Ein Großbrand auf dem ehemaligen Vion-Gelände in Wunstorf hat seit Sonntagabend einen der größten Feuerwehreinsätze der vergangenen Zeit ausgelöst. Gegen 23.15 Uhr gingen zahlreiche Notrufe aus der Bevölkerung bei der Feuerwehr ein, zudem meldeten mehrere Lokführer eine starke Rauchentwicklung im Bereich des Geländes. Bereits beim Eintreffen der ersten Einsatzkräfte zeigte sich das Ausmaß des Feuers: Eine Lagerhalle stand in weiten Teilen in Flammen. Dichter Rauch stieg mehrere hundert Meter in den Nachthimmel auf und war weit über die Stadtgrenzen hinaus sichtbar. Aus zahlreichen Öffnungen des Gebäudes schlugen Flammen.
Die Alarmstufe wurde umgehend erhöht, weitere Kräfte sowie die Einsatzleitung-Ort (ELO) rückten nach Wunstorf aus. Im Verlauf des Einsatzes waren rund 300 Kräfte vor Ort. Neben den Feuerwehren der Stadt Wunstorf unterstützten zahlreiche überörtliche Einheiten. Für die Brandbekämpfung kamen drei Drehleitern aus Wunstorf, Neustadt und Garbsen zum Einsatz. Zusätzlich unterstützten Löschzüge aus den Nachbarkommunen die intensive Brandbekämpfung. Der Wasserförderzug der Stadtfeuerwehr Wunstorf sowie weitere Spezialkomponenten stellten die Versorgung sicher. Um die erforderliche Menge an Löschwasser bereitzustellen, wurden rund sechs Kilometer Schlauchleitungen verlegt. Die Versorgung erfolgte über Hydranten sowie leistungsstarke Pumpensysteme aus mehreren Richtungen.
Zur Unterstützung der Einsatzleitung wurde die Drohneneinheit der Regionsfeuerwehr Hannover alarmiert. Die Luftbilder halfen, die Ausbreitung des Brandes besser einzuschätzen und Maßnahmen gezielt anzupassen. Zudem standen verschiedene Fachberater zur Verfügung. Ein Vertreter der Johanniter-Unfall-Hilfe unterstützte bei sanitätsdienstlichen Fragen und der Absicherung der Einsatzkräfte. Die Verpflegung übernahmen ebenfalls die Johanniter in Wunstorf. Das Technische Hilfswerk war mit mehreren Fachberatern eingebunden. Ein Baufachberater empfahl schließlich, Teile der Gebäude gezielt niederzulegen, um Gefahren zu minimieren. Eine Premiere erlebte die Ortsfeuerwehr Großenheidorn: Erstmals kam das Hochdruck-Schneid- und Löschsystem „Cobra“ unter realen Bedingungen zum Einsatz. Es ermöglichte eine gezielte Brandbekämpfung in schwer zugänglichen Bereichen. Auch ein Großfahrzeug der Flughafenfeuerwehr des Fliegerhorstes Wunstorf wurde angefordert und unterstützte die Maßnahmen.
Im weiteren Verlauf entschied die Einsatzleitung, Teile der Dachkonstruktion kontrolliert abbrennen zu lassen. Dadurch konnte der Brand gezielter bekämpft werden, ohne Einsatzkräfte unnötigen Risiken auszusetzen. Der Gefahrgutzug der Feuerwehr Neustadt führte umfangreiche Luftmessungen im Stadtgebiet und in umliegenden Ortschaften durch. Dabei wurden keine gesundheitsgefährdenden Werte festgestellt. Für die Bevölkerung bestand keine Gefahr, auch wenn Rauch und Brandgeruch deutlich wahrnehmbar waren. Über Warnsysteme wurden die Anwohner informiert, Fenster und Türen geschlossen zu halten sowie Lüftungs- und Klimaanlagen abzuschalten. Ein Feuerwehrmann wurde während des Einsatzes leicht verletzt und vom Rettungsdienst betreut. Am Montagnachmittag waren noch rund 100 Einsatzkräfte vor Ort. Teile des Gebäudes wurden kontrolliert abgetragen, um eine Destabilisierung des Schornsteins zu verhindern. Parallel liefen Nachlöscharbeiten und die Suche nach Glutnestern.
Nach rund 19 Stunden konnte schließlich um 18.10 Uhr „Feuer aus“ gemeldet werden. Am Abend erfolgte eine abschließende Brandnachschau mit Wärmebildkamera. Zur Brandursache und zur Höhe des Sachschadens liegen derzeit keine Angaben vor. Die Ermittlungen dauern an.