Die Klosterlandschaft Loccum ist als Teil des europäischen Netzwerks „Cisterscapes“ mit dem Europäischen Kulturerbe-Siegel ausgezeichnet worden. Bei einer feierlichen Veranstaltung wurde die Auszeichnung am 9. Mai vor rund 50 Besuchern offiziell enthüllt. Im Mittelpunkt stand das internationale Kooperationsprojekt „Cisterscapes – Cistercian landscapes connecting Europe“. Es verbindet 17 zisterziensische Klosterlandschaften aus Deutschland, Polen, Österreich, Slowenien und Tschechien und macht die bis heute sichtbaren kulturellen, landschaftlichen und gesellschaftlichen Spuren der Zisterzienser sichtbar. Die Europäische Union hatte das Netzwerk im Jahr 2024 mit dem Kulturerbe-Siegel ausgezeichnet, einer der bedeutendsten kulturpolitischen Ehrungen Europas.
Mit der Verleihung ist die Klosterlandschaft Loccum erst der zweite Ort in Niedersachsen mit diesem Status. Zuvor waren lediglich die Rathäuser von Osnabrück und Münster als „Stätten des Westfälischen Friedens“ geehrt worden. Die Auszeichnung hebt den europäischen Gedanken hervor, der bereits im Mittelalter das Wirken der Zisterzienser prägte: grenzüberschreitender Wissenstransfer, nachhaltige Landschaftsgestaltung, gemeinschaftliches Leben und kultureller Austausch. Das Projekt „Cisterscapes“ macht diese historischen Verbindungen heute wieder sichtbar und stellt sie in einen modernen europäischen Kontext. Zu den Rednern gehörten Abt Ralf Meister, der Erste Kreisrat des Landkreises Nienburg, Lutz Hoffmann, sowie Rehburg-Loccums Bürgermeister Martin Franke. Sie betonten die Bedeutung der Klosterlandschaft als lebendigen Teil des gemeinsamen europäischen Erbes und als Beispiel für die prägende Kraft regionaler Geschichte.
Im Anschluss an die Enthüllung nutzten zahlreiche Teilnehmer die Gelegenheit, den rund sieben Kilometer langen „Kleinen Klosterlandschaftsweg“ zu erkunden. Entlang der Strecke boten eine digitale Mitmachaktion, eine Stempel-Sammelaktion und mehrere Informationsstationen Einblicke in die zisterziensisch geprägte Kulturlandschaft. Rund 30 Besucher nahmen zudem an einer Führung mit Landschaftsführer Hans-Georg Sievers teil. Das Kloster Loccum gilt als eines der am besten erhaltenen Zisterzienserklöster nördlich der Alpen. Seit seiner Gründung im Jahr 1163 prägt es die Region zwischen Weser und Steinhuder Meer. Mit Veranstaltungsformaten wie „Kulturerbe entdecken in der Klosterlandschaft Loccum“ soll das europäische Erbe nicht nur bewahrt, sondern für die Öffentlichkeit erlebbar gemacht werden. Ein zentrales Element ist dabei auch der europaweite „Weg der Zisterzienser“, ein rund 6.400 Kilometer langer Kulturwanderweg, der alle Partnerstandorte des Netzwerks miteinander verbindet.
Das Projekt „Cisterscapes – Cistercian landscapes connecting Europe“ vereint 17 Partnerlandschaften in fünf europäischen Ländern. Ziel ist es, die gemeinsamen kulturellen Wurzeln Europas anhand zisterziensischer Kulturlandschaften sichtbar zu machen und den Austausch über Grenzen hinweg zu fördern. Koordiniert wird das Netzwerk vom Landkreis Bamberg.