Kommentar | Wunstorfer-Stadtanzeiger

Kommentar

Wird aufgegeben: Die Räume der Katholiken in Hohnhorst. (Foto: gk)
Wird aufgegeben: Die Räume der Katholiken in Hohnhorst. (Foto: gk)
Wird aufgegeben: Die Räume der Katholiken in Hohnhorst. (Foto: gk)
Wird aufgegeben: Die Räume der Katholiken in Hohnhorst. (Foto: gk)
Wird aufgegeben: Die Räume der Katholiken in Hohnhorst. (Foto: gk)

Eine sehr sachliche, beziehungsweise sehr kühl verfasste Mitteilung aus dem Kirchenvorstand, konnten die Gemeindemitglieder der katholischen Pfarrgemeinde in ihrem pfarrlichen Mitteilungsblatt nur noch zur Kenntnis nehmen.

Darin teilen die Kirchenvorstandsleitungen Pfarrer Markus Grabowski und Reiner Niedenzu mit, dass der Kirchenvorstand im August beschlossen habe, „den pastoralen Betrieb am Kirchort Hohnhorst zum 1. November 2026 nach der gemeinsamen Messe einzustellen“.

Zahlreiche Gründe, sowohl wirtschaftliche, personelle als auch gesellschaftliche, werden aufgeführt. Fragwürdig erscheint mir die Aussage, dass die Pfarrgemeinde ihren pastoralen Betrieb am Kirchort Hohnhorst gänzlich einstellen wird.

Auch wenn das Geld zum Erhalt der kirchlichen Räume vor Ort nicht reicht, Umbrüche in der Gesellschaft des Ortes stattfinden und es an ehrenamtlichen Mitarbeitenden und Gottesdienstbesuchern mangelt, hat die Kirchengemeinde als Ganzes trotzdem die Aufgabe und Verantwortung, vor Ort für die Menschen pastoral tätig zu sein. Pastorale Tätigkeiten sind nicht von Gebäuden abhängig.

Bischof Heiner Wilmer, der noch bis vor wenigen Wochen das zuständige Bistum Hildesheim leitete und jetzt das Bistum Münster übernommen hat, sowie als Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz auch weiterhin für das pastorale Leben auch im kleinen Ort Hohnhorst mitverantwortlich ist, ist wohl vom Pastoralteam in Hohnhorst nicht „gehört“ worden.

Bischof Wilmer betont mit Nachdruck, dass sich die Kirche nicht aus dem ländlichen Raum zurückziehen darf. Das Dorf und der ländliche Raum dürfen nicht als „Abstellgleis“ oder rein defizitäre Zonen betrachtet werden, in denen Versorgungsstrukturen nur noch abgebaut werden.

Die Kirche vor Ort erfülle eine zentrale Funktion für den Zusammenhalt im Dorf. Wenn sich Institutionen, wie Schulen, Geschäfte oder eben Kirchen, aus Dörfern zurückziehen, entsteht ein Gefühl des Verlassenseins, was auch gesellschaftliche und politische Frustrationen schüren könne.

Und der Bischof warnt davor, Kirche nur noch an formalen Zahlen wie dem sonntäglichen Kirchgang im Dorf zu messen. Kirche im ländlichen Raum sei auch dort lebendig, wo Menschen füreinander da sind, Hilfsbedürftige unterstützen und christliche Nächstenliebe im Alltag leben. Gerade Letzteres kann man in diesem Ort erleben. Es geschieht im Stillen.

Die anstehende Hausaufgabe der Pfarrgemeinde nach dieser Entscheidung dürfe daher nicht nur aus der Sorge um einen günstigen Verkauf der Immobilien bestehen, sondern gerade jetzt um die Pastoral im Ort. Dazu ist sie mit allen hauptberuflichen Mitarbeitenden verpflichtet.

Ein Kommentar von Winfried Gburek.


Winfried Gburek
Winfried Gburek
Freier Redakteur Schaumburger Wochenblatt
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