Wunstorfer Stadtanzeiger - Das Mitteilungs- und Anzeigenblatt für die Wunstorfer Region

Sprung

Inhalt

» Kultur

"Keine Alternative"

Kirche "Liebfrauen" der St. Bonifatius-Pfarrgemeinde wurde verweltlicht

WUNSTORF / MÜN­CHE­HA­GEN (g­b). Ein Sonn­tag wie im Bil­der­buch: blauer Him­mel und schöns­ter Son­nen­schein. Ein Tag, an dem ei­gent­lich den Men­schen zum Ju­beln zu­mute sein könn­te. Doch aus­ge­rech­net vor der ka­tho­li­schen Lieb­frauen-Kir­che in Reh­burg-Loc­cum, Orts­teil Mün­che­ha­gen, herrscht be­drück­te, trau­rige Stim­mung. Denn die Kir­che - eine Fi­li­al­kir­che der Ka­tho­li­schen Pfarr­ge­meinde St. Bo­ni­fa­tius in Wunstorf - soll an die­sem Tag pro­fa­niert wer­den und kann da­nach nicht mehr als Kir­che ge­nutzt wer­den. Das hat der Hil­des­hei­mer Bi­schof Nor­bert Trelle ent­schie­den. Der Hil­des­hei­mer Ge­ne­ral­vi­kar Prälat Dr. Wer­ner Schreer führte ge­mein­sam mit Pfar­rer Al­fons Ber­ger die kleine Gruppe von Ge­mein­de­mit­glie­der schwei­gend in die Kir­che zum Al­tar. In kur­zer Zu­sam­men­fas­sung er­läu­terte der Prälat die Ent­schei­dung des Bi­schofs, "­die für viele nach­voll­zieh­bar schwer zu ver­kraf­ten und ohne Zwei­fel trau­rig ist", wie er be­ton­te. 1966 sei die Kir­che als Mas­siv­bau er­rich­tet wor­den. Das Bis­tum Hil­des­heim habe in ei­ner vor­läu­fi­gen Ver­wal­tungs­vor­lage vom Ja­nuar 2008 vor­ge­schla­gen, die­ses Got­tes­haus zu schließen. Hin­ter­grund sei, so Schre­er, dass die neu­ge­bil­dete Pfarr­ge­meinde vier wei­tere Kir­chen in Wunstorf, Wunstorf-Lu­the und Wunstorf-Stein­hude so­wie in Reh­burg habe und die Zahl der Ka­tho­li­ken und Got­tes­dienst­be­su­cher in Mün­che­ha­gen rück­läu­fig sei. So­wohl der Pfarr­ge­mein­de­rat als auch der Kir­chen­vor­stand von St. Bo­ni­fa­ti­us, Wunstorf, ha­ben im April 2008 der Pro­fa­nie­rung der Kir­che zu­ge­stimmt und fest­ge­hal­ten, dass "­sich auf­grund der pas­to­ra­len Si­tua­tion, ins­be­son­dere der per­so­nel­len und fi­nan­zi­el­len Rah­men­be­din­gun­gen im ge­sam­ten Ge­biet der neuen Pfarr­ge­meinde keine Al­ter­na­tive er­gibt, die es be­grün­den könn­te, am Be­stand die­ser Kir­che fest­zu­hal­ten." Die­sem Vo­tum schloss sich auch der Pries­ter­rat des Bis­tums an. Nach ei­nem ge­mein­sa­men Ge­bet voll­zog der Ge­ne­ral­vi­kar im Auf­trag des Diö­ze­s­an­bi­schofs die ei­gent­li­che Hand­lung der Pro­fa­nie­rung, zu der vor al­lem auch die Ent­nahme der Re­li­quie aus dem Al­tar gehört. Das kirch­li­che Ge­setz­buch, der "­Co­dex Iuris Ca­no­ni­ci" (CIC), be­schreibt diese Ver­welt­li­chung von ur­sprüng­lich Hei­li­gem: So muss im Ab­schieds­got­tes­dienst das Al­ler­hei­ligste aus der Kir­che ge­tra­gen und das Ewige Licht gelöscht wer­den. Die Re­li­quien sind aus dem Al­tar zu ent­neh­men und alle li­tur­gi­schen Geräte und Ein­rich­tungs­ge­genstände müs­sen aus dem Ge­bäude ent­fernt und "an ei­nem wür­di­gen Ort auf­be­wahr­t" wer­den. Sie kön­nen aber auch an ei­nem an­de­ren Ort ih­rer Be­stim­mung gemäß wei­ter ver­wen­det wer­den. "­Die Re­li­quie kommt zunächst zu an­de­ren Re­li­quien in ein Ar­chiv in Hil­des­heim. Auch für even­tu­elle Zei­ten, wenn wir viel­leicht wie­der Kir­chen bauen wer­den", sagte der Ge­ne­ra­vi­kar, als er das kleine Re­li­qui­enkäst­chen den Ge­mein­de­mit­glie­dern zeig­te. Mit Blick auf die Zahl 12 der Apo­stel wies ein Teil­neh­mer dar­auf hin, dass ge­nau zwölf Per­so­nen an die­ser Pro­fa­nie­rung teil­ge­nom­men hät­ten. Un­ter ih­nen ein Ju­gend­li­cher und zwei Kin­der. "Viel­leicht ein gu­tes Zei­chen für die Zu­kunft", meinte er. Im An­schluss ze­le­briete Prälat Schreer den Sonn­tags­got­tes­dienst in der Ma­ri­en­kir­che von Reh­burg-Loc­cum. Vor sich auf dem Al­tar lag das kleine Re­li­qui­enkäst­chen der pro­fa­nier­ten Lieb­frau­en­kir­che. Auch hier er­läu­terte er die Ent­schei­dung und ver­las das ent­spre­chende De­kret des Diö­ze­s­an­bi­schofs. Ü­ber die wei­tere Nut­zung des Ge­bäu­des der Lieb­frau­en­kir­che hat das Bis­tum noch nicht ent­schie­den. Es gibt be­stimmte Nut­zun­gen, die sich für pro­fa­nierte Kir­chen an­bie­ten etwa Be­geg­nungs­räu­me, Ur­nen­be­gräb­nisstät­ten oder eine kul­tu­relle Ver­wen­dung; an­dere ver­bie­ten sich nach dem Ver­ständ­nis der ka­tho­li­schen Kir­che - etwa der Um­bau zu Dis­ko­the­ken, Mo­scheen oder Ein­kaufs­zen­tren. Sollte sich für ein pro­fa­nier­tes Ge­bäu­des keine trag­fähige Lö­sung fin­den, gibt es die Emp­feh­lung, sich bes­ser für einen Ab­riss zu ent­schei­den. Die Kir­che "­Lieb­frau­en" in Reh­burg-Loc­cum-Mün­che­ha­gen ist die 23. Kir­che, die seit 2003 im Bis­tum Hil­des­heim pro­fa­niert wur­de. Fo­to: gb Das letzte Ge­bet in der pro­fa­nier­ten Lieb­frau­en­kir­che spra­chen ge­mein­sam Ge­ne­ral­vi­kar Prälat Schre­er, Pfar­rer Al­fons Ber­ger und zehn wei­tere Ge­mein­de­mit­glie­der.

vom 10.09.2009 | Ausgabe-Nr. 37A

Seite drucken Drucken  | Seite versenden Versenden

« weitere Artikel

Keine Zeitung erhalten