Der Kirchenkreis Neustadt-Wunstorf hat seine Kirchen und Kapellen neu bewertet. Grund sind sinkende Finanzmittel, steigende Energiekosten und die altersbedingte Belastung der Gebäude. Die Synode hat beschlossen, alle Sakralbauten in drei Kategorien einzustufen: Kategorie A für zentrale Kirchen, die langfristig erhalten bleiben sollen, Kategorie B für Gebäude mit angepasstem Budget und Kategorie C für Kirchen, deren Zukunft offen ist. Abriss ist nicht vorgesehen, aber alternative Nutzungen und Kooperationen stehen im Raum.
In der Region Süd-Stadt gehört die Corvinuskirche in Wunstorf zur höchsten Kategorie A. Hier ist eine Dachsanierung geplant, bei der das markante Zeltdach mit einer Photovoltaikanlage ausgestattet werden soll. Geplant sind Indach-PV Module (Südseite Solarpanele, Nordseite Blindmodule). ”Allerdings fehlt uns leider nach wie vor ein Teil der Finanzierung, um das Projekt umzusetzen”, sagt Pastorin Franziska Oberheide dem Stadtanzeiger. Die geschätzten Gesamtkosten für die Umsetzung liegen bei etwa 300.000 Euro. Rund zwei Drittel der Summe sollen durch den Verkauf des Kupfers und durch Einsparungen beim Strom innerhalb von zehn Jahren erwirtschaftet werden. ”Es fehlen also noch ein Drittel der Kosten, das entspricht in etwa der Summe, die die Nordseite kostet”, so Oberheide.
Die alte Gasheizung wurde bereits durch Dunkelstrahler ersetzt (wir berichteten), Kostenpunkt rund 12.000 Euro, finanziert durch Spenden. ”8000 Euro haben wir schon zusammen. Die Strahler hängen seit ein paar Wochen und heizen eben nicht die Luft, sondern die Oberflächen, die dann wiederum abstrahlen. Das ist sehr angenehm, alle Menschen, die unsere Kirche besuchen, sind begeistert von dem Effekt den sie erzielen”, so Oberheide.
Die Stadtkirche hingegen ist nur in Kategorie C eingestuft. Was das konkret bedeutet, ist noch unklar. Derzeit wird der Turm der Stadtkirche saniert. Erfolgreich praktiziert wird hier seit Jahren ein Kooperationsmodell mit dem Forum Stadtkirche, das den Raum für Veranstaltungen und Ausstellungen nutzt. Auch in der Region Südland gibt es klare Prioritäten: Die Sigwardskirche in Idensen, die Kirche in Kolenfeld und die Kirche in Schloß Ricklingen sind als A-Gebäude gesetzt. Andere Orte wie Luthe oder Dedensen müssen sich mit reduzierten Budgets arrangieren.
Was genau „alternative Nutzung“ oder „Kooperationen“ bedeutet, ist noch offen. „Aktuell ändert sich erst einmal nichts. In Zukunft wird das aber anders aussehen müssen“, sagt Olaf Plümer, Vorsitzender des Bauausschusses der Kirchenkreissynode. Die Landeskirche gibt den Rahmen vor, lässt aber Spielraum für eigene Strategien im Kirchenkreis.