Der Start des Ganztags an den Grundschulen in Kolenfeld, Bokeloh und der Oststadtschule ist nach Angaben der Ersten Stadträtin Wiebke Nickel gelungen. Im Schulausschuss berichtete sie in dieser Woche über die ersten Erfahrungen. Demnach nutzen in Bokeloh von 34 Erstklässlern 20 das Ganztagsangebot. In Kolenfeld nehmen 25 von 31 Schulanfängern teil, an der Oststadtschule sind es 47 von 56 eingeschulten Kindern. An allen drei Standorten gelten derzeit Interimslösungen. Hintergrund ist der Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung, der seit diesem Schuljahr erstmals für alle Kinder der ersten Klassen gilt.
In anderen Ortsteilen seien zudem, wie Nickel es formulierte, „exotische Lösungen“ mit Horteinrichtungen gefunden worden. So wurde 25 Kindern aus Luthe ein Betreuungsplatz außerhalb ihres Schulbezirks angeboten. Tatsächlich hätten sich jedoch nur sieben Familien für diese Option entschieden. Zwei Kinder besuchen den AWO-Hort in der Oststadt, fünf weitere Kinder aus Luthe nutzen das Nachmittagsangebot von Maxis Schülerladen in der Hannoverschen Straße. Die SPD-Ratsfrau Daniela Halbsing, selbst in Luthe wohnhaft, warnte jedoch vor einer Fehleinschätzung des tatsächlichen Bedarfs. Zwar habe man allen Kindern einen Platz anbieten können. Viele Eltern hätten ihren Betreuungswunsch wegen der besonderen Rahmenbedingungen jedoch wieder zurückgezogen und sich anderweitig organisiert. Der Bedarf an Ganztagsbetreuung sei deshalb weiterhin hoch. Halbsing sprach von einer Dunkelziffer, die im Blick behalten werden müsse.
Die Lehrervertreterin im Ausschuss, Sabine Tönsing, ergänzte, dass zwar funktionierende Interimslösungen gefunden worden seien, die Herausforderungen im Alltag jedoch zugenommen hätten. Sie sprach sich für einen weiterhin intensiven Austausch zwischen Schulleitungen und Schulträger aus. Aus Sicht der Verwaltung stehe dem nichts im Wege. Gleichzeitig sei auch dort die Belastung der Mitarbeiter durch den laufenden Transformationsprozess im Ganztag erheblich gestiegen. Vertreter der Schulen und Kooperationspartner berichteten, dass das Ganztagsangebot insgesamt gut angelaufen sei. Allerdings seien sowohl die finanziellen Mittel als auch die räumlichen Kapazitäten sehr knapp bemessen. Hier müsse nachgesteuert werden, da sich ein verlässlicher Betrieb unter den derzeitigen Bedingungen langfristig kaum aufrechterhalten lasse.
Aus Kolenfeld kam zudem Kritik an der bislang ausgebliebenen Umwandlung eines Werkraums. Die Arbeiten sollten zum Schuljahresbeginn abgeschlossen sein. Der dafür erforderliche Bauantrag sei jedoch noch nicht genehmigt worden. Die Verwaltung verwies auf einen noch laufenden Abstimmungsprozess zwischen den zuständigen Behörden. Mit dieser Verzögerung habe man nicht gerechnet. Probleme gibt es zudem bei der Nutzung von Schulräumen durch Vereine. In Kolenfeld habe sich über Jahre eine im Ort akzeptierte Struktur entwickelt, die nun durch den Ausbau des Ganztags unter Druck gerate. Kurzfristig lasse sich das Raumangebot jedoch nicht erweitern. Erste Stadträtin Nickel räumte ein, dass bislang noch kein Königsweg gefunden worden sei. Gleichzeitig sei aber auch klar, dass man das bisherige Nutzungsprogramm nicht mehr eins zu eins abbilden könne.
In seiner letzten Sitzung in dieser Ratsperiode brachte der Schulausschuss die Umwandlung weiterer Grundschulen in Ganztagsschulen in der Kernstsadt (Albert-Schweitzer-Grundschule), Großenheidorn und Luthe auf den Weg. In Steinhude gab es nach Rücksprache mit der Schulleitung eine Verständigung, so dass auch hier ab dem nächsten Schuljahr der Ganztag starten kann. Eine Verschiebung vorzunehmen, wie es der Ortsrat beschlossen hatte, folgte der Ausschuss demnach nicht.