Wenn das Smartphone zur Reliquie wird | Wunstorfer-Stadtanzeiger

Wenn das Smartphone zur Reliquie wird

Ausstellung Ivan Milenkovic. (Foto: privat)
Ausstellung Ivan Milenkovic. (Foto: privat)
Ausstellung Ivan Milenkovic. (Foto: privat)
Ausstellung Ivan Milenkovic. (Foto: privat)
Ausstellung Ivan Milenkovic. (Foto: privat)

Die Ausstellung „Reliquie Digital“ verbindet in der Stadtkirche klassische Malerei mit Fragen des digitalen Zeitalters. Ab Sonntag, 28. Juni, 15 Uhr, zeigt der hannoversche Künstler Ivan Milenkovic seine Werke im Rahmen Reihe „Kunst im Turm und in der Kirche“. Die Ausstellung läuft bis zur Finissage am Sonntag, 9. August, um 16.30 Uhr. Milenkovic greift in seinen großformatigen Ölgemälden die Bildsprache berühmter Maler wie Rembrandt und Vermeer auf. Besonders die barocke Hell-Dunkel-Malerei (Chiaroscuro) prägt seine Arbeiten. Seine Figuren sind häufig ausschließlich vom Licht digitaler Geräte wie Smartphones, Tablets oder Laptops beleuchtet. So entstehen starke Kontraste zwischen Dunkelheit und Helligkeit. Während früher Kerzen oder Fenster das Licht in die Räume brachten, stammen die Lichtquellen heute von Bildschirmen. Die dargestellten Menschen wirken dabei zugleich verbunden und isoliert.

Die Ausstellung stellt bewusst einen Bezug zur Geschichte her. Im Mittelalter trugen Menschen Reliquien oder persönliche Gegenstände bei sich, die Schutz, Hoffnung und Zugehörigkeit symbolisierten. „Reliquien waren früher Zeichen von Schutz und Hoffnung“, erläutert Kuratorin Anja Emmanouilidis. Heute übernähmen digitale Geräte oft ähnliche Funktionen: Sie verbinden Menschen, speichern Erinnerungen und geben Orientierung im Alltag. „Mit der Ausstellung möchten wir darüber ins Gespräch kommen, was Menschen im 21. Jahrhundert Halt gibt“, sagt sie. Ihr Kollege Hans Heinrich Hanebuth sieht zudem Parallelen zur Malerei Vermeers: „Damals fiel das Licht durch Fenster, heute erhellen Smartphones die Gesichter. Das verändert nicht nur die Bildwirkung, sondern erzählt auch etwas über unsere Zeit.“ Beide begleiten die Ausstellungsreihe in der Stadtkirche seit mehreren Jahren.

Ein besonderer Bestandteil ist eine partizipative Installation. Besucher können persönliche Gegenstände mitbringen, die ihnen Trost, Sicherheit oder Orientierung geben. Diese werden fotografiert, ausgedruckt und als Teil einer wachsenden Installation im Kirchenraum präsentiert. Alternativ können die Objekte gezeichnet oder beschrieben werden. So entsteht im Laufe der Ausstellung ein gemeinsames Archiv persönlicher „Reliquien“, das Erinnerungen, Hoffnung und Verbundenheit sichtbar macht. Die Stadtkirche wird damit nicht nur zum Ausstellungsraum, sondern auch zu einem Ort des Austauschs. Der Eintritt ist frei, Spenden sind willkommen.

Ausstellung

Die Ausstellung hat bis 19. Juli, dienstags bis donnerstags und samstags von 15 bis 18 Uhr, freitags von 10 bis 12 Uhr und sonntags von 13 bis 17 Uhr geöffnet. Die regulären Öffnungszeiten sind dann dienstags und mittwochs von 15 bis 17 Uhr, donnerstags von 15 bis 18 Uhr und freitags von 10 bis 12 Uhr.

  • Vernissage: Sonntag, 28. Juni, 15 Uhr
  • Finissage: Sonntag, 9. August, 16.30 Uhr

Wer Liebhaber experimenteller, moderner Jazz-Musik ist, sollte sich die Vernissage von „Reliquie Digital“ nicht entgehen lassen: Kurzfristig bereichert eine Klanginstallation von TOSH DOLL featuring Hans Wendt die feierliche Eröffnung der Kunstausstellung. Mit mehreren Instrumenten und einem Kassettenrekorder inszenieren die beiden Künstler Klänge im gesamten Kirchenraum und auf der Empore.


André Tautenhahn (tau)
André Tautenhahn (tau)
Freiberuflicher Journalist
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