Die Region Hannover plant für die Paul-Moor-Schule einen Neubau statt eines bislang vorgesehenen Erweiterungsbaus. Diesen Vorschlag legt die Verwaltung nach einer umfassenden Untersuchung verschiedener Möglichkeiten den politischen Gremien der Regionsversammlung vor. Nach Angaben der Region kann ein Anbau den deutlich gestiegenen Raumbedarf langfristig nicht ausreichend decken und bietet nur begrenzte Möglichkeiten für moderne pädagogische Konzepte.
Die Schülerzahlen an der Förderschule mit dem Schwerpunkt Geistige Entwicklung sind in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. Besuchten im Schuljahr 2013/2014 noch 54 Schüler die Schule, waren es 2025 bereits 104. Die Region rechnet mit einem weiteren Anstieg. Nach aktuellen Prognosen werden bis zum Schuljahr 2035/2036 insgesamt 25 allgemeine Unterrichtsräume sowie zusätzliche Differenzierungs-, Therapie- und Nebenräume benötigt. Hinzu kommen neue gesetzliche Vorgaben wie der Ausbau der Ganztagsbeschulung sowie Änderungen durch den niedersächsischen Klassenteilererlass, die kleinere Klassen und damit einen höheren Raumbedarf erforderlich machen. Auf dem Schulgelände wurden demnach fünf Varianten untersucht. Dabei habe sich gezeigt, dass ein Erweiterungsbau die künftigen Anforderungen nicht erfüllen könne. Die von der Verwaltung favorisierte Lösung sieht deshalb einen kompletten Neubau der Schule vor. Während der Bauzeit soll ein ebenfalls neu errichteter Interimsbau den Schulbetrieb sicherstellen.
Nach Ansicht der Region bietet diese Variante mehrere Vorteile. So könne der langfristige Flächenbedarf vollständig gedeckt werden. Zudem ermögliche der Neubau eine klare Adressbildung am Paul-Moor-Weg und kurze Wege innerhalb des Gebäudes. Auch spätere Anpassungen an veränderte Anforderungen seien leichter möglich. Ein weiterer Vorteil sei, dass im Gegensatz zu einer Erweiterung die Außenflächen der benachbarten Otto-Hahn-Schule nicht eingeschränkt würden. „Der Neubau ist die zukunftssichere Lösung für die Paul-Moor-Schule. Er ermöglicht nicht nur eine bedarfsgerechte Unterbringung der Schüler, sondern vermeidet auch unwirtschaftliche Nachbesserungen, die bei einem Anbau unvermeidbar gewesen wären“, sagt Isabella Gifhorn, Dezernentin für Bildung, Kultur und Baumanagement der Region Hannover. Zugleich betont sie, dass die Überprüfung der bisherigen Planungen nicht zu Verzögerungen führen solle. Vielmehr gehe es darum, die Schule von Beginn an bedarfsgerecht zu planen.
Die Neubau-Empfehlung ist nach Angaben der Region auch ein Ergebnis der Arbeit der Stabsstelle Schulbauinitiative Region Hannover. Diese überprüft seit Juni 2026 laufende und geplante Hochbauprojekte hinsichtlich ihrer Priorität und der veränderten Rahmenbedingungen. „Dieser Fall zeigt beispielhaft, wie wichtig eine vorausschauende und bedarfsgerechte Planung ist. Durch die Arbeit der Stabsstelle können wir sicherstellen, dass Schulbauprojekte in der Region Hannover effizient, wirtschaftlich und im Interesse der Schüler umgesetzt werden“, sagt Gifhorn.
Die Mitglieder der Regionsversammlung wurden am Donnerstag per Informationsdrucksache über den Vorschlag informiert. In den kommenden Monaten soll die Bedarfsplanung weiter konkretisiert werden. Zudem will die Region eine Machbarkeitsstudie für den Neubau in Auftrag geben. Parallel dazu soll die Planung für den notwendigen Interimsbau vorangetrieben werden, damit der Schulbetrieb während der Bauphase aufrechterhalten werden kann. Die Stadt Wunstorf sei bereits über die verschiedenen Varianten informiert worden. Bürgermeister Carsten Piellusch teilte bereits dem Verwaltungsausschuss am 7. September die neuen Pläne mit. Demnach soll die Schule auf der jetzigen Fläche östlich des Barnegrabens neu gebaut werden. Ein Bebauungsplan werde dann nicht benötigt. Auf einem erworbenen Gelände westlich des Barnegrabens sollen wiederum die Container für eine Übergangslösung stehen und später Außenflächen und die verkehrliche Anbindung realisiert werden. Die Stadt empfiehlt zudem die Umlegung des Grabens weiter nach Westen an die dann neue Grenze des Schulgeländes. Bis 2031 soll der Neubau fertiggestellt sein.