Ich glaube an gar nichts… | Wunstorfer-Stadtanzeiger

23.04.2026 14:28

Ich glaube an gar nichts…

Jan-Uwe Zapke, Pastor. (Foto: privat)
Jan-Uwe Zapke, Pastor. (Foto: privat)
Jan-Uwe Zapke, Pastor. (Foto: privat)
Jan-Uwe Zapke, Pastor. (Foto: privat)
Jan-Uwe Zapke, Pastor. (Foto: privat)

sagte mir ein Mann beim gemeinsamen Einsteigen in den Zug, als er mich in Dienstkleidung ansah. „Na, dann hoffen wir wenigstens gemeinsam, dass der Zugführer nicht betrunken ist.“ schmunzelte ich ihm zu. Unsere Wege trennten sich. Dennoch blieb mir die Begegnung in Erinnerung. Ich bin fest davon überzeugt, dass wir alles Gläubige sind. Unser Alltag ist geradezu vom Glauben geprägt. Wer käme z. B. schon auf die Idee, vor dem Anschalten der Heizung jeweils fachmännisch prüfen zu lassen, ob die Gastherme auch wirklich technisch einwandfrei läuft. Wir glauben das einfach.

Wahrscheinlich meinte der Fremde daher eher den religiösen Glauben, den er ablehnte. Aber auch hier würde ich einhaken. Solange religiöser Glaube allein verstanden wird als eine Weltsicht, der man zustimmt oder die man ablehnt, trifft man den eigentlichen Kern nicht, um den es sich auch zu ringen lohnt. Eine solche Diskussion über angebliche Wahrheiten ertrage ich meistens mit eher müden Augen. Jeder möge in dieser Hinsicht glauben was er will. Wach hingegen werde ich bei der Frage, was mich im Leben trägt; was mir Halt, Hoffnung und Zuversicht gibt; gerade gegenwärtig!

Und das ist auch die Kernfrage des christlichen Glaubens. Über diese Frage nach dem Fundament des eigenen Lebens zu sprechen, sich auszutauschen und einander zuzuhören lohnt sich auf jeden Fall. Um es aus christlicher Perspektive zuzuspitzen: Kann das Kreuz in unserer Zeit noch das Hoffnungssymbol für die Welt sein? Ja, das kann es – so würde ich zumindest meine Position in Gesprächen deutlich machen, und zwar auch, weil es sich durch die Jahrhunderte bewährt hat. Das Wort vom Kreuz hat viele Menschen zu unterschiedlichsten Zeiten durchs Leben getragen und ihnen Halt gegeben, während z. B. die großen Ideologien gekommen und gegangen sind. Bruno von Köln, der Gründer des Kartäuser Ordens rief 1084 n. Chr. das Motto aus: “Stat crux dum volvitur orbis“. Das Kreuz steht fest, während die Welt sich dreht! Und die Karthäuser gibt es heute immer noch.

north