Kirchenkreissynode tagt zu Fragen der Zukunft von Kirche | Wunstorfer-Stadtanzeiger

Kirchenkreissynode tagt zu Fragen der Zukunft von Kirche

Versammlung mit großer Tragweite: Die Kreissynode der Grafschaft Schaumburg. (Foto: gk)
Versammlung mit großer Tragweite: Die Kreissynode der Grafschaft Schaumburg. (Foto: gk)
Versammlung mit großer Tragweite: Die Kreissynode der Grafschaft Schaumburg. (Foto: gk)
Versammlung mit großer Tragweite: Die Kreissynode der Grafschaft Schaumburg. (Foto: gk)
Versammlung mit großer Tragweite: Die Kreissynode der Grafschaft Schaumburg. (Foto: gk)

Es gehe in der Versammlung der vierten Kreissynode um die zukünftige Ausstrahlung der Kirche, hieß es in der Einleitung des Abends, gegenüber den teilnehmenden in der St. Jacobi-Kirche in Rodenberg.

Und hiermit wurde der Rote Faden für folgende Entscheidungen der Synode vom Referenten Marius Rommel aufgenommen, der besonders die Frage ausfaltete: Wie kann die Kirche wieder zu einem gefragten und attraktiven Ort werden?

Marius Rommel, Nachhaltigkeitsökonom am Forschungszentrum für Pluralistische Ökonomie, Universität Siegen, forscht zu Rückwuchs, Regionalisierung und lokalen Lebensmittelsystemen. Das ließ einen herausfordernden Vortrag erwarten, der es auch wurde, sowie einen breiten Einstieg für die anschließende Podiumsdiskussion gestaltete. Passend zu den wichtigen Temenschwerpunkten des Abends: Nachhaltigkeit und Fusion von Kirchenkreisen.

Hierbei wurde aufgezeigt, dass es um mehr geht als nur die Überlegung, welche Gebäude der Kirchenkreis noch braucht und wie man diese klimafreundlich sanieren kann. Der Fokus der öffentlichen Diskussionen liege derzeit sehr einseitig auf dem Klimaschutz. Andere Probleme wie das Artensterben, das unkontrollierte Ausbringen von Mikroplastik, die Verwendung von Gentechnik und die Ansammlung von Düngemitteln und Ewigkeitschemikalien in den Weltmeeren sind aber für das Überleben der Menschheit wesentlich gravierender, so Rommel.

Der Mensch lebt nach Rommel heute wie ein Parasit auf der Erde. Wenn die Menschheit überleben will, müssen wir aber zu einer Symbiose mit unserem derzeitigen Ökosystem kommen.
Darin sah er einen wesentlichen Auftrag auch für die Kirche. „Nur wenn es uns gelingt uns zu vernetzen, Beziehungen zu knüpfen und zusammenzuarbeiten, können wir diese Herausforderungen bewältigen“, so Rommel.

Leider verkümmerten diese Fähigkeiten. Wer nicht mit den Augen eines anderen sehen, mit den Ohren eines anderen hören und mit dem Herzen eines anderen fühlen könne, sei nicht fähig seinen Nächsten zu lieben.

Kirche müsse in vielerlei Hinsicht umdenken, betonte Rommel provokant. Eine Kirche der Zukunft müsse unternehmerischer denken. Anstatt sich zu fragen, was man mit nicht ausgelasteten Liegenschaften in punkto Nachhaltigkeit machen könne, müsse anders gefragt werden: Wie kann die Kirche wieder zu einem relevanten und gefragten Akteur werden, der sich so aktiv um Nachhaltigkeitsthemen bemüht, dass die Infrastruktur wieder einen sinnvollen und von der Gesellschaft gebrauchten Inhalt bekommt.

Das Kapital, das für die Sanierung der Liegenschaften gebraucht werde, könne dann durch eine erhöhte Auslastung erwirtschaftet werden.

Im zweiten Teil der Synode wurde ein Prozess zur Erarbeitung einer Entscheidungsgrundlage über eine mögliche Zusammenlegung des Kirchenkreises Grafschaft Schaumburg mit den Kirchenkreisen Neustadt-Wunstorf, Nienburg und Stolzenau-Loccum nach lebhafter Diskussion beschlossen.

In der vorangegangenen Diskussion, wurden von den Delegierten sowohl Vorteile als auch Bedenken zur Fusion geäußert. Große Einigkeit herrschte bei den Delegierten bei dem Wunsch nach stärkerer Prozessbeteiligung und besserer Kommunikation.

In einigen Beiträgen wurde auch der zu eng erscheinende Zeitkorridor zur Entscheidungsfindung kritisiert. Denn auf der Synode im November 2026 soll schon die generelle Entscheidung zur Fusion getroffen werden, damit diese dann zum 1. Januar 2028 vollzogen werden könnte.

Superintendent Christian Schefe verteidigte den Zeitplan, da 2028 auch ein neuer Planungszeitraum der Landeskirche Hannovers beginnt, auf den die fusionierten Kirchenkreise besser reagieren könnten. Er und auch Kirchenamtsleiter Sven Heindorf betonten aber, dass der Zeitplan jederzeit auch nach hinten verschoben werden könnte, wenn dies der Erarbeitungs- und Diskussionsprozess erfordern würde.

Sehr erfreulich war die intensive Beteiligung von Delegierten der Evangelischen Jugend, die bei einer generellen Offenheit gengenüber Veränderungen ihre Anfragen und Bedenken mitteilten. Schefe versprach den Jugendlichen, mit ihnen im Austausch zu bleiben.

Letztlich wurde mit 28 Ja-Stimmen, 5 Gegenstimmen und 7 Enthaltungen beschlossen, den Prozess zur Fusion zu starten. Der Kirchenkreis Grafschaft Schaumburg wird in seiner Synode im Juni die geplante Fusion ausführlich behandeln. Dort sollen dann schon erste Ergebnisse aus dem Erarbeitungsprozess vorgestellt werden.

Zuvor hatten die Kirchenkreise Nienburg einstimmig und Neustadt-Wunstorf dem Prozess zu einer etwaigen Fusion zugestimmt.


Winfried Gburek
Winfried Gburek
Freier Redakteur Schaumburger Wochenblatt
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