Der Ji-Do-Kwan Wunstorf baut seine Selbstverteidigung im Taekwondo gezielt weiter aus und setzt dabei verstärkt auf das System Taekwondo Defense (TKDD). Dieses wurde 2013 in Korea von Großmeister Eunseob Kim entwickelt, um die Lücke zwischen sportlichem und traditionellem Taekwondo zu schließen und ein praxisnahes Selbstverteidigungssystem zu etablieren. Anfang 2022 wurde TKDD erstmals in Deutschland im Rahmen eines Seminars vorgestellt. An diesem Seminar nahm auch Andreas Thiel teil, zweiter Vorsitzender und langjähriger Trainer des Vereins. Neben dem 4. Dan im Taekwondo besitzt er mittlerweile auch den 3. Dan im TKDD. Seit Herbst 2022 hat sich zudem Assistenztrainerin Ramona Juckel, Trägerin des schwarzen Gürtels im Taekwondo, auf dieses System spezialisiert. Beide fahren regelmäßig nach Sindelfingen, um sich dort mehrmals im Jahr intensiv fortzubilden.
Ende Mai stellte sich Juckel einer besonderen Herausforderung: Sie nahm an einem siebentägigen Dan-Lizenz-Seminar teil. Täglich standen bis zu neun Stunden Training auf dem Programm. Neben theoretischen Einheiten wurden Grundtechniken, komplexe Bewegungsabläufe sowie Verteidigungsstrategien gegen verschiedene Angriffsformen – auch mit Waffen – trainiert. Ergänzend bestand die Möglichkeit, Einblicke in den philippinischen Stockkampf (Kali) zu gewinnen. Die körperliche und mentale Belastung war hoch. Blaue Flecken, kleinere Verletzungen und Erschöpfung gehörten zum Trainingsalltag. Am letzten Seminartag folgte nach weiteren sechs Stunden Training die Dan-Prüfung. Diese umfasste unter anderem Abwehr- und Angriffstechniken, Handbefreiungen, Konter gegen Faustangriffe, Hebeltechniken sowie Verteidigung gegen Messerbedrohungen. Den Abschluss bildete ein Sparring auf Stockkampfbasis. Juckel bestand die Prüfung erfolgreich und gehört damit zu den 26 Teilnehmern, die den Dan-Grad (1. bis 3. Dan) erreichten. Mit ihr verfügt der Ji-Do-Kwan Wunstorf nun neben Andreas Thiel über eine weitere Meisterin im TKDD.
Im Verein hat die Selbstverteidigung traditionell einen hohen Stellenwert. Bereits Vereinsgründer Ulrich Runschke legte großen Wert auf diesen Bereich. Sein Schüler und späterer Vorsitzender Markus Mroch führte diese Ausrichtung fort. Andreas Thiel wurde von beiden geprägt und entdeckte so seine besondere Leidenschaft für die Selbstverteidigung. Heute sieht sich der Verein gut aufgestellt: Mit Thiel und Juckel stehen qualifizierte Spezialisten zur Verfügung, die das Thema weiterentwickeln und fest im Trainingsbetrieb verankern. Ziel ist es, Mitgliedern jeden Alters Sicherheit zu vermitteln, das Selbstbewusstsein zu stärken und gefährliche Situationen möglichst zu vermeiden. Auch auf Verbandsebene gewinnt das Thema wieder an Bedeutung. Die Deutsche Taekwondo Union rückt die Selbstverteidigung außerhalb des Leistungssports stärker in den Fokus. Thiel und Juckel engagieren sich zudem auf Landesebene in der Niedersächsischen Taekwondo Union als Referenten und haben bereits Lehrgänge für Trainer und Kinder durchgeführt.