Die Tafel Wunstorf feiert in diesem Jahr ihr 20-jähriges Bestehen. Seit zwei Jahrzehnten werden Lebensmittel vor der Vernichtung bewahrt und Menschen unterstützt, die von Armut betroffen sind. Möglich geworden ist dies durch die Unterstützung zahlreicher Spender sowie den Einsatz vieler ehrenamtlicher und hauptamtlicher Mitarbeiter. Das Jubiläum wird am 15. August von 12 bis 17 Uhr mit Live-Musik, Essen und Getränken, einem Kinderprogramm und weiteren Überraschungen gefeiert. „Für ein paar Stunden wollen wir unsere Arbeit ruhen lassen, Kraft schöpfen und zugleich auf das zurückblicken, was in den vergangenen 20 Jahren entstanden ist“, sagen der erste Vorsitzende Frank Löffler und die zweite Vorsitzende Ursula Jungbluth.
Sie ist zugleich Gründungsmitglied und erinnert sich an die Anfänge. Der Grundstein für die Tafel Wunstorf wurde während der Woche der Diakonie im Jahr 2005 gelegt. Ein Vortrag über die Arbeit von Tafeln in Nachbarstädten beeindruckte die Zuhörer so sehr, dass sich spontan Unterstützer fanden, die eine eigene Tafel in Wunstorf realisieren wollten. Im März 2006 wurde der Verein gegründet. Die Initiatoren entschieden sich bewusst für einen eigenständigen Weg und wollten nicht als Außenstelle einer anderen Tafel arbeiten. Die erste Lebensmittelausgabe fand am 20. März 2006 auf dem Stiftshügel statt. Damals kamen 32 Menschen. Die Waren wurden mit privaten Autos abgeholt und transportiert. Später zog die Ausgabe in ein ehemaliges Lebensmittelgeschäft in der Barne um. Vieles war improvisiert, doch die Idee trug.
Aus den bescheidenen Anfängen ist in 20 Jahren eine leistungsfähige Organisation geworden. Bereits 2008 bezog die Tafel ihr eigenes Haus im ehemaligen Stadtbahnhof an der Neustädter Straße. „Das war neben der Gründung der Tafel die beste Entscheidung, die wir treffen konnten“, sagt Löffler. Der Kauf des Gebäudes sei damals ein mutiger Schritt gewesen. Trotz finanzieller Risiken habe das Vorhaben dank der Unterstützung von Banken funktioniert. Heute versorgt die Tafel rund 1.650 Kunden. Vier Fahrzeuge sind im Einsatz, um Lebensmittel abzuholen und zu verteilen. Rund 70 Mitarbeiter engagieren sich für die Einrichtung, darunter etwa 50 Ehrenamtliche. Jährlich werden rund 250 Tonnen Lebensmittel bewegt. Die Ausgaben finden montags, dienstags und donnerstags statt.
Auch die Beschaffung der Waren hat sich verändert. Während früher vor allem Händler die wichtigsten Ansprechpartner waren, arbeiten die Tafeln heute verstärkt direkt mit Herstellern zusammen. Gleichzeitig bestehen weiterhin enge Beziehungen zu lokalen Händlern und Produzenten. Obst, Gemüse und Backwaren stammen nach wie vor häufig aus der Region. Inzwischen ist die Tafel Teil eines großen Logistiknetzwerks. Ein Zentrallager in Springe versorgt mehrere Einrichtungen und sorgt für eine effizientere Verteilung der Lebensmittel. Seit 2024 gehört außerdem das Sozialkaufhaus „darfnichwech“ zum Angebot der Tafel. Es befindet sich nur wenige Meter entfernt in einer ehemaligen Gaststätte und hat sich nach Angaben der Verantwortlichen erfolgreich entwickelt.
Trotz aller Erfolge sehen die Verantwortlichen das Jubiläum nicht als reines Freudenfest. Für Frank Löffler steht vielmehr die gesellschaftliche Entwicklung im Mittelpunkt. „Ich hatte immer zwei Wünsche: mehr Mitglieder zu gewinnen und die Tafel so bekannt zu machen, dass jeder in Wunstorf weiß, dass es sie gibt und wo sie zu finden ist. Der zweite Wunsch ist mehr als erfüllt worden“, sagt er. Gleichzeitig wachse die Herausforderung stetig. Die zunehmende Professionalisierung der Tafeln sei kein Selbstzweck, sondern eine Folge gesellschaftlicher Entwicklungen. Immer mehr Menschen seien auf Unterstützung angewiesen, während gleichzeitig große Mengen an Lebensmitteln gerettet werden müssten. Deshalb soll das Jubiläum auch ein Anlass zum Nachdenken sein. Die Tafel Wunstorf blickt zwar stolz auf das Erreichte zurück. Zugleich wirft das 20-jährige Bestehen die Frage auf, warum Einrichtungen wie die Tafeln in Deutschland auch heute noch unverzichtbar sind.
Die Tafel Wunstorf genießt über die Stadtgrenzen hinaus einen guten Ruf. Immer wieder besuchen Unternehmen die Einrichtung im Rahmen von sogenannten Social Days. Besonders in Erinnerung geblieben ist den Verantwortlichen ein Mitarbeiter von Amazon, der nach seinem Besuch einen bewegenden Brief schrieb und seinen Respekt für die Arbeit der Tafel ausdrückte.