Keine Langeweile im Archiv | Wunstorfer-Stadtanzeiger

16.10.2026 08:10

Keine Langeweile im Archiv

Gehen zusammen die Bestände durch: Melanie Hahn und Klaus Fesche. (Foto: wb)
Gehen zusammen die Bestände durch: Melanie Hahn und Klaus Fesche. (Foto: wb)
Gehen zusammen die Bestände durch: Melanie Hahn und Klaus Fesche. (Foto: wb)
Gehen zusammen die Bestände durch: Melanie Hahn und Klaus Fesche. (Foto: wb)
Gehen zusammen die Bestände durch: Melanie Hahn und Klaus Fesche. (Foto: wb)

Über zwei Jahrzehnte hat Stadtarchivar Klaus Fesche das Stadtarchiv nicht nur verwaltet, sondern auch mit Ausstellungen und Vorträgen in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt. Im Gespräch mit der Redaktion blickt er zurück.

Anfänge

Ausgangspunkt war ein Anruf des damaligen Leiters des Hauptstaatsarchivs in Hannover Manfred von Boetticher, der ihm von der freien Archivarstelle in Wunstorf erzählte. Fesche, der sich als Historiker als Nutzer eines Archivs und nicht als dessen Organisator sah, war zunächst eher skeptisch. Nach einem Vorstellungsgespräch beim damaligen Bürgermeister Rolf-Axel Eberhardt änderte sich dies. Zukünftig sollte das Stadtarchiv mehr Präsenz in der Öffentlichkeit zeigen. Und so wurde der 10. Februar 2005 sein erster Arbeitstag im Souterrain des Rathauses, wo das Stadtarchiv bis heute untergebracht ist. Da das Archiv damals einen wenig einladenden Eindruck machte, wurde es erst einmal umgestaltet. Außerdem galt es die Bewertung und Übernahme der Verwaltungsakten voranzutreiben, einen Internet-Auftritt zu konzipieren, Verwaltungsroutine kennenzulernen, Erinnerungskultur zu pflegen und vieles mehr. 2006 stand der Abriss der Lehrschwimmhalle in der Oststadt bevor. Dort lagerten sowohl Akten zur Kernstadt von der Weimarer Zeit bis in die frühen Jahre der Bundesrepublik als auch Akten der früher selbständigen Ortsteile. All das musste jetzt in den Bestand des Stadtarchivs eingegliedert und erfasst werden. Das bedeutete zunächst Sichtung und Ausdünnung des Altbestandes und Suche nach Unterstützung. Diese fand man in dem wissenschaftlichen Dokumentar Hinrich Ewert.

Ausstellungen

In den folgenden Jahren wurden im Stadtarchiv große und kleine Ausstellungen konzipiert. Vielfach geschah das in Zusammenarbeit mit Partnern wie dem Forum Stadtkirche, dem Heimatverein, dem Fischer- und Webermuseum oder auch der Universität Hannover. Allerdings war die Erfahrung mit Studenten dann doch eher durchwachsen, wie Fesche im Hinblick auf die Ausstellung „75 Jahre Machtergreifung“ berichtet. Neben Ausstellungen zu Jubiläen sei vor allem an die viel beachteten Ausstellungen zum Ersten Weltkrieg und zur Weimarer Republik erinnert. „Für die über 80 Ausstellungstafeln aus den beiden Schauen ließen wir uns vom Bauhof zwei Regale bauen“, so Fesche. Sie dienten zur Aufbewahrung der Tafeln zwecks späterer Nachnutzung. Im vergangenen Jahr ergab sich hierzu tatsächlich eine Möglichkeit. Unter dem Titel „Déjà vu!“ wurden 80 Tafeln in Kombination mit aktuellen Pressemeldungen noch einmal in der Stadtkirche gezeigt. Parallel zu den jeweiligen Ausstellungen wurden Vorträge organisiert und Begleitbroschüren erstellt.

Anfragen

Mehrere hundert Anfragen beantwortet das Archiv im Jahr. Oft stehen sie in Zusammenhang mit der NS-Zeit oder Erbschaftsangelegenheiten. Manche sind auch mit einem persönlichen Besuch verbunden. So berichtet Fesche von Besuchern aus den USA, Polen und sogar aus Argentinien. Alle auf der Suche nach Antworten zum Schicksal ihrer Familienangehörigen.

Ausblick

Aktuell arbeitet Fesche seine Nachfolgerin Melanie Hahn ein, die zum 1. November die Leitung des Stadtarchivs übernimmt. Fesche selber will sich dann Themen widmen, für die bisher keine Zeit war. Außerdem bleibt er aktives Mitglied im Arbeitskreis Erinnerungskultur. In einer der nächsten Ausgaben wird seine Nachfolgerin vorgestellt.


Verena Walter-Bockhorn (wb)
Verena Walter-Bockhorn (wb)
Freie Journalistin
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