Der Athletik-Sportverein Wunstorf Südaue (ASV) sieht die Vielfalt des Vereinssports in Kolenfeld gefährdet. Hintergrund sind die knapper werdenden Hallenkapazitäten infolge des Ganztagsbetriebs an den Schulen. Mit einem Positionspapier, konkreten Lösungsvorschlägen und inzwischen 258 gesammelten Unterschriften setzt sich der Verein für den Erhalt seiner Sportangebote ein.
Das Angebot des ASV reicht vom Eltern-Kind-Turnen über Kinder- und Wettkampfturnen bis hin zu Badminton, Paartanz sowie Senioren- und Gesundheitssport. Gemeinsam mit den Angeboten anderer Vereine entstehe in Kolenfeld ein breites Sportprogramm für alle Generationen. Neben der sportlichen Betätigung gehe es dabei auch um Begegnung, Gemeinschaft und ehrenamtliches Engagement. Nach Auffassung des Vereins gerät dieses Angebot zunehmend unter Druck. Bereits durch die Einführung des Ganztagsbetriebs an den Schulen seien die nutzbaren Hallenzeiten für den Vereinssport deutlich reduziert worden. Es ist von einem Verlust von rund einem Viertel der bisher verfügbaren Zeiten die Rede.
Mit dem Beginn der Hallensaison nach den Herbstferien verschärft sich die Situation nach Einschätzung des Vereins zusätzlich. Während weitere Hallensportarten ihren regulären Trainingsbetrieb aufnehmen, wächst die Konkurrenz um die vorhandenen Kapazitäten. Es gehe mittlerweile nicht mehr nur um die Vergabe freier Hallenzeiten. Stattdessen würden auch bereits belegte und regelmäßig genutzte Trainingszeiten zur Disposition stehen. Das könne dazu führen, dass bestehende Angebote eingeschränkt oder ganz aufgegeben werden müssen. Der Verein betont, dass hinter jeder Hallenstunde Menschen stehen. Kinder warten auf ihre Turngruppe, Jugendliche trainieren gemeinsam mit Freunden, Erwachsene nutzen den Sport als Ausgleich zum Berufsalltag und Senioren pflegen dort soziale Kontakte. Fielen Angebote weg, seien die Folgen daher weit größer als der Verlust einiger Hallenminuten.
Besonders kritisch sieht der ASV die Verteilung der vorhandenen Hallenzeiten. Nach eigenen Auswertungen gebe es weiterhin Zeiten, die nicht oder nur unregelmäßig genutzt würden. Deshalb stelle sich die Frage, warum bestehende Gruppen ihre Trainingsmöglichkeiten verlieren sollen, während andernorts Kapazitäten frei bleiben. Gefordert wird daher, zunächst alle Alternativen auszuschöpfen. Dazu zählen die Nutzung bisher ungenutzter Zeitfenster, Anpassungen von Trainingszeiten, die gemeinsame Nutzung größerer Hallen oder organisatorische Veränderungen innerhalb bestehender Belegungspläne. Auch kleinere Kompromisse könnten helfen, etwa durch geringe Anpassungen einzelner Trainingszeiten. Dies schaffe zusätzlichen Spielraum, ohne bestehende Angebote grundsätzlich infrage zu stellen. Die Stadt betont wiederum, dass genau das laufend geschehe und die verfügbaren Nutzungszeiten gerecht zwischen den Vereinen aufgeteilt sowie Alternativvorschläge gemacht würden. Dass der Bedarf insgesamt groß ist, spricht einerseits für die vielfältige Wunstorfer Vereinslandschaft, andererseits können nicht alle Wünsche 1:1 umgesetzt werden. Dafür sei die Nutzung der Sporthallen aber auch kostenlos, so die Stadt.
Beim ASV sorgt allerdings eine Begründung der Stadtverwaltung für Verwunderung, wonach Hallenzeiten in Grundschulen grundsätzlich erst nach Ende des Ganztagsbetriebs ab 15.45 Uhr vergeben werden könnten. Diese Argumentation in einem Schreiben der Stadt an den Verein ist nicht durchgängig belastbar. So gibt es beispielsweise ein Eltern-Kind-Turnen des TuS Wunstorf in der Turnhalle der Stadtschule, das freitags bereits um 15 Uhr beginnt. Bestehen also doch Spielräume? Die Stadtverwaltung korrigiert auf Nachfrage des Stadtanzeigers entsprechende Aussagen in dem Brief. Gemeint seien die Grundschulen, die neu in den Ganztag gestartet sind, um den Rechtsanspruch auf Betreuung zu erfüllen. Dazu zählt auch Kolenfeld. An der Stadtschule hätten sich wiederum funktionierende Strukturen in der Vergangenheit etabliert. Der ASV fordert hingegen eine transparente Darstellung der Kriterien, nach denen Ausnahmen zugelassen oder Anträge abgelehnt werden. Gerade angesichts knapper Hallenkapazitäten müsse nachvollziehbar sein, welche Möglichkeiten geprüft wurden und warum einzelne Lösungen realisierbar seien, andere jedoch nicht.
Mit Blick auf Kolenfeld bleibt die Stadtverwaltung aber erst einmal hart. Die derzeitige Regelung habe Bestand. Die Vergabe von Hallenzeiten sei aber dennoch ein ständig laufender Prozess, Anpassungen also grundsätzlich möglich. Flexibilität gelte aber in beide Richtungen. Um auf die missliche Lage aufmerksam zu machen, hat der ASV innerhalb von rund anderthalb Wochen 258 Unterschriften gesammelt. Die Unterstützer sprechen sich damit für den Erhalt der vielfältigen Bewegungsangebote in Kolenfeld aus. Die Resonanz zeige, dass die Diskussion viele Menschen bewegt. Betroffen seien nicht nur die aktiven Sportler, sondern auch die zahlreichen ehrenamtlichen Übungsleiter, die die Angebote Woche für Woche ermöglichen.