Wunstorfer Stadtanzeiger - Das Mitteilungs- und Anzeigenblatt für die Wunstorfer Region

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Viele Worte und keine konkreten Aussagen

Regions-Umweltausschuss besichtigt Asbesthalde

WUNSTORF -pot- Le­dig­lich der In­for­ma­tion diente eine Be­sich­ti­gung der Ful­gu­rit-As­best­halde durch den Aus­schuss für Um­welt und Nah­er­ho­lung der Re­gi­ons­ver­samm­lung, der un­ter der Lei­tung sei­ner Vor­sit­zen­den, Bri­gitte Nieße, statt­fand. Mit da­bei auch der Fach­lei­ter für Um­welt­schutz bei der Re­gi­ons­ver­wal­tung, Ger­hard Meyer. Als Gast nahm eben­falls der FDP-Ab­ge­ord­nete Bern­hard Kloc­kow teil, der mit sei­nen bis­he­ri­gen Fra­gen an den Re­gi­ons­prä­si­den­ten, Hauke Ja­gau, be­züg­lich der Halde be­reits viel Staub auf­wir­bel­te. Hal­den­gelände bau­recht­lich aus­ge­grenzt Neu­kirch setzt auf dop­pel­ten Gleis­an­schluss Keine ein­heit­li­che Mei­nung im Aus­schuss FDP-Ab­ge­ord­ne­ter be­klagt man­gelnde In­for­ma­tion Lo­gis­tik-Un­ter­neh­men will keine "u­to­pi­schen" Be­träge zah­len

Wunstorfs städ­ti­scher Bau­di­rek­tor, An­dreas Varn­holt, gab zunächst einen um­fas­sen­den Ü­ber­blick ü­ber die bau­recht­li­chen Grund­la­gen für das dor­tige Ge­biet, das An­fang der 80er Jahre ins­ge­samt durch den Rat der Stadt als In­dus­trie­ge­biet un­ter gleich­zei­ti­ger Aus­gren­zung des Hal­den­be­rei­ches be­schlos­sen wur­de. Das hätte auch heute noch Be­stand, so Varn­holt wei­ter. Die Stadt sei be­reit, den bis­he­ri­gen Be­bau­ungs­plan zu än­dern, al­ler­dings nur dann, wenn die Halde weg ist. An­dreas Varn­holt: "Das ha­ben wir im­mer ge­sagt und da­bei bleibt es auch."

Os­kar Sieg­fried Neu­kirch vom gleich­na­mi­gen Lo­gis­tik-Un­ter­neh­men in­for­mierte den Aus­schuss ü­ber die Pla­nun­gen sei­nes Un­ter­neh­mens, dem es sehr daran ge­le­gen ist, für seine um­fang­rei­chen Um­schlags­auf­träge für nam­hafe deut­sche und in­ter­na­tio­nale Her­stel­ler und Auf­trags­ge­ber einen dop­pel­ten Gleis­an­schluss, un­ter an­de­rem für die be­reits vor­han­dene große La­ger­hal­le, zu be­kom­men. In ihr wür­den schon jetzt täg­lich min­des­tens 40 Last­wa­gen durch mehr als 40 Mit­ar­bei­te­rin­nen und Mit­ar­bei­ter mit­hilfe mo­d­erns­ter Tech­nik um­ge­schla­gen. Ein wei­te­rer Aus­bau der Ka­pa­zitäten und die da­mit ver­bun­dene Schaf­fung wei­te­rer Ar­beit­plätze sei aber nur dann zu rea­li­sie­ren, wenn die Halde ver­schwin­det und die Gleis­an­schlüsse ge­baut wer­den könn­ten. Für ih­ren Bau seien be­reits bei der Pla­nung der neuen Halle alle dafür er­for­der­li­chen bau­li­chen Bau­maß­nah­men ge­trof­fen wor­den. So wurde un­ter an­de­rem auch die Ka­pa­zität der Sprink­ler­an­lage von vorn­her­ein so groß di­men­sio­niert, dass sie pro­blem­los auch die noch zu bau­en­den An­la­gen ver­sor­gen könn­te. Sieg­fried Neu­kirch: "Wenn der Berg weg ist, neh­men wird er­neut viel Geld in die Han­d." Das hätte sein Un­ter­neh­men be­reits für die bis­he­ri­gen Pla­nun­gen in Höhe von rund 55.000 Euro ge­tan. Wenn die Halde nicht weg­kä­me, müsste er an­dere Al­ter­na­ti­ven ins Auge fas­sen. Wo­an­ders seien be­reits Hal­len dafür vor­ge­se­hen.

