Orange, dunkelbraune und graue Oberflächen, geschwungene Formen und überraschende Durchbrüche: Rund 30 Skulpturen des Gehrdener Künstlers Lothar Feige sind seit Sonntag im Saal der Wunstorfer Abtei zu sehen. Die Ausstellung trägt den Titel „Aus dem Feuer“ – und der Name ist Programm. Denn Hitze, Abkühlung und Oxidation prägen nicht nur die Oberfläche der Eisenarbeiten, sondern sind ein wesentlicher Teil des künstlerischen Prozesses. Zur Vernissage am Sonntagvormittag füllte sich der Saal mit Kunstinteressierten, die sich angeregt über Farben und Formen der Werke austauschten.
Helga Radtke-Kreinest, Vorsitzende des Kunstvereins, begrüßte alle Anwesenden und würdigte Feiges Verbindung von handwerklichem Können und künstlerischer Gestaltung. „Seine Skulpturen erinnern uns daran, dass Schönheit nicht allein im fertigen Zustand liegt, sondern häufig im Prozess des Werdens und Veränderns“, sagte sie.
Feige, 72 Jahre alt, lebt und arbeitet in Gehrden und Greetsiel. Seine handwerklichen Grundlagen erlernte er im Schweißen und Schmieden bei Hannes Meinhard in Bantorf und Michael Sielemann in Norden. Von 2006 bis 2009 vertiefte er seine Kenntnisse im Bildhauerei-Basisstudium bei Paul Advena in Bonn.
Wie aus einem Stück Eisen eine abstrakte Figur wird, ist für Feige ein Prozess, bei dem Planung und Intuition zusammenkommen, sagt er Zunächst muss er das passende Material finden. Anschließend wird es zugeschnitten, auf etwa 1200 Grad erhitzt und traditionell geschmiedet. Wie die Skulptur am Ende aussehen wird, steht dabei nicht vollständig fest. „Die Form ergibt sich meist erst beim Schmieden. Es ist ein intuitiver Prozess“, erklärte der Künstler. Auch die Farben der Werke entwickeln sich während der Bearbeitung. Je nach Temperatur und Abkühlung entstehen unterschiedliche Oberflächen und Farbtöne.
Der befreundete Künstler Christoph Rust lenkte bei der Vernissage den Blick auf die Oberflächen, Farben und Formen der Arbeiten. Gerade ihr Zusammenspiel mache den besonderen Reiz der Skulpturen aus. Dabei erzählt mitunter schon das Ausgangsmaterial eine eigene Geschichte. Feige verwendet unter anderem Eisen, das er auf Schrottplätzen findet. Aus ehemaligen Ackerstählen und Pflugmessern oder Teilen, die einst als Wand eines Öltanks dienten, entstehen unter seinen Händen abstrakte Figuren. Was früher einem praktischen Zweck diente, wird so zum Kunstwerk.
Auch bei den Besuchern stießen die Arbeiten auf Interesse. Hannelore Vohl, Gründungsmitglied des Kunstvereins, besucht regelmäßig die Ausstellungseröffnungen. An Feiges Skulpturen gefallen ihr besonders die Durchbrüche, die den Arbeiten eine besondere Wirkung verleihen.
Auch Wunstorfs neuer Bürgermeister Martin Pavel (CDU) war zur Eröffnung gekommen. Er freue sich, dass sich Menschen gemeinsam dafür einsetzten, den Kunstverein voranzubringen, sagte er. Zugleich dankte er den Verantwortlichen für ihr Engagement.
Die Ausstellung „Aus dem Feuer“ ist bis Sonntag, 1. November, im Saal der Abtei, Wasserzucht 1, zu sehen. Geöffnet ist dienstags, mittwochs, donnerstags und sonnabends von 15 bis 18 Uhr sowie sonntags von 11 bis 18 Uhr. Zum Abschluss findet am 1. November von 15 bis 16 Uhr eine Finissage statt. Der Eintritt ist frei.