Auf der letzten Veranstaltung des Vereins zum Erhalt des Steinhuder Meeres (VESM) am 5. Februar hat der Verein zum wiederholten Male die Erstellung eines Strömungsgutachtens eingefordert. Ein Gutachten, das bis heute nicht vorliegt. Auf Nachfrage hat das Amt für regionale Landesentwicklung Leine-Weser (ArL) dazu Stellung bezogen. Darin erläutert das ArL zunächst einmal die Möglichkeit einer 3D-Modellierung der Strömungsdynamik und Sedimentsdynamik im Steinhuder Meer, die allerdings hohe Anforderungen an Eingangsdaten und Validationsdaten stellt. Da die hohen Ansprüche an die Daten oftmals nicht erfüllt werden können, greift man in der Praxis oft auf Standardwerte aus der Literatur oder Erfahrungswerte aus anderen Gewässern zurück.
Am Steinhuder Meer wäre diese Vorgehensweise allerdings problematisch. Grund ist die spezielle Situation, die man hier vorfindet: Flachsee mit großer Oberfläche, geringe Tiefe plus spezielle Sedimentseigenschaften (Treibmudde). In so einem Fall stehen Gewässerbewirtschafter nach Auskunft des ArL oft vor der Herausforderung, ob beziehungsweise inwiefern die Modellergebnisse aufgrund der Unsicherheiten und vielfältigen Annahmen überhaupt eine verlässliche Basis für Bewirtschaftungsstrategien sein können. „Oftmals bleiben daher aufwändig produzierte Modellergebnisse ohne Konsequenzen in der Entscheidungsfindung und daher von marginalem praktischen Nutzen für die Praxis“, so Kai Stocks vom ArL. Vor diesem Hintergrund erscheint ein Strömungsgutachten aktuell nicht prioritär für das ArL.
Ganz anders die Ansicht des VESM, der seine Forderung nach einem Strömungsgutachten erst kürzlich wiederholte. Und auch schon eine Idee für fehlende Daten hat: „Für die Erstellung eines Gutachtens sollten die Beobachtungen der Fischer, Personenschiffer und Wassersportler hauptsächlich verwendet werden“, so Wilhelm Bredthauer (2. Vorsitzender des VESM) in der Jahresbilanz des Vereins, die dieser Zeitung vorliegt. Diesen Standpunkt wiederholte Bredthauer als Mitglied des Bauausschusses auch am Donnerstagabend (19. Februar) in der Sitzung des Gremiums. Der Bauausschuss beschäftigte sich mit einer Stellungnahme der Stadt zum Seeentwicklungsplan. Stadt und Ausschuss sind der Meinung, dass dieser überarbeitet werden sollte.
Die Stadt hat eine Stellungnahme zum Seeentwicklungsplan formuliert. Darin wird gefordert, die Maßnahmen auf folgende Ziele auszurichten.
Dies erfordere eine fundierte Überprüfung der bisherigen Annahmen, eine Aktualisierung der Datengrundlagen unter Einbeziehung der klimatischen Veränderungen sowie den gezielten Einsatz geeigneter weiterer fachlichen Instrumente und Gutachten.