Landesbischof Ralf Meister hat die Kinderkathedrale in der Stiftskirche besucht. Gemeinsam mit Superintendent Rainer Müller-Jödicke, Diakonin Tanja Giesecke und Kinderkathedralen-Planerin Susanne Paetzold vom Michaeliskloster nahm er den für Kinder umgestalteten Kirchenraum in den Blick. Für Meister bot der Besuch zugleich eine ungewöhnliche Gelegenheit: Er konnte die Stiftskirche zunächst ohne eng getaktetes Programm und ohne unmittelbare Begleitung erkunden. „Sonst sind Besuche oft minutiös geplant. Da ist das schon etwas anderes“, sagte Meister. Er nutzte die freie Zeit, um den Raum auf eigene Weise wahrzunehmen. Unter anderem warf er einen Blick in eine von Kindern mit Decken gestaltete Höhle seitlich vor dem Altar.
„Wir möchten Kindern eine andere Möglichkeit als die klassische bieten, mit Kirche in Berührung zu kommen“, sagte Paetzold. Die Kinderkathedrale macht die mehr als 1000 Jahre alte Stiftskirche für drei Wochen im Juni zu einem Erlebnis- und Entdeckungsraum für Kinder bis 12 Jahre. An verschiedenen Stationen können Kinder spielen, bauen, basteln, nachdenken, beten und den Kirchenraum mit eigenen Fragen erkunden. „Das ist ausdrücklich erwünscht und schafft immer wieder besondere Momente und Gespräche“, beschrieb Giesecke ihre Erfahrungen der vergangenen Wochen direkt unter dem Sternenzelt. Über den Kirchenbänken hängen zahlreiche Sterne, die Kinder aus Kitas und Schulklassen gestaltet haben. Einen besonderen Moment für den Bischof bot die Segensschaukel. Sie ist auch für Erwachsene zugelassen. Ralf Meister legte sich hinein und nahm den Kirchenraum aus einer ungewohnten Perspektive wahr: mit dem Blick nach oben in das Deckenschiff der Stiftskirche. Genau solche Perspektivwechsel gehören zur Grundidee der Kinderkathedrale. Kinder sollen Kirche nicht nur erklärt bekommen. Sie sollen den Raum mit ihrem Körper, ihren Fragen und ihrer Fantasie erleben.
Auch zwei Kisten mit Klemmbausteinen wurden zu einem Gesprächsthema. Die Gäste bauten gemeinsam los und sprachen dabei darüber, wie Kinder Kirche darstellen, verändern und begreifen. Die Szene zeigte, worum es bei der Kinderkathedrale im Kern geht: Kirche wird nicht nur als fertiger Raum präsentiert. Sie wird zu einem Ort, an dem Kinder sichtbar mitgestalten. Diakonin Tanja Giesecke leitet das Projekt in Wunstorf. Unterstützt wird sie von Mali Kuhlmann, die derzeit ihr Anerkennungsjahr als Diakonin im Kirchenkreis absolviert, und Romina Rabe, die ihr Freiwilliges Soziales Jahr in der Stiftskirchengemeinde leistet. Mehr als 400 Kinder sind für Vormittagsveranstaltungen angemeldet, darunter Kita-Gruppen und Schulklassen auch aus anderen Gemeinden. An den Nachmittagen gibt es weitere Angebote für einzelne Kinder und Gruppen. Die Kinderkathedrale ist konfessionsübergreifend angelegt und richtet sich nicht nur an Familien aus der Stiftskirchengemeinde. Sie will Kindern erste eigene Religionserfahrungen ermöglichen und Berührungsängste mit Kirche abbauen. Dafür wurden in der Stiftskirche unterschiedliche Bereiche eingerichtet, darunter Kreativstationen, Spielorte, ein Geschichtsparcours und eine „Gottecke“, in der Kinder erfahren können, warum Menschen beten oder in einer Kirche Kerzen anzünden.