Große Freude in Wunstorf: Niedersachsens Gesundheitsminister Andreas Philippi hat am 6. Januar einen Förderbescheid über 24 Millionen Euro für den Neubau der Erwachsenenpsychiatrie übergeben. Die letzte Übergabe eines Fördermittelbescheides liegt rund ein Jahr zurück. „Damals war der Neubau noch ein Stück Vision, heute ist er schon ein Stück mehr Realität. Wir alle spüren inzwischen, welche Dynamik das Projekt entfaltet“, sagte Bastian Flohr, Geschäftsführender Direktor und Pflegedirektor der KRH Psychiatrie Wunstorf. Er hob die Integration des Neubaus ins Stadtbild hervor und betonte, dass dieser Teilhabe ermögliche.
Philippi erklärte, er komme gerne wieder, um weitere Fördermittelbescheide zu übergeben: „Wir schauen mal, was nächstes Jahr passiert.“ Der Minister betonte die Bedeutung der Einrichtung und der Versorgung betroffener Menschen. Gleichzeitig müsse das Persönlichkeitsrecht des Einzelnen auf Behandlung mit dem Sicherheitsbedürfnis der Gesellschaft in Einklang gebracht werden. Er spielte damit auf die laufende Debatte zur Reform des Gesetzes über Hilfen und Schutzmaßnahmen für psychisch Kranke (NPsychKG) an, das in diesem Jahr in Kraft treten soll. Das Wunstorfer Neubauprojekt sei eines mit Strahlkraft und eines der größten Leuchtturmprojekte der Region.
Barbara Schulte, Geschäftsführerin Finanzen und Infrastruktur, lobte die Verlässlichkeit des Landes: „Der Förderbescheid über 24 Millionen Euro ist ein deutliches Signal, die KRH Psychiatrie zukunftsfähig zu machen.“ Insgesamt hat das Land bisher 43 Millionen Euro Fördergelder bereitgestellt. Die besondere Bauweise des Projekt steche hervor. Das neue zentrale Stationsgebäude wird sechs Stationen mit insgesamt 114 Betten und eine Nutzfläche von rund 6.300 Quadratmetern umfassen. Es entsteht in Holzhybridbauweise – als erstes psychiatrisches Stationsgebäude in Niedersachsen. Sichtbare Holzoberflächen fördern eine ruhige, stressreduzierte Atmosphäre, steigern das subjektive Wohlbefinden und vermitteln ein Gefühl von Wärme und Geborgenheit. Insbesondere im psychiatrischen Umfeld kann eine solche Gestaltung zu einer stabilisierenden und heilungsfördernden Umgebung beitragen, so Schulte. Auch für die Mitarbeitenden bedeutet dies eine angenehmere Arbeitsumgebung. Die Bauweise unterstützt zudem Nachhaltigkeit und Ressourcenschonung.
Die Gründungsarbeiten laufen derzeit noch und sollen im Januar abgeschlossen sein. Auf dem im vergangenen Jahr geräumten Baufeld sind rund 300 Betonpfähle bis zu zwölf Meter tief in die Erde eingebracht worden (wir berichteten). Der erste Bohrpfahl wurde Mitte Oktober 2025 gesetzt. Auf dieser Basis kann ab dem Frühjahr die Roh- und Holzbaufirma das eigentliche Gebäude errichten. Nach Abschluss der Gründungsarbeiten soll ab dem 2. Quartal 2026 der Rohbau starten. Das Vergabeverfahren für den Generalunternehmer läuft ebenfalls im 2. Quartal. Die Fertigstellung ist für 2027 vorgesehen. Vorher fand der Abriss der Bestandsgebäude statt. Da das Neubaugebiet im Zentrum der Liegenschaft liegt, mussten zahlreiche Leitungen und Kabel umgelegt werden.
Der Stadtanzeiger wollte wissen, wie der Verlust der bisherigen Gebäude auf dem Gelände kompensiert werde. Flohr erklärte, dass es eine Verdichtung und Umzüge gegeben habe. Zum Teil seien Flächen verkleinert oder nach Bedarf auch externe Räumlichkeiten genutzt worden. Unterm Strich konnte der Wegfall gut ausgeglichen werden. Mit dem Neubau werde es auch wieder ein Sozialzentrum mit einem größerem Veranstaltungsraum geben. Auf Nachfrage sagte Flohr, dass dort sicherlich auch wieder Stadtratssitzungen wie früher stattfinden könnten. Im Vordergrund stehe jedoch die Nutzung für Therapiezwecke. Durch die Neugestaltung ist auch ein Parkplatz an der Südstraße/Stadtgraben weggefallen. Die über 40 Stellplätze konnten inzwischen nahezu vollständig an anderen Stellen des Geländes kompensiert werden, ohne zu sehr in bestehende Grünflächen eingreifen zu müssen, sagt Flohr. Dass die Parkplätze als erstes fertiggestellt würden, war eine planerische Vorgabe. Der Neubau selber soll nach erfolgter Vergabe an den Generalunternehmer relativ schnell von Ost nach West mit vorgefertigten Modulen erfolgen.