Mit einer bewusst bescheidenen aber feinen Geburtstagsfeier erinnerte die Deutsch-Französische-Gesellschaft Bad Nenndorf im Bistro der Wandelhalle an ihre Gründung vor fünfzig Jahren. In größerem Rahme, mit Gästen aus Frankreich, wird am 29. April, mit der Beginn der Landesgartenschau in Bad Nenndorf gefeiert, erklärte Vorsitzender Gerhard Borcherding.
Die ersten Versuche, Berge von Hass, Vorurteilen und Unverständnis zwischen den Ländern beiseite zu räumen, um eine neue, positive Ära der deutsch-französischen Beziehungen in Gang zu setzen, „mündeten in die Unterzeichnung des Élysée-Vertrags, dem historischen Freundschaftsvertrag, der seitdem die Zusammenarbeit beider Länder begründete“, erinnerte Borcherding und fügte mit in seinem chronologischen Rückblick Begeisterung hinzu: „Und die Deutsch-Französische Gesellschaft in Bad Nenndorf zog bei diesem Prozess voran.“
Denn bereits 1963 sei man eine Partnerschaft mit dem Lycée Albert Triboulet in Romans-sur-Isére eingegangen. Die Suche nach einer Partnerstadt gestaltete sich allerdings schwieriger. 1968 fand ein Treffen in Rouen statt, dass 1970 zu ersten Besuchen führte. 1971 startete auch die Berlin Schule einen Schüleraustausch, „der allerdings aus verschiedenen Gründen nicht von Dauer war. Viele Jahre führte die damalige Rodenberger Schule den Austausch mit dem Doudviller Collège weiter.
Fünf Vorsitzende leiteten die Geschicke des Vereins in den fünf Jahrzehnten. Zur besten Vereinszeit zählte die Gesellschaft Hundert Mitglieder. Für Borcherding im Jubiläumsjahr ein Wehrmutstropfen, dass der Verein „fast ausschließlich aus Altersgründen mittlerweile auf knapp 40 Mitglieder geschrumpft ist“. Die deutsch-französische Freundschaft „ist scheinbar eine Selbstverständlichkeit geworden, genau wie weltweite touristische Reiseunternehmungen“, wagte er eine Einschätzung.
Angesichts der aktuellen politischen Entwicklungen und Kriegen in der Welt, müsse man eigentlich zu dem Schluss kommen, „dass mehr als zuvor Anstrengungen vonnöten sind, die Beziehungen zu unseren Nachbarländern, überhaupt internationale Beziehungen zu pflegen und auszubauen.“
Sicherlich ein Beweggrund für die Nenndorfer Gesellschaft, in diese Jubiläumsfeier die Jugendlichen mit einzubeziehen. Für Schüler des Bad Nenndorfer Gymnasiums, der Europaschule, bot der Verein im Kino den Spiel- und Dokumentarfilm „An einem Tag im September“. Ein Film, der den Weg zum Élysée-Vertrag widerspiegelte.
Schülerinnen berichteten im Anschluss über die konkreten Lernmöglichkeiten und -formen zum Erlernen der Fremdsprache im örtlichen Gymnasium, bevor weitere Schülerinnen und Schüler des achten Jahrgangs ihre eigenen Gedichte in französischer Sprache vorlasen und Postkarten vorstellten, die sie an Bewohner eines Seniorenheims in der Partnerschaft schicken werden.
Als stellvertretender Bürgermeister gratulierte Ralph Tegtmeier der Gesellschaft im Namen des Stadtdirektors, des Rates und der Verwaltung du „somit auch zum langjährigen Engagement für die Völkerverständigung“. Man merke schon, dass „das Interesse an der französischen Sprache nicht mehr so groß ist wie früher“. Er warb unabhängig davon für weiteres Engagement zur Weitergabe des Freundschaftsgedankens, an die nächsten Generationen. Man dürfe die „Freundschaft nicht als gottgegeben betrachten“.