Wunstorf zeigt sich im aktuellen HEIMAT-CHECK als eine Stadt mit hoher Lebensqualität und starkem Vereinsleben. Die Bürgerinnen und Bürger bewerten insbesondere die Bereiche Sport und Vereine, den öffentlichen Nahverkehr sowie den Einzelhandel überdurchschnittlich positiv. Mit einem Gesamtwert von 6,24 liegt Wunstorf im oberen Drittel der untersuchten Kommunen im Verbreitungsgebiet des Oppermann Verlags, zu dem neben Wunstorf auch die Städte und Gemeinden des Landkreises Schaumburg gehören. Der Fokus lag demnach auf dem gemeinsamen Erscheinungsgebiet des Schaumburger Wochenblatts und des Wunstorfer Stadtanzeigers (Fokusregion Schaumburg*plus).
Besonders deutlich hebt sich Wunstorf beim Thema ÖPNV ab. Mit einem Wert von 7,39 führt die Stadt das Ranking an und lässt alle anderen Kommunen hinter sich. Auch die Lebensqualität wird mit 7,54 Punkten sehr hoch eingeschätzt. Die Menschen fühlen sich wohl, schätzen die Vielfalt an Freizeitmöglichkeiten und die gute Versorgung mit Einkaufsmöglichkeiten. Der Einzelhandel erreicht mit 7,29 Punkten ebenfalls einen Spitzenwert und zeigt, dass die Nahversorgung in Wunstorf funktioniert.
Doch nicht alle Bereiche schneiden so positiv ab. Kritisch sehen die Befragten vor allem die Verkehrssituation und den Immobilienmarkt. Mit nur 3,59 Punkten liegt der Bereich Verkehr deutlich unter dem Durchschnitt. Wunstorf bildet im Gesamtranking mit diesem Wert sogar das Schlusslicht. Staus, Baustellen und fehlende Parkmöglichkeiten belasten den Alltag vieler Einwohner.
Eine Anwohnerin aus Steinhude kritisiert: „Die Badeinsel wird überrannt von Touristen, die dem Ort keinen Mehrwert bieten. Sie konsumieren hier nicht, kaufen auch nicht ein. Im Gegenteil – sie verursachen Verkehrsüberlastung und hinterlassen Müll.“ Ein anderer Kommentar bringt die Verkehrsproblematik auf den Punkt: „Straßenverkehrssituation ist für Autofahrer in Wunstorf katastrophal. Außerdem fehlen Parkplätze. Zu viele Baustellen in Wunstorf.“ Auch die Lärmbelastung durch den Fliegerhorst wird thematisiert: „Die täglichen Rundflüge der zivilen LearJets und Pilatus Flugzeuge donnern im Tiefflug über unsere Köpfe hinweg.“
Die Belastung durch Durchgangsverkehr, insbesondere bei Staus auf der A2, wird ebenfalls häufig genannt. Ein Vorschlag lautet: „Einführung von Tempolimits für Durchgangsstraßen, um Lärmbelastung und Unfallgefahr für Kinder zu reduzieren.“ In anderen Kommunen des Verbreitungsgebiets wird der Verkehr ebenfalls kritisch gesehen. In Hagenburg etwa beklagen Anwohner die Lärmbelastung an der Straße Richtung Steinhude und fordern Maßnahmen: „Es müsste dringend ein Blitzer her! Hier passiert gar nichts... Schade!“ Die Ergebnisse zeigen, dass die Verkehrssituation nicht nur punktuell, sondern flächendeckend als Problem wahrgenommen wird. Die Ursachen sind vielfältig: fehlende Umgehungsstraßen, unübersichtliche Verkehrsführung, mangelnde Parkmöglichkeiten und eine hohe Belastung durch Pendler- und Ausflugsverkehr. Besonders in touristisch stark frequentierten Orten wie Steinhude wird die Belastung durch Tagesgäste als störend empfunden.
Auch die Wohnsituation wird mit 4,35 Punkten als problematisch wahrgenommen (siehe Kasten). Hohe Mieten und ein knappes Angebot an bezahlbarem Wohnraum sorgen für Unzufriedenheit – ein Thema, das in der gesamten Region Schaumburg*plus als struktureller Engpass gilt.
Die Bewertung des Immobilienmarktes fällt in Wunstorf besonders niedrig aus. Mit einem Wert von 4,35 liegt die Stadt deutlich unter dem regionalen Durchschnitt von 5,12 und belegt im Vergleich der 14 untersuchten Kommunen den vorletzten Platz. Die Teilnehmer der Umfrage sehen hier dringenden Handlungsbedarf. Hohe Mieten, ein knappes Angebot an bezahlbarem Wohnraum und fehlende Alternativen für unterschiedliche Lebenssituationen prägen das Bild. Ein Kommentar bringt die Problematik auf den Punkt: „In Wunstorf lässt es sich schön, aber leider sehr teuer leben.“ Auch in anderen Kommunen des Verbreitungsgebiets wird das Thema ähnlich kritisch gesehen.
Trotz dieser Kritik bleibt der Gesamteindruck positiv. „Wunstorf ist eine schöne Stadt, die sich zur Zeit mit Prestige-Projekten wie dem Fahrradturm in Kombination mit Baustellen- und Hallenbadmanagement unnötig selber im Weg steht“, heißt es in einem weiteren Kommentar. Gleichzeitig werden die Vielfalt und die öffentlichen Bereiche der Stadt gelobt. Die Ergebnisse des HEIMAT-CHECKs zeigen, dass Wunstorf in vielen Bereichen gut aufgestellt ist, aber auch vor Herausforderungen steht.
Zusammengefasst: Die Stadt punktet mit einem aktiven Vereinsleben, einer hohen Lebensqualität und einer starken Nahversorgung. Gleichzeitig machen die Bewertungen deutlich, wo Handlungsbedarf besteht – insbesondere bei Verkehr und Wohnraum. Für die lokale Politik und Verwaltung bieten die Ergebnisse wertvolle Hinweise, um gezielt Verbesserungen anzustoßen und die Lebensqualität weiter zu stärken.