Wie nicht an­ders zu er­war­ten, war un­ter den Aus­schuss­mit­glie­dern noch keine ein­heit­li­che Mei­nung fest­zu­stel­len. Ab­war­tende Hal­tung lag fast greif­bar in der Luft. Ent­spre­chend war auch die Stel­lung­nahme der Vor­sit­zen­den ge­genü­ber dem Stadt­an­zei­ger. Sie geht al­ler­dings da­von aus, dass das Thema schon bald ganz of­fi­zi­ell in ih­rem Aus­schuss be­han­delt wird. Nach ih­ren Wor­ten ist es jetzt ein­mal wich­tig zu klären, wie hoch die zu er­war­ten­den Kos­ten sein wer­den und wie sie un­ter an­de­rem durch För­der­mit­tel auf­ge­fan­gen wer­den kön­nen. Sie sprach sich strikt dafür aus, dass die­je­ni­gen, die künf­tig von Flächen pro­fi­tie­ren, auch ent­spre­chend fi­nan­zi­ell be­tei­ligt wer­den müss­ten.

Bern­hard Kloc­kow be­dau­erte ge­genü­ber dem Stadt­an­zei­ger, dass die Aus­schuss­mit­glie­der we­der bei der Be­ge­hung noch vor­her genü­gend ü­ber das As­best­hal­den-Pro­blem in­for­miert wur­den. Ge­nauso we­nig sei ü­ber eine mög­li­che Al­ter­na­tiv ge­spro­chen wor­den. Kloc­kow: "­Die Ver­la­ge­rung der De­po­nie hängt hin­sicht­lich der Kos­ten da­von ab, ob es sich hier um schwach- oder stark as­best­ge­bun­des Ma­te­rial han­del­t." Nach sei­nen Wor­ten wür­den bei ei­ner Ver­la­ge­rung der Halde die Ar­beits- und Um­welt­schut­zin­ves­ti­tio­nen sich nicht, wie bis­her im­mer an­ge­ge­ben, in ei­nem Be­reich von fünf, son­dern eher von zehn Mil­lio­nen Euro be­we­gen. Er er­war­tet, dass die Re­gion eine Ü­ber­prü­fung hin­sicht­lich der ö­ko­no­mi­schen und der ö­ko­lo­gi­schen Fak­ten durch­führt. Klocke: "Das hier ge­han­delt wer­den muss, egal ob Ab­de­ckung oder Ver­la­ge­rung, ist rich­tig, es be­steht aber kein Hand­lungs­druck."

Letz­te­res dürfte aber das Un­ter­neh­men Neu­kirch ganz an­ders se­hen. Schließ­lich ist der Kon­kur­renz­druck im Lo­gis­tik­be­reich un­ge­heuer groß. Wenn der nicht schnell und kon­se­quent rea­giert, bleibt er im wahrs­ten Sinne des Wor­tes "auf der Strecke".

Die Firma Neu­kirch wäre be­reit, sich mit bis zu 550.000 Euro an ei­ner Ver­la­ge­rung der Halde zu be­tei­li­gen. Sieg­fried Neu­kirch: "Das ist für uns die ab­so­lute Schmerz­gren­ze. Wir ha­ben schon jetzt für die Pro­jek­tie­rung und Gut­ach­ten hohe Kos­ten tra­gen müs­sen." Die ins­ge­samt durch sein Un­ter­neh­men zu tra­gen­den Kos­ten in Höhe von 600.000 Euro wür­den ge­nau dem Grund­stücks­wert nach dem Ab­tra­gen der Halde ent­spre­chen. Mehr sei ein­fach nicht mög­lich. Sieg­fried Neu­kirch: "Wir kön­nen keine uto­pi­schen Be­träge zah­len. Wir müs­sen zum Wohle un­se­rer Fir­ma, und da­mit auch für un­sere Mit­ar­bei­te­rin­nen und Mit­ar­bei­ter, un­ter­neh­me­risch und ver­ant­wor­tungs­be­wusst han­deln." Von ei­ner Ab­de­ckung der Halde hält er ü­ber­haupt nichts, da be­reits meh­rere wis­sen­schaft­li­che Un­ter­su­chun­gen ge­zeigt hät­ten, dass sie nur für eine ge­wisse Zeit hält und da­mit letzt­lich sinn­los ist. Fo­to: pot

vom 15.09.2007 | Ausgabe-Nr. 37B

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