Winde, Strömung, Deipen | Wunstorfer-Stadtanzeiger

Winde, Strömung, Deipen

Schon geringer Wind führt zu Wellen am Steinhuder Meer. (Foto: wb)
Schon geringer Wind führt zu Wellen am Steinhuder Meer. (Foto: wb)
Schon geringer Wind führt zu Wellen am Steinhuder Meer. (Foto: wb)
Schon geringer Wind führt zu Wellen am Steinhuder Meer. (Foto: wb)
Schon geringer Wind führt zu Wellen am Steinhuder Meer. (Foto: wb)

Die Verschlammung am Steinhuder Meer ist eklatant. Für viele ein Indiz dafür, dass die Strömung im Meer nicht mehr so wie früher funktioniert und die Deipen verschlammt sind. Wäre die Entschlammung der Deipen die Lösung? Eine Spurensuche. Gerade den Südwestwinden ist das Steinhuder Meer besonders stark ausgesetzt. Das liegt zum einen an seiner geringen Wassertiefe und zum anderen an der relativ ungegliederten Form dieser Winde, so das Amt für regionale Landesentwicklung Leine-Weser (ArL) auf Nachfrage. Schon relativ geringe Windstärken verursachen hier Wellen, die aufgrund der geringen Wassertiefe bis auf den Seegrund reichen. Weiches Sediment (Treibmudde) wird dabei aufgewirbelt und mitgeführt. Auf diese Weise gelangen große Wassermengen an das Nordostufer, wovon sie mit relativ hoher Fließgeschwindigkeit wieder zurückströmen. So entsteht ein Rückströmungssystem mit vielen Strömungskreisen. Diese Kreise bilden tiefe Rinnen (die „Deipen“). Durch die Rückströmung wird das mitgeführte Sediment dann idealerweise vermehrt im Südwesten des Sees abgelagert.

Bei einer Echolotpeilung im Jahr 2019 wurde festgestellt, dass sich die „Deipen“ im Laufe der Zeit aber stetig verändert haben. 1937 und 1963 verliefen sie noch relativ parallel und zusammenhängend entlang des Nordwestufers. 2019 wurde dagegen eine Unterteilung der Rinne in zwei Teilbereiche und eine Verlagerung der Rinnen festgestellt. Dadurch könnte die Rückströmung beeinträchtigt worden sein, so das ArL. Somit könnte darin der Grund für Schlammablagerungen an ganz anderen Stellen als früher liegen. Beeinträchtigt wurden die Strömungsverhältnisse schon früher durch Veränderungen im Uferbereich. Zu nennen wären da neben der Anlage der Grachten, der Bau der Badeinsel und der Stege an Nordufer und Südufer. Außerdem die in den 1950er und 1960er Jahren durchgeführten Maßnahmen mit Moorzehrung und Sackung des Gewässerumfeldes. Die spärliche Unterwasservegetation (stabilisierte den im Westenmeer abgelagerten Schlamm) und die in Zeiten des Klimawandels eher seltene winterliche Eisbedeckung ermöglichen eine fast ganzjährige Sedimentsverlagerung. Wodurch sich die Verschlammungsproblematik in touristisch genutzten Uferbereichen verschärft, so der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küstenschutz und Naturschutz (NLWKN).

Im Hinblick auf die Erstellung des See-Entwicklungsplans prüfen aktuell Region Hannover, NLWK und ArL gemeinsam, ob neben den regulären Entschlammungsmaßnahmen in den nördlichen und südlichen Bereichen auch Schlamm beziehungsweise Sand aus den Deipen entnommen werden kann, um die Strömungsverhätnisse zu verbessern. Dies kann nach Ansicht von ArL und NLWKN zu einer veränderten örtlichen Schlammablagerung führen. Allerdings hat diese Maßnahme weder Einfluss auf die nährstoffgetriebene Schlammneubildung noch auf den biologischen Schlammabbau im See. Dies müsste zusätzlich erfolgen.

Strömung im Meer: Gutachten wird es zeitnah nicht geben. (Foto: wb)

Hohe Kosten – wenig Nutzen

Der Verein zum Erhalt des Steinhuder Meeres fordert erneut ein Strömungsgutachten für das Steinhuder Meer. Das zuständige Landesamt hält ein solches Gutachten derzeit jedoch für wenig sinnvoll – wegen großer Unsicherheiten bei den nötigen Daten und Modellannahmen.

Verena Walter-Bockhorn (wb)
Verena Walter-Bockhorn (wb)
Freie Journalistin
north