Die S-Bahn Hannover schränkt ihr Angebot wegen fehlender Fahrzeuge erheblich ein und bittet Fahrgäste, nach Möglichkeit auf nicht zwingend notwendige Fahrten zu verzichten. Die kurzfristig angekündigten Maßnahmen sorgen nun für deutliche Kritik aus der Regionspolitik. Nach Angaben der S-Bahn werden seit Beginn der Woche auf voraussichtlich allen Linien kürzere Züge eingesetzt. Fahrgäste müssen daher mit weniger Sitzplätzen und stärker ausgelasteten Verbindungen rechnen. Als Ursachen nennt der Betreiber technische Störungen, Probleme bei der Ersatzteilbeschaffung, Schäden durch die Schieneninfrastruktur sowie Defizite bei internen Prozessen. Bereits seit Ende Juni seien Ersatzfahrzeuge im Einsatz.
Die CDU-Regionsfraktion sieht in der Entwicklung ein deutliches Warnsignal. Fraktionsvorsitzender Bernward Schlossarek bezeichnete die Aufforderung an Fahrgäste, nach Möglichkeit auf andere Verkehrsmittel auszuweichen, als bemerkenswert. Wenn ein Verkehrsunternehmen seinen eigenen Kunden vom Nutzen des Angebots abrate, könne nicht mehr von einer einzelnen Störung gesprochen werden. Vielmehr liege ein strukturelles Problem vor. Kritisch bewertet die CDU auch den Hinweis der S-Bahn, Schüler sollten prüfen, ob sie außerhalb des öffentlichen Nahverkehrs zu ihren Zielorten gelangen können. Der ÖPNV müsse auch für Familien verlässlich funktionieren. Es könne nicht Aufgabe der Eltern sein, kurzfristig als Ersatz einzuspringen. Zudem fordert die CDU von der Region Hannover als zuständigem Aufgabenträger eine umfassende Aufklärung. Unter anderem solle geklärt werden, seit wann die Probleme bekannt waren, wie lange die Einschränkungen andauern werden und welche Maßnahmen zur Stabilisierung des Betriebs geplant sind.
Auch die SPD-Regionsfraktion äußert sich ungewöhnlich deutlich zur aktuellen Lage. Fraktionsvorsitzende Regina Hogrefe erklärte, die Situation habe einen neuen Tiefpunkt erreicht. In den vergangenen Monaten sei bewusst darauf verzichtet worden, jede neue Störung öffentlich zu kommentieren. Die erhoffte Verbesserung für die Fahrgäste sei jedoch ausgeblieben. Nach Angaben der SPD ist derzeit nur rund die Hälfte der für den regulären Betrieb benötigten Fahrzeuge einsatzfähig. Deshalb verkehren bereits seit einiger Zeit auf vielen Linien Züge mit deutlich geringerer Kapazität als vorgesehen. Selbst im Berufsverkehr seien Verbindungen, die normalerweise mit mehreren gekoppelten Fahrzeugen unterwegs sind, teilweise nur noch mit einem einzelnen Zug besetzt. Auf politischen Druck hin habe Transdev bereits Ersatzfahrzeuge angemietet, die Instandhaltung verstärkt und die Werkstatt in Celle ausgebaut. Nach Ansicht der SPD reichen diese Maßnahmen bislang jedoch nicht aus.
Gefordert wird, sämtliche vertraglichen und rechtlichen Möglichkeiten gegenüber dem Betreiber Transdev erneut zu prüfen. Dazu zählen nach Angaben der Fraktion auch weitreichende Schritte wie Teilkündigungen einzelner Linien oder sogar die Kündigung des Verkehrsvertrags. Solche Maßnahmen seien bereits früher untersucht, letztlich aber nicht umgesetzt worden.
Die S-Bahn Hannover hatte am Sonntag kurzfristig weitere Einschränkungen angekündigt und in einer Pressemitteilung von einer „aktuell besonders angespannten Fahrzeugverfügbarkeit” ab dieser Woche gesprochen und Fahrgäste gebeten, in den nächsten Tagen auf nicht zwingend notwendige Fahrten zu verzichten oder alternative Beförderungsmöglichkeiten zu nutzen. „Wir wissen, dass unsere Fahrgäste auf einen verlässlichen und planbaren S-Bahn-Verkehr angewiesen sind. Dass wir dieser Erwartung aktuell nicht gerecht werden können, bedauern wir sehr. Das entspricht nicht unserem Anspruch“, so Pressesprecherin Birgit Krämer. Man arbeite mit hoher Priorität daran, die Ursachen für die angespannte Lage zu beheben und die Fahrzeugverfügbarkeit wieder zu verbessern. Die Ursachen für die eingeschränkte Fahrzeugverfügbarkeit seien vielfältig: technische Fahrzeugstörungen, Herausforderung bei der Ersatzteilbeschaffung, Schadbilder infolge von Einflüssen aus der Schieneninfrastruktur sowie interne Prozesse, die nicht ausreichend stringent umgesetzt wurden. Nicht alle diese Themen lägen vollständig in der Hand der S-Bahn Hannover, so die Sprecherin weiter.