Gestalten und arrangieren war schon immer ihr Ding. Allerdings haben sie zwischenzeitlich das Material gewechselt. Früher gestalteten sie Haare und arbeiteten somit am lebenden Objekt, denn beide kommen aus dem Friseurhandwerk. Das Material ist heute Leinwand oder Schaufensterpuppe, was der Kreativität nicht geschadet hat. Die Rede ist von den Künstlern Susanne Wegener und Andreas Tiecks. Beide stellen zum ersten Mal gemeinsam aus und auch zum ersten Mal in der Kunstscheune.
Von Kindesbeinen an kam Susanne Wegener mit der Malerei und Poesie in Berührung. Das lag an ihrer Mutter, die die Malerei ebenso liebte wie die Poesie. Im Gegensatz zu ihrer Schwester, die später Kunst studierte, blieb sie Autodidaktin. „Ich bin eine bekennende Autodidaktin mit allen Fehlern, mit all den Umwegen, die zu einem Weg gehören“, so Wegener. So verwundert es auch nicht, dass sie besonders den Künstler Jonathan Meese mag, der sein Kunststudium abgebrochen hat. Geprägt sind ihre Kunstwerke von ihrem Leben. Da ist nicht nur ihre jahrelange Tätigkeit als Meisterin im Friseurhandwerk sondern auch ihr Lebensumfeld. Ihr Atelier befindet sich im 18. Stock des Ihme-Zentrums in Hannover. „Von dort oben sieht die Welt ganz friedlich aus, während unten alles laut, bunt und so ganz anders ist. Diese Kontraste prägen mich“, erläutert Wegener, die sich auch bei „Ihme-Kult“ engagiert. Zu ihrem künstlerischen Leben gehört aber auch noch ein Gartenhaus samt Schrebergarten, in dem sie ihre Schaufensterpuppen lagert und gestaltet. Sie sind so spannend und anregend, dass Andreas Tiecks selber einen Arm und ein Bein gestaltet hat. Und wieder hatte die Kunst ihn gefunden und nicht er sie. Das war schon immer sein Weg zur Kunst.
Ihre Werke gehen über das Sichtbare hinaus. So beschreibt das Stadtbild von Tiecks den Lebenszyklus von den Anfängen, über Ortswechsel, Brüche bis zur letzten Station auf einem Friedhof. Die Werke von Wegener beschäftigen sich mit Frauen. Oft mit Drachen kombiniert. Während Tiecks Ölfarben für sich entdeckt hat, arbeitet Wegener mit Acrylfarben. Vor zwei Jahren entdeckte sie eine Schaufensterpuppe im Müll. Sie tat ihr leid und so nahm sie sie mit nach Hause, wo sie ihr ein neues Leben als Kunstwerk gab. Seitdem gestaltet sie Schaufensterpuppen. Wie ihre Mutter fasziniert sie auch Poesie, so dass auf den Puppenrücken oft Gedichte stehen. Die Motive kommen bei beiden aus ihrem bisherigen Leben. Was sie sehen, erlebt haben oder fühlen. Alles ist abgespeichert und inspiriert, so Tiecks.
Die Ausstellung wird vom 31. Januar bis 22. Februar gezeigt. Geöffnet ist sie freitags, samstags, sonntags und feiertags jeweils von 11 bis 17 Uhr. Eintritt frei. Am 1. Februar findet um 11 Uhr eine Vernissage mit Gesang und Gitarre von Dorit Schulte und Dirk Lerche statt. Am 15. Februar gibt ab 14 Uhr ein Konzert mit der Band „Oder Was Kommt Jetzt” mit Bertold Bricht alias Max Krause. Die Finissage ist am 22. Februar mit Achim Kapelle, der Gedichte liest. Für sonntags plant Susanne Wegener außerdem eine Bastelstunde anzubieten.