Es ist eine Krankheit, die mit peinigenden Schmerzen einhergeht und nicht selten mit abwertenden Blicken anderer Menschen. Unter dem Lipödem, eine Fettverteilungsstörung, leidet eine Vielzahl von Betroffenen. Eine Selbsthilfegruppe in Stadthagen leistet ihnen Unterstützung.
„Den Druckschmerz empfindet jeder anders“, wie Nicole Dietrich und Sabrina Rinne erklärten. So kann das Sitzen auf einem Stuhl schon zu einer Qual werden, das Übereinanderschlagen der Beine nicht zu ertragen sein. Die beiden Frauen aus Schaumburg sind selbst Betroffene, engagieren sich in der Selbsthilfegruppe SHG-Liplife, um andere Erkrankte zu unterstützen.
Das Lipödem ist eine chronische Erkrankung, bei der an den Beinen, seltener auch an den Armen, eine Fettgewebsvermehrung auftritt. Dies geht einher mit Schmerzen. Diese treten zumeist bei Berührung oder Druck auf, wie Nicole Dietrich und Sabrina Rinne erklärten, könnten aber auch ohne Anlass entstehen. Hinzu kommt oftmals ein tiefes Schwere-Gefühl in den Gliedmaßen, die vom Lipödem betroffen sind.

Hohe Dunkelziffer

Zwar sei der Bekanntheitsgrad des Lipödems in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen, Aufklärung sei in dem Themenfeld trotzdem noch immer wichtig, wie die beiden ausführten. Oft brauche es längere Zeit, bis Betroffenen klar werde, dass die von ihnen verspürten Symptome auf ein Lipödem hinweisen. Zudem sei es dann alles andere als einfach, eine Diagnose zu erhalten. Nicht viele Ärzte verfügten in diesem Feld über tieferes Fachwissen.
Zu den Schmerzen kämen oftmals abwertende Reaktionen der Gesellschaft. „Die Sprüche von außen sind für viele eine zusätzliche psychische Belastung“, so Nicole Dietrich. Abschätzig geäußerte Empfehlungen wie „Abnehmen“ oder „mehr Sport treiben“, seien zudem alles andere als hilfreich. Lipödem-Fett könne man auf diese Weise nicht wieder loswerden.
Überhaupt sind die Therapiemöglichkeiten begrenzt. Kompressionsstrümpfe lindern die Probleme, auch eine Lymphdrainage bringe Hilfe. Allerdings sei eine solche eigentlich jeden Tag nötig. Keinem Arzt sei es möglich, diese Therapie in solcher Häufigkeit zu verordnen. Bewegung helfe, oft seien die Betroffenen Frauen dazu jedoch kaum in der Lage. Wer etwa auf der Arbeit viel stehen müsse, sei dadurch häufig schon schwer belastet. Von einem Gefühl „als würden die Beine platzen“ berichten Betroffene oft.
Grundlegende Hilfe bringt eine Operation, die Liposuktion. Bei ihr wird das krankhafte Fettgewebe möglichst weitgehend entfernt. Die Krankenkasse übernimmt diese Operation jedoch nur unter einer ganzen Reihe von Voraussetzungen.
Grundsätzlich fehle es auch noch an Forschung zu der Krankheit, zu Ursachen und Zusammenhängen sei noch wenig bekannt, so Sabrina Rinne und Nicole Dietrich. In der Selbsthilfegruppe, die sich in Stadthagen trifft, tauschen sich die Teilnehmerinnen aus, geben Tipps und Hinweise und stützen sich gegenseitig. Außerdem werden Experten zu Vorträgen getragen. Aufklärung sei nicht zuletzt angesichts der Dunkelziffer wichtig, wie Rinne und Dietrich festhielten.