Der Heimatverein Wunstorf wirft der Denkmalbehörde Versäumnisse vor. Beim Bau einer Garage seien die Grundmauern des historischen Fillerturms entfernt worden, ohne deren Maße zu dokumentieren oder einen Archäologen einzubeziehen.
„Auf dem ältesten Wunstorfer Bild, dem Merianstich aus dem 17. Jahrhundert ist im linken Bildbereich ein Turm zu sehen, der als Büttelei bezeichnet ist“, sagte der zweite Vorsitzende des Heimatvereins, Professor Dr. Manfred Rasche. Dieser Turm sei als letzter der Wunstorfer Stadttürme um 1800 abgerissen worden. Er blieb länger erhalten, weil er zunächst vom Stadtbüttel, dem Stadtdiener, eventuell als Gefängnis genutzt wurde und dann vom Wunstorfer Abdecker. Letzterer wurde auch als Filler bezeichnet, so dass auch vom Fillerturm gesprochen wurde. Der Standort des Stadtturms gegenüber dem Mandelslohschen Adelshof an der Schlobbenriede Nummer 10 war bekannt. Ein von der Stadt unweit vom Turmstandort aufgestelltes Hinweisschild weist darauf hin.
„Trotzdem wurden die Grundmauern des Turmes für einen Garagenbau beseitigt, ohne dass die Maße des Turmes aufgenommen wurden“, stellte Rasche fest. Ein Archäologe, der sicherlich noch weitere Erkenntnisse gewonnen hätte, sei bei den Arbeiten nicht anwesend gewesen. Dabei wäre es interessant gewesen, wie groß und wie fest einer der vier Wunstorfer Stadttürme gewesen ist und in welcher Zeit er errichtet wurde, kritisierte Rasche. Doch diese Chance sei leider vorbei, die Steine der Grundmauer konnten nur noch auf einem Flachcontainer fotografiert werden. Bei der Größe der Steine kann es sich nicht um Einfriedigungen von Gartenbeeten gehandelt haben. Eine Nachfrage des Heimatvereins bei der Unteren Denkmalbehörde der Stadt führte zu dem aufgezeigten unbefriedigenden Ergebnis. Der Denkmalbehörde war der Vorgang völlig unbekannt. Hierbei sei zu berücksichtigen, dass sich die Denkmalbehörde gleichzeitig mit den Mitarbeitern für die Baugenehmigungen auf dem Bauamt befindet.
„Offensichtlich sind in der Denkmalbehörde wichtige historische Positionen in der Stadt unbekannt“, so der Wunstorfer weiter. Eine Erklärung der Denkmalbehörde für ihre Untätigkeit mit mangelnder Besetzung ist, nach Meinung des zweiten Vorsitzenden des Heimatvereins, nicht hinnehmbar. Wenn die Denkmalbehörde ihre Aufgaben nicht erfüllen kann, müsse sie diese an das Landesamt für Denkmalpflege abgeben oder Hilfe durch ehrenamtliche Denkmalpfleger annehmen. „Obwohl sie der Stadt keine Kosten verursachen würden, sind diese Personen im Bauamt jedoch ausdrücklich unerwünscht“, sagte Rasche.