Mit einem besonderen Appell in seinem Jahresbericht, erreichte Ortsbrandmeister Philipp Brendel, Feuerwehr Bad Nenndorf, die Mitglieder der Feuerwehr sowie auch die Gäste auf der Jahreshauptversammlung.
Besonders deutlich kritisierte Brendel die Pläne der Bundesregierung, über eine Neuregelung der Arbeitszeit. Sie sehen eine wöchentliche Höchstarbeitszeit von 48 Stunden vor, was bei einer Fünftagewoche zu einer täglichen Arbeitszeit von bis zu zehn Stunden führen würde. Diese Planungen halte er mit Blick auf das Ehrenamt für „äußerst kritisch“ und lehne sie „entschieden ab“.
Seiner Ansicht nach werde hierbei vergessen, „dass ehrenamtliche Tätigkeiten, insbesondere im Feuerwehr- und Katastrophenschutz, zusätzlich zur regulären beruflichen Haupttätigkeit geleistet werden“.
Als Beispiel griff er auf seinen eigenen Verantwortungsbereich als Ortsbrandmeister innerhalb einer Schwerpunktfeuerwehr zurück und erklärte, dass er je nach Verwaltungsaufkommen und Terminen zwischen acht und zwölf Stunden pro Woche zusätzlich zu seinem normalen Berufsalltag leiste. „Wo bleibt dann noch Zeit für Familie, für Erholung und für ein Privatleben?“
Gerade für Familien, für Mütter und Väter, werde es unter solchen Rahmenbedingungen nahezu unmöglich, sich dauerhaft ehrenamtlich zu engagieren oder Verantwortung zu übernehmen. „Eine solche Neuregelung wäre aus meiner Sicht hochgefährlich für das Ehrenamt.“ Man könne davon ausgehen, dass viele Engagierte ihre ehrenamtlichen Ämter niederlegen müssten. „Nicht aus mangelnder Motivation, sondern aus purer Überlastung.“
Für diesen Appell, den Brendel in erster Linie an die Politik richtete, wurde er mit anhaltendem Beifall der rund 200 Gästen unterstützt. Aktuell steige zudem der Zeit- und Verwaltungsaufwand, insbesondere für Funktionsträger innerhalb der Freiwilligen Feuerwehr, stetig an, so seine weitere Kritik. Die Bürokratie nehme derzeit eher zu als ab. „Ich möchte daher an die Verwaltung appellieren, über die Einrichtung einer Stelle als Verwaltungshelfer beziehungsweise hauptamtlichen Gerätewart nachzudenken“, so Brendel.
Die Gründung einer First-Responder-Einheit innerhalb der Feuerwehr im zurückliegenden Jahr, sei ein ganz besonders Projekt, so der Ortsbrandmeister weiter. Dieses werde im ersten Quartal in den Einsatzdienst übergeben.
Philipp Pijl, zweiter stellvertretender Ortsbrandmeister, berichtete über die 132 Einsätze im Verlauf des Jahres. Davon erfolgten 113 innerhalb der Stadt und zwölf in der Samtgemeinde. Darunter 37 Brände. Besonders belastend hierbei seien immer wieder die Einsätze mit Personenschaden, „teilweise aber auch mit tödlichem Ausgang“.
Die Feuerwehr Bad Nenndorf verfügt derzeit über 138 Mitglieder: mit 82 aktiven Kameradinnen und Kameraden, 2 Fachberaterinnen der Kinderfeuerwehr, acht Kameraden der Alters- und Ehrenabteilung, 24 Mitglieder der Jugendfeuerwehr und 20 Kinder in der Kinderfeuerwehr. 500 Mitglieder der Feuerwehrkameradschaft unterstützten finanziell.
Zwei besondere Veranstaltungen hob Brendel im Rückblick hervor. Einen großen Laternenumzug sowie einen Blaulichtgottesdienst mit der St. Godehardi Kirchengemeinde. Eine Wiederholung sei daher bereits geplant.
Die Jahreshauptversammlung mündete in verschiedene Ehrungen. So wurden beispielsweise für langjährige Mitgliedschaften in der Feuerwehr Johann Schweer (50 Jahre) und Heinrich Schweer (60 Jahre) mit dem Niedersächsischen Feuerwehrehrenzeichen für langjährige Verdienste beziehungsweise dem Abzeichen LFV Nds. für langjährige Mitgliedschaft ausgezeichnet. Gleichzeitig erhielten sie vom Ortsbrandmeister die Ehrennadel der Feuerwehr Bad Nenndorf. Für fördernde Mitgliedschaft wurden Thomas Giffhorn (25 Jahre), Monika Schröder (40 Jahre) und Monika Lübke, Emauel Topschirbel und Monika Lübke für 50 Jahre geehrt.