Keine Energiewende ohne Landwirtschaft | Wunstorfer-Stadtanzeiger

Keine Energiewende ohne Landwirtschaft

Großes Interesse am Thema auf dem Grünen Abend. (Foto: gk)
Großes Interesse am Thema auf dem Grünen Abend. (Foto: gk)
Großes Interesse am Thema auf dem Grünen Abend. (Foto: gk)
Großes Interesse am Thema auf dem Grünen Abend. (Foto: gk)
Großes Interesse am Thema auf dem Grünen Abend. (Foto: gk)

Der diesjährige „Grüne Abend“ des Landvolks Weserbergland, stand ganz im Zeichen der Energiewende.

Über die Frage, ob die Energiewende ohne Landwirtschaft zu schaffen ist, diskutierten Silke Weyberg, Geschäftsführerin des Landesverbandes Erneuerbare Energien Niedersachsen/Bremen e.V. (LEE), Thorsten Mensching, Lohnunternehmer, Biogasanlagenbetreiber und Landwirt aus Sachsenhagen und Frank Tegtmeier von der BürgerEnergieGenossenschaft Schaumburg eG gemeinsam mit den beiden Landratskandidaten Andrea Stüdemann und Dr. Joachim Steinbeck vor rund 150 interessierten Besucherinnen und Besuchern auf dem Hof Lattwesen in Hohnhorst.

Achim Pohl, Vorsitzender des Landvolks für den Landkreis Schaumburg, begrüßte und gab Silke Weyberg für einen Impulsvortrag das Wort. Darin gab sie einen Überblick über den derzeitigen Stand beim Ausbau erneuerbarer Energien und die Rolle der Landwirtschaft.

„Die Landwirte haben immer schon Energie erzeugt“, führte sie aus und verwies auf die Vorreiterrolle vieler Landwirtinnen und Landwirte bei dem Ausbau der Solarenergie, über Photovoltaikanlagen oder der Strom- und Gaserzeugung mit Biogasanlagen, wie zum Beispiel der Gastgeberhof Lattwesen.

Die „Teller oder Tank Diskussionen“ der Vergangenheit hält Weyberg, die selbst auf einem landwirtschaftlichen Betrieb lebt, angesichts eines erheblich steigenden Strombedarfs in der Zukunft für falsch. Die Frage, ob die Energiewende ohne Landwirtschaft zu schaffen ist, beantwortet sie daher mit einem klaren „Nein“.

Kritik übte Weyberg an der Zögerlichkeit des Gesetzgebers: „Obwohl viele Biogasanlagenbetreiber heute nicht wissen, wie der erzeugte Strom oder das eingespeiste Biogas ab dem kommenden Jahr vergütet wird, hat die Bundesregierung bis heute keinen Gesetzentwurf für ein zukünftiges EEG vorgelegt“, was große Verunsicherungen auch unter den Landwirten zur Folge habe.

Weyberg sieht neben dem Netzausbau die derzeitig größte Herausforderung in der Verbesserung der Netzflexibilität. Dieses sei notwendig, um die aus den aus den drei wesentlichen Energiequellen Sonne, Wind und Biomasse erzeugten Strom bedarfsgerecht in die Netze aufzunehmen und so die sichere Versorgung zu gewährleisten.

Die Netze müssen daher dringend digitalisiert werden. Aber in diesem Punkt liege Deutschland im Vergleich zu vielen Nachbarländern weit zurück. „Wir stehen uns selbst im Weg“, zieht Weyberg als Fazit und appelliert an die Bundestagsabgeordneten im Publikum, das Tempo bei der Digitalisierung schnell zu erhöhen.

Dem pflichtete Thorsten Mensching in der sich anschließenden Podiumsdiskussion bei. Aus seiner persönlichen Erfahrung mit einer Biogasanlage wisse er, dass sich Neuinvestitionen, zum Beispiel in einen neuen leistungsfähigeren Biogasmotor, derzeit wegen der fehlenden Planungssicherheit nicht rechnen.

Er kritisierte darüber hinaus die lange Dauer von Genehmigungsverfahren und die vielen bürokratischen Hürden, die nicht nur Investitionen in erneuerbare Energien, sondern insgesamt in der Landwirtschaft hemmen würden.

Frank Tegtmeier kritisierte, dass es in Niedersachsen im Vergleich zu benachbarten Bundesländern nicht möglich ist, Windenergieanlagen auch in Wäldern zu errichten. „Wir haben Zielvorgaben. Es müssen sich alle bewegen.“ Hierbei sieht er nicht nur die Kommunen und Behörden, sondern auch die Bürger in der Pflicht.

Zum Beispiel brauche es für die Lieferung von Wärme aus Biogasanlagen an Privathaushalte Wärmenetze. Wenn die Zuleitungen dann aber in den Straßenkörper verlegt werden müssten, weil die Akzeptanz für die Inanspruchnahme der Anliegergrundstücke fehlt, wird die Energiewende erheblich erschwert.

Andrea Stüdemann gab zu bedenken, dass der Ausbau erneuerbarer Energien im Landkreis Schaumburg aufgrund der Bevölkerungsdichte und weiteren Einschränkungen wie etwa dem militärischen Flugverkehr nur begrenzt möglich sei. Auch für Windenergieanlagen sei nicht viel Platz. Dennoch sieht auch Stüdemann, dass man sich auf den Weg machen müsse. Ein guter Ansatz sei hier beispielsweise die Einrichtung der Energieagentur Schaumburg.

Joachim Steinbeck warnt davor, dass die bereits vorhandenen Strukturen zur Erzeugung erneuerbarer Energien nicht zerschlagen werden dürfen. Er sieht nur begrenzte Handlungsmöglichkeiten für die Landkreise. Was man tun kann, solle man aber unbedingt umsetzen, um die Energiewende voranzubringen, zum Beispiel den Bau von Agrar-Photovoltaikanlagen unterstützen.

Kritisiert wurde von Seiten Menschings und Tegtmeiers sowie aus dem Publikum, dass der Landkreis Schaumburg derzeit seine eigenen Möglichkeiten, den Ausbau erneuerbarer Energien zu fördern beschneide: Der Entwurf des Regionalen Raumordnungsprogramms für den Landkreis Schaumburg sehe eine erhebliche Ausweitung potentieller Naturschutz- und Landschaftsschutzgebiete vor, die dann nicht mehr für die Erzeugung von Solar- oder Windenergie genutzt werden könnten.


Winfried Gburek
Winfried Gburek
Freier Redakteur Schaumburger Wochenblatt
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