Die Stiftskirchengemeinde stellt ihren Reformationsgottesdienst am Samstag, den 31. Oktober um 18 Uhr unter ein aktuelles gesellschaftliches Thema. Gastredner ist der gebürtige Wunstorfer und Hölty-Absolvent Kai-Ole Eberhardt. Unter dem Titel „Wie verhält sich die feste Burg der Reformationszeit zur Brandmauer gegen rechts?“ spricht der Theologe über das Erbe der Reformation angesichts der gesellschaftlichen Normalisierung von Rassismus, Antisemitismus und Rechtsextremismus.
Eberhardt studierte Evangelische Theologie, Klassische Philologie und Erziehungswissenschaft an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster. Nach Tätigkeiten in Forschung und Lehre promovierte er über den Einfluss von René Descartes auf die reformierte Theologie. Heute arbeitet er am Institut für Theologie der Leibniz Universität Hannover und vertritt den Lehrstuhl für Systematische Theologie an der Technischen Universität Dortmund. Für seine Forschungen erhielt er den Hanns-Lilje-Preis der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen. Im Mittelpunkt seines Vortrags stehen Luthers Lied „Ein feste Burg ist unser Gott“ und die Frage nach dem Umgang der Kirche mit der sogenannten Neuen Rechten. Eberhardt versteht das Burgmotiv als Schutzraum, der nicht auf Ausgrenzung, sondern auf Versöhnung zielt. Zugleich betont er die klare Abgrenzung von Rassismus und Rechtsextremismus. Die christliche Botschaft von Menschenwürde, Nächstenliebe und Versöhnung bilde dafür die Grundlage.
Seine jüngst abgeschlossene Habilitationsschrift zur „Neuen Rechten als Herausforderung für Theologie und Kirche“ ist auch als Buch erschienen. Darin wirbt er für einen „Dialog an der Grenze“: Die Kirche müsse Schutzraum für bedrohte Menschen bleiben und zugleich Gesprächsmöglichkeiten mit von rechtsextremen Positionen beeinflussten Christen offenhalten. Musikalisch gestaltet Stiftskantor Jan Katzschke den Gottesdienst an der Stiftsorgel. Alte Lutherchoräle verbindet er dabei mit Werken von Johann Sebastian Bach und modernen Klängen. Im Anschluss lädt die Gemeinde ab 19 Uhr zu einem Empfang im Gemeindehaus bei Wein und Laugengebäck ein. Dort besteht Gelegenheit, mit Eberhardt über seine Thesen ins Gespräch zu kommen.