Bergung, Aufbau, Erfolg | Wunstorfer-Stadtanzeiger

Bergung, Aufbau, Erfolg

In der Ju 52-Halle: Ausstellungsleiter Manfred Pickel. (Foto: gi)
In der Ju 52-Halle: Ausstellungsleiter Manfred Pickel. (Foto: gi)
In der Ju 52-Halle: Ausstellungsleiter Manfred Pickel. (Foto: gi)
In der Ju 52-Halle: Ausstellungsleiter Manfred Pickel. (Foto: gi)
In der Ju 52-Halle: Ausstellungsleiter Manfred Pickel. (Foto: gi)

Das Flugzeug Ju 52 war das erste und einzige, für sie wurde eigens eine Ausstellungshalle am Fliegerhorst errichtet. Jahrzehntelang hatte die Maschine mit Kennzeichen DB+RD am Boden des Hartvigvannsees in Norwegen gelegen, bevor sie am 26. August 1986 – vor exakt 40 Jahren – wieder an die Oberfläche kam. Nach der aufwendigen Bergung und anschließender Restaurierung auf dem Fliegerhorst zog sie in die nach ihr benannte Halle vor den Toren des Standorts – und stand dort ziemlich verloren. Denn bis aus dieser bloßen Halle das bekannte und beliebte Museum wurde, sollten noch ein paar Jahre vergehen.

1990 übernahmen Peter Schröder und Manfred Pickel als Team die Verantwortung für den Aufbau einer Ausstellung. Manfred Pickel entwickelte das Konzept, nach dem das Museum noch heute aufgebaut ist. Danach begann für die beiden eine zweite Art Bergung – nur lag das Gesuchte diesmal nicht auf dem Grund eines norwegischen Sees, sondern auf Dachböden und in Kellern, auf dem Fliegerhorst selbst und manchmal sogar außerhalb der Landesgrenzen: Exponate, die die Geschichte hinter der Ju 52 und dem militärischen Lufttransport erzählen konnten.

Viele Besucher erwiesen sich als wertvollste und großzügigste Quelle: Etliche waren bereit, persönliche Erinnerungsstücke für die Ausstellung zu spenden. Auch auf dem Fliegerhorst selbst machten Schröder und Pickel so manchen historischen Fund. Und wenn sich ein Exponat weiter entfernt auftat, machten sie sich auf den Weg – egal, in welche Himmelsrichtung. Dabei wuchs die Sammlung aber nicht allein durch Materialspenden. Auch die Traditionsgemeinschaft Lufttransport erwarb viele Exponate und stellte sie der Ausstellung zur Verfügung. Die auf dem weitläufigen Gelände ausgestellten Flugzeuge – darunter eine Transall C-160, eine Nord N2501 Noratlas und eine Dornier Do-28 D – befinden sich im Eigentum des Bundes.

Besucherrekord

Die Traditionsgemeinschaft Lufttransport (TGLW) übernahm auch den Betrieb der Halle. Ihr Ziel: Die Ausstellung sollte der Öffentlichkeit zugänglich sein. Zunächst kamen nur wenige Besucher, es wurde um das Überleben des Museums gebangt. Aber der Verein gab nicht auf. Und mit der Zahl der Exponate stieg jedes Jahr auch die Zahl der Besucher. 2025 kamen mehr als 10.000 Menschen – so viele wie nie zuvor. Damit ist die Ju 52-Halle die meistbesuchte „Militärgeschichtliche Sammlung der Bundeswehr“, wie sie offiziell heißt. „Das Konzept kommt bei Besuchern sehr gut an; die meisten bewerten es im Internet mit fünf Sternen. Besonders häufig werden der Charme der Ausstellung und das freundliche, kompetente Personal gelobt“, sagte Ausstellungsleiter Manfred Pickel.

Eine Idee werde innerhalb der Bundeswehr immer wieder diskutiert: Mehr moderne Medien, weniger Exponate. „Bei den Besuchern stößt dieser Gedanke allerdings auf wenig Zustimmung. Viele fürchten, dass mit jedem entfernten Exponat ein Stück des roten Fadens verloren geht, der sich durch die Ausstellung zieht – und ein Stück Geschichte“, so Pickel. Die TGLW arbeite gemeinsam mit der Führung des LTG 62 daran, die in über drei Jahrzehnten gewachsene Ausstellung zu erhalten. Gleichzeitig soll sie um ein neues Kapitel ergänzt werden. „Denn die Geschichte des militärischen Lufttransports geht natürlich weiter, unter anderem mit dem A400M, der bislang leider noch keinen Platz in der Ausstellung gefunden hat“, berichtete Pickel. Diese Lücke soll schnellstmöglich geschlossen werden.


Das Konzept kommt bei Besuchern sehr gut an. Besonders häufig werden der Charme der Ausstellung und das freundliche, kompetente Personal gelobt.

Ausstellungsleiter Manfred Pickel

Die Pläne des jetzigen Kommodores des Lufttransportgeschwaders (LTG) 62 versprächen ein echtes Highlight für Besucher zu werden. Um sie in die Tat umzusetzen, müssten allerdings noch einige Hürden genommen werden – darunter auch die eine oder andere behördliche. Bis dahin bleibe nur der hoffnungsvolle Blick in den Himmel über Wunstorf, um den A400M vielleicht live zu entdecken. „Die Ju 52-Halle ist mehr als eine Sammlung historischer Exponate. Einen vergleichbaren Ort, an dem die Entwicklung des militärischen Lufttransports so umfassend dargestellt wird, gibt es in Deutschland nicht. Für das LTG 62 und die Bundeswehr ist sie damit nicht nur ein Stück gelebte Geschichte, sondern auch ein ganz besonderer Werbeträger“, sagte Pickel. Und das sollte auch so bleiben, denn was einmal aufgetaucht ist, sollte schließlich nicht wieder in der Versenkung verschwinden.


Hans-Heiner Giebel (gi)
Hans-Heiner Giebel (gi)
Freier Journalist
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