Die Stadtverwaltung hat aus den massiven Verzögerungen beim Bau des Barnekreisverehrs Lehren gezogen und will künftige Bauprojekte besser vorbereiten und kommunizieren. Statt der ursprünglich geplanten 19 Wochen dauerte die Fertigstellung des Minikreisels an der Barnestraße über 60 Wochen.
In einer gemeinsamen Sitzung von Ortsrat und Bauausschuss hat die Verwaltung eine Analyse der Abläufe vorgestellt. Der Leiter des Tiefbauamtes, Simon Schlüter, präsentierte die Ursachen für die Verzögerungen: hoher Grundwasserstand, außergewöhnlich viel Regen, nicht zuzuordnende Leitungen und mangelnde Kooperation einiger Leitungseigentümer. Die meisten Verzögerungen sind demnach Dritten zuzuschreiben. Aus einer Aufstellung geht hervor, dass 15 Wochen Behinderungen allein durch Versorger verursacht worden seien. Aufgrund der Witterung konnte rund zwei Wochen lang nicht gearbeitet werden.
Die erforderlichen Entscheidungen wurden dennoch schnell getroffen. Dort, wo man selbst Einfluss nehmen konnte, ergab die Prüfung aller Vorgänge eine mögliche Zeitersparnis von etwa zwei Wochen, so das Ergebnis der Evaluation. Der Bau hätte dann unter den gegebenen Umständen also nicht 60, sondern 58 Wochen gedauert. Das deutet auf eine relative Machtlosigkeit bei dieser Art von Bauvorhaben hin. Man habe auf viele Dinge keinen Einfluss gehabt, beteuerte die Verwaltung. Gänzlich ausschließen lassen sich daher ähnliche Verzögerungen bei vergleichbaren Bauvorhaben nicht, wie die Verwaltung auf Nachfrage der Politik einräumen musste.
Daher will die Stadt künftig längere Zeitpuffer einplanen, Bauvorhaben sorgfältiger vorbereiten und mit Georadar sowie Querschlägen vorab klären, was sich unter der Straße befindet. Ob sich damit alle Überraschungen vermeiden lassen, bleibt offen. Doch die Verwaltung setzt auf mehr Transparenz und Bürgernähe. Die Kommunikation soll deutlich verbessert werden: Geplant sind feste Ansprechpartner in Form von Baustellenmanagern sowie regelmäßige Informationen über Baufortschritte und mögliche Verzögerungen. Neben den bestehenden Verbreitungskanälen sollen weitere digitale Wege genutzt werden, etwa über den Messenger-Dienst WhatsApp (dazu mehr im Redaktionsschnack).
Bürgermeister Carsten Piellusch betonte, dass die Verwaltung selbst unzufrieden mit dem Projektverlauf sei. Er wie auch seine Mitarbeiter seien genauso Bürger, die sich über den Stillstand auf Baustellen ärgerten. Unvorhergesehenes könne aber immer passieren. Vor Überraschungen sei man nicht gefeit. Dass Dinge nicht perfekt laufen, kenne man auch von der privaten Ebene. Er lobte die umfangreiche Aufarbeitung durch das Baureferat und stellte sich schützend vor seine Mitarbeiter, die viel ungerechtfertigte Kritik haben einstecken müssen. Die angekündigten Maßnahmen könnten sofort umgesetzt werden. Ein weiterer Vorschlag ist der angekündigte Umbau der Verwaltungsspitze. Dieser befindet sich noch in der Abstimmung und benötigt daher noch etwas Zeit. Eine Kurz- und Langfassung der Präsentation soll auf der Website der Stadt veröffentlicht werden. Die ursprüngliche Präsentation mit knapp 120 Folien wurde in der öffentlichen Sitzung nicht gezeigt, sondern nur eine komprimierte Version.
Bauausschuss und Ortsrat Wunstorf haben eine abgespeckte Version des langen Berichts zur Überprüfung der Bauabläufe am Barnekreisverkehr gehört. Zu der Veranstaltung am Donnerstag (6. November) kamen auch interessierte Zuschauer, allerdings gab es aus diesem Kreis im Anschluss keine Fragen an Verwaltung und Politik, obwohl dazu Gelegenheit bestand.
Im Ergebnis bleibt festzuhalten, dass das Verbesserungspotential aus Verwaltungssicht überschaubar ist. Änderungen soll es trotzdem geben, vor allem im Bereich der Kommunikation. Denn viele Informationen seien beim Transport durch die verschiedenen Verwaltungsebenen bis hin zu den Medien zu sehr vereinfacht und zum Teil auch verfälscht worden. Vom Phänomen „Stille Post“ war die Rede. Oder ganz korrekt zitiert: „Wir haben Sender- und Empfängerprobleme.“
Eine wirkliche Lösung dafür erschließt sich den Beobachtern aber nicht. Komplexe technische Sachverhalte bleiben komplex und technisch, egal ob sie weiter über die Pressestelle der Verwaltung oder einen noch einzurichtenden WhatsApp-Kanal verbreitet werden, den man per QR-Code am Baustellenzaun erreichen kann. Nur für Interessierte steht die komplette Präsentation von knapp 120 Powerpointseiten zur Verfügung. Ortsrat, Bauausschuss und Öffentlichkeit wollte man den Marathon augenscheinlich nicht mehr zumuten.
Hinzu kommt: Die Verwaltung kommuniziert bereits auf zahlreichen Kanälen. Neuerdings auch mit Videos in den sozialen Netzwerken, die, so sagt es eine Verwaltungsmitarbeiterin, „viral gingen“. Aber was heißt das? Der Bürgermeister selbst ist seit seinem Amtsantritt auf Social Media präsent und postet regelmäßig Nachrichten, von Veranstaltungen, nach Ratssitzungen, um die Bürger zu informieren. Was hat das aber bisher gebracht, wenn nun eingeräumt wird, dass etwas mit der Kommunikation nicht stimmt? Wer wird eigentlich über diese Wege erreicht? Ist es klug, ohne konkrete Antworten darauf, immer weitere Kanäle zu eröffnen, in der Hoffnung, neben zusätzlicher Aufmerksamkeit, auch mehr Verständnis zu ernten?
Gerade hat die Stadtverwaltung eine neue Informationskampagne in den sozialen Netzwerken gestartet. Es geht um den Zustand echter Kanäle in der Innenstadt. Verwaltungsmitarbeiter erklären nun vor der Kamera und stehen mitten im Geschehen. Aber schafft das auch Bürgernähe? Die sozialen Netzwerke versprechen Reichweite, Schnelligkeit und direkte Ansprache. Doch hinter der digitalen Offensive steht nicht immer eine klare Strategie. Häufig fehlt es an Zielgruppenanalysen, an messbaren Erfolgen oder an Rückkopplung mit den Bürgern. Likes und Kommentare sind keine verlässlichen Indikatoren für Verständnis oder Zustimmung. So droht die digitale Präsenz zur bloßen Inszenierung zu werden.
Was fehlt ist ein durchdachtes Konzept, das nicht nur auf Sichtbarkeit, sondern auf Wirkung setzt. Es scheint fast so, als hätten Bürgermeister und Stadtverwaltung den richtigen Kommunikationskanal noch immer nicht gefunden und eingestellt.