Die Ballettschule Hirsch feiert ihr 50-jähriges Jubiläum. Seit ihrer Gründung im Jahr 1976 hat sie Generationen von Kindern und Jugendlichen an den klassischen Tanz herangeführt und sich mit ihren Aufführungen einen hervorragenden Ruf erarbeitet. Gegründet wurde die Schule von Margot Hirsch. Seit 1990 leitet ihre Tochter Sylvia Hirsch die Einrichtung. Nach ihrer Ausbildung an der Musikhochschule Hannover tanzte sie im Ensemble des Niedersächsischen Staatstheaters Hannover und der Deutschen Oper Berlin. Ihr Diplom in Bühnentanzpädagogik schloss sie 1988 ab.
Die Schule steht für eine fundierte Ausbildung mit großer Leidenschaft für Tanz und Musik. Als berufsvorbereitende Schule anerkannt, unterrichtet sie nach der Waganowa-Methode, einem international etablierten Ausbildungssystem des klassischen Balletts. Bewusst klein gehaltene Klassen ermöglichen eine individuelle Förderung der Schülerinnen und Schüler.
Ein Markenzeichen der Schule sind die großen Produktionen im Stadttheater. Alle zwei Jahre erarbeitet Sylvia Hirsch mit ihren Schülerinnen und Schülern ein neues Stück. Zu den aufgeführten Klassikern gehören unter anderem „Schwanensee“, „Cinderella“ und „Der Nussknacker“. Erst im vergangenen Jahr begeisterte die Aufführung von „Dornröschen“ das Publikum. Für Sylvia Hirsch war es bereits die 17. große Produktion im Stadttheater. Ein Blick auf die Bilanz der vergangenen Jahrzehnte zeigt die Kontinuität der Arbeit: Fünfmal wurde „Der Nussknacker“ auf die Bühne gebracht, dreimal „Dornröschen“ und zweimal „Coppélia“. Besonders aufwendig waren die Produktionen von „Giselle“ im Jahr 1996 sowie „Schwanensee“ im Jahr 2011. Letzteres wurde mit allen vier Akten und in ungekürzter Fassung aufgeführt. Aus „Giselle“ ging sogar eine spätere Berufstänzerin hervor, die ihre Ausbildung in der Ballettschule begonnen hatte.
Viele Schülerinnen bleiben der Schule über Jahre hinweg treu. Einige verbringen bis zu 16 Jahre ihrer Ausbildung dort. Daraus entstehen enge Bindungen. Für Sylvia Hirsch geht die Ausbildung weit über den reinen Unterricht hinaus. Die Kinder und Jugendlichen erlernen nicht nur die Technik des klassischen Balletts. Sie erfahren zugleich, was Hingabe, Leidenschaft, Fleiß und Disziplin bedeuten und wie wichtig Beharrlichkeit auf dem Weg zu einem Ziel sein kann. Das Niveau der Schülerinnen habe sich im Laufe der Jahre weiterentwickelt. Es tanzen heute deutlich mehr Mädchen auf Spitze als früher, sagt Sylvia Hirsch. Gleichzeitig habe sich aber das Freizeitverhalten verändert. Während es früher teilweise Wartelisten gab, konkurriere das Ballett heute mit einer Vielzahl anderer Freizeitangebote. Dennoch entscheiden sich weiterhin Kinder und Jugendliche für eine intensive tänzerische Ausbildung.
Da die Schule nach einem festen Ausbildungssystem arbeitet, beginnen die meisten Schüler bereits im Alter von 5 bis 7 Jahren mit dem Unterricht. Quereinsteiger haben es daher häufig schwer, später einzusteigen. Sylvia Hirsch hofft deshalb auf weitere Anmeldungen von Kindern in diesem Alter, um zusätzliche Kurse anbieten zu können.
Viele Besucher erwarten nach den erfolgreichen Aufführungen der vergangenen Jahre bereits die nächste große Produktion. Diese wird jedoch nicht wie gewohnt stattfinden können. Da das Stadttheater 2027 erneut wegen Sanierungsarbeiten geschlossen sein wird, verschiebt sich das nächste große Bühnenprojekt auf das Jahr 2028. Wer die Schule kennenlernen möchte, muss dennoch nicht warten. Im kommenden Jahr sind Veranstaltungen geplant, bei denen Interessierte Einblicke in die Arbeit der Ballettschule erhalten können.