Mitte 2025 hatten sich sieben Städte und Samtgemeinden im Landkreis Schaumburg zusammengeschlossen und gemeinsam mit den Stadtwerken Schaumburg-Lippe (SWSL) und der Energieagentur Schaumburg das Thema „Kommunale Wärmeplanung“ gestartet. Bei den Beteiligten handelt es sich um Stadthagen, Bückeburg, Obernkirchen, sowie die Samtgemeinden Niedernwöhren, Nienstädt, Lindhorst und Eilsen. Mit dem in Wärmeplanung erfahrenen Dienstleister „Target“, war ein Partner gefunden worden, der sich in einer europaweiten Ausschreibung durchgesetzt hatte. Einige beteiligte Kommunen haben ihre Konzepte bereits fertig. In Stadthagen hatte die Verwaltung zur Auftaktveranstaltung eingeladen und vorsichtshalber die Aula des Ratsgymnasiums gebucht.

Leider geringes Interesse in der Bevölkerung

„Ich befürchte, wir werden die Aula nicht mehr vollbekommen“, begrüßte Bürgermeister Oliver Theiß die lediglich etwa 30 interessierten Zuhörer. Target-Referentin Karin Janssen erklärte, dass Deutschland im Jahr 2045 gesetzlich vorgeschrieben, klimaneutral heizen muss, Niedersachsen will dieses Ziel bereits 2040 erreichen. Vor dem Hintergrund, dass gemäß des Niedersächsischen Klimagesetzes alle Ober- und Mittelzentren bis Ende 2026 und nach Bundesgesetzgebung bis 2028 alle Kommunen über 10.000 Einwohner eine Wärmeplanung fertig haben müssen, arbeitet Target derzeit am ersten Schritt, einer Bestandsanalyse in der Kreisstadt. Dabei wird akribisch erfasst, wie viel Wärme in genau definierten „Baublöcken“ verbraucht werde.

Strenge Beachtung des Datenschutzes

Um insbesondere dem Datenschutz gerecht zu werden, sind dazu mindestens fünf Gebäude zusammengefasst. Aus vorliegenden Daten der SWSL sowie Kehrbüchern der Schornsteinfeger, können zusätzlich Art der verwendeten Energie sowie Alter der Heizanlagen festgestellt werden. Karin Janssen betonte mehrfach, dass alles unter größter Beachtung des Datenschutzes geschehe. Aus dieser Erfassung leitet die Fachfrau Rückschlüsse auf den Wärmebedarf ab. In den kommen Wochen und Monate wird eine Potentialanalyse erstellt. Dabei geht es darum, zu schauen, ob es beispielsweise Biogasanlagen gibt, die zusätzlich Verbraucher versorgen könnten, Firmen mit hoher Abwärme in der Produktion und sogar das Wasser von Kläranlagen könnten zu einer Wärmeversorgung beitragen. Weitere Gesichtspunkte in der Potentialanalyse sind nach Auskunft von Karin Janssen der Bau großflächiger PV-Anlagen, mit deren Strom Wärmepumpen betrieben werden könnten oder auch die Nutzung von Geothermie.

Handlungsstrategien liegen zum Jahresende vor

Nach der Erarbeitung von Zielszenarien wird bis zum Jahresende eine Handlungsstrategie vorgelegt, nach den Worten von Janssen, ein Werkzeugkoffer. Es werde ausdrücklich keine Vorgaben und keinerlei Umsetzungspflichten geben, betonte die Referentin. Jedem sollte bewusst sein, dass es für Stadthagen keine flächendeckende Wärmeplanung geben werde, sondern lediglich für einzelne zusammenhängende Quartiere. Das betonte auch Bürgermeister Oliver Theiß. In einem Ausblick fasste Janssen zusammen, dass es eine Kombination aus zentraler und dezentraler Wärmeversorgung geben werde. Wärmepumpen für einzelne Gebäude spielen dabei eine große Rolle, Wasserstoff sicherlich mangels geeigneter Leitung nicht. Target und Karin Janssen setzen auf eine möglichst große Mitwirkung der Bevölkerung. Auf der Ideenkarte: www.ideenkarte.de/schaumburg/ können Vorschläge, bereits vorhandene Wärmequellen und Ideen zu sinnvollen Wärmegewinnungsquellen eingebracht werden. Janssen berichtete, dass die Karte bereits erfreulich genutzt würde. Letztendlich werde die Entscheidung über die zukünftige Heizung immer in der Entscheidung des Hausbesitzers liegen, natürlich auf der Grundlage der gesetzlichen Regelungen.