gen.

Im Be­reich der Öl­för­der­an­la­gen Na­fu­rah be­fan­den sich be­waff­nete Wa­chen, die von den An­gehö­ri­gen des Fall­schirmjä­ger­ba­tail­lons 373 aus See­dorf im Auge be­hal­ten wur­den. Un­mit­tel­bar nach der Lan­dung eil­ten die ers­ten Zi­vi­lis­ten mit Kof­fern auf die Ma­schi­nen zu.

Es wa­ren Men­schen aus 31 Na­tio­nen, dar­un­ter mehr als ein­hun­dert In­ge­nieure und Mit­ar­bei­ter aus der Öl­in­dus­trie ei­nes in Deutsch­land an­säs­si­gen in­ter­na­tio­na­len Öl­kon­zerns.

Als Kom­man­dant ei­ner Tran­sall des LTG 62 war Oberst­leut­nant Wil­fried Preska aus Wunstorf nach Tri­po­lis ge­flo­gen, um Men­schen nach Malta zu eva­ku­ie­ren. "­Die­ser Flug war keine Rou­ti­ne, denn es musste je­der­zeit mit ei­nem mi­litäri­schen Eis­natz vom li­by­schen Bo­den ge­rech­net wer­den", sagte Pres­ka, ein Pi­lot mit fast zwan­zig­jäh­ri­ger Flug­er­fah­rung.

­Bri­ga­de­ge­ne­ral Vol­ker Bescht hatte das Kom­mando ü­ber den Ein­satz­ver­band vor Ort: "Wir hat­ten fünf ver­schie­dene Ein­satz­ab­läufe ent­wi­ckelt, um auch auf an­de­ren We­gen zum Ziel zu kom­men. Zum Glück ver­lie­fen alle Eva­ku­ie­rungs­maß­nah­men rei­bungs­los."

­Fo­to: sowi

vom 10.03.2011 | Ausgabe-Nr. 10A

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