Nun ist es soweit – in dieser Woche starten in vielen Orten – auch in unserem schönen Landkreis – frisch gebackene, oder besser, gewählte, Bürgermeister in ihr neues Amt. Mit viel Elan, hoher Motivation und mit noch viel mehr Versprechungen für die kommenden acht Jahre, wollen sie die Richtung ihrer Verwaltungen bestimmen. Ich habe mich früher einmal entschieden, möglichst nicht, oder aber nur sehr wenig, über Politik und Religion zu schreiben. Eine gute Entscheidung, finde ich, geboren aus Erfahrungen, wenn man sich in anderen Ländern aufhält. Da kann man sich schnell den Schnabel verbrennen. Deshalb nutze ich heute einmal mehr die alte Volksweisheit mit dem Besen, um hinter die Kulissen zu schauen. So kann ich mit Recht immer sagen, ich habe mich nur mit einer Lebensweisheit beschäftigt. Wann besorgt man sich denn einen neuen Besen? Bestimmt, wenn der alte Besen seine Arbeit nicht mehr zur vollsten Zufriedