Kaum ein kommunalpolitisches Projekt wird in Wunstorf derzeit so kontrovers diskutiert wie die geplante Sanierung der Innenstadt. Zugleich dauert das Vergabeverfahren an einen Landschaftsplaner deutlich länger als ursprünglich vorgesehen. Nach einem Hinweis des Oberlandesgerichts Celle hat die Stadt das Vergabeverfahren in ein früheres Stadium zurückversetzt, die Bewertungskriterien überarbeitet und die im Wettbewerb erfolgreichen Büros erneut zur Angebotsabgabe aufgefordert. Nun liegen drei Angebote für die weitere Planung vor. Bislang waren es zwei.
Voraussichtlich im Dezember 2026 soll der Stadtrat nun erneut über die Vergabe des Planungsauftrags entscheiden. Bürgermeister Carsten Piellusch betont in einer aktuellen Presseinformation, dass damit noch keine endgültige Entscheidung über die spätere Gestaltung der Innenstadt verbunden sei. Der Rat habe mehrere Leitplanken beschlossen, die die Verwaltung umsetzen werde. „Es ist mir wichtig zu betonen, dass wir die Innenstadt behutsam weiterentwickeln. Daher hat exakt diese Formulierung bereits Einzug in den Auslobungstext gefunden“, erklärt Piellusch. Die Wunstorfer Fußgängerzone solle ihren historischen Charakter behalten und gleichzeitig für die kommenden Jahrzehnte zukunftsfähig gemacht werden.
Bevor die eigentliche Planung in den Leistungsphasen eins bis vier vertieft wird, soll zunächst die vom Stadtrat beschlossene „Leistungsphase Null“ stattfinden. Sie beinhaltet eine öffentliche Auftaktveranstaltung mit dem noch zu beauftragenden Planungsbüro, Beratungen im Arbeitskreis Fußgängerzone sowie gemeinsame Bereisungen. Dabei sollen Anregungen, Hinweise und Erfahrungen gesammelt und in die weitere Planung einfließen. Die Ergebnisse sollen anschließend die Grundlage für die weiteren Planungsschritte und die Arbeit des Arbeitskreises bilden. Dieser soll neben dem Sanierungsbeirat eine zentrale Rolle bei der Begleitung des Projekts übernehmen und auch Fragen zur späteren Bauphase beraten.
Mit dem vom Stadtrat beschlossenen Vorgehen schaffen wir die Grundlage für eine sorgfältige, belastungsminimierte und transparente Weiterentwicklung unserer Innenstadt.
Belastungen für Anwohner, Besucher und Geschäfte wird es geben. Ziel sei es aber, die Fußgängerzone nur einmal zu öffnen und notwendige Maßnahmen zu bündeln. Zudem sollen Bauabläufe und mögliche Einschränkungen frühzeitig besprochen werden. Zu den diskutierten Maßnahmen zählen die Bildung einzelner Bauabschnitte, die durchgehende Erreichbarkeit der Geschäfte sowie die Berücksichtigung wichtiger Saisonzeiten im Einzelhandel. Der Bürgermeister erinnert zudem daran, dass der Stadtrat im März nicht nur seinem Vorschlag zur Erarbeitung einer Förderrichtlinie für inhabergeführte Betriebe gefolgt sei, sondern auch beschlossen habe, die Bürger nach Abschluss der Planungen in einem Bürgerentscheid über das Vorhaben abstimmen zu lassen. „Mir ist wichtig, dass die Menschen in Wunstorf am Ende selbst über die Zukunft ihrer Innenstadt mitentscheiden können“, so Piellusch.
Mit der Presseerklärung beschreibt der Bürgermeister den aktuellen Stand und den weiteren Fortgang des Verfahrens. Teile der Ratspolitik bewerten die bisherigen Abläufe allerdings kritisch und bringen sogar einen kompletten Neustart des Vorhabens ins Spiel. In einem Antrag von CDU, Grünen und dem Ratsherrn Klaus-Jürgen Maurer (FDP) wird die Verwaltung aufgefordert, bis zur konstituierenden Sitzung des neu gewählten Rates am 11. November eine umfassende Stellungnahme abzugeben und darin alle rechtlich möglichen Szenarien zu skizzieren. Neben der Fortsetzung des laufenden Verfahrens betrifft das auch einen erneuten städtebaulichen Wettbewerb oder die Ausschreibung eines neuen Planungsauftrags. Zudem sollen mögliche Kompromisslösungen aufgezeigt werden, um die kontrovers geführte Debatte zu befrieden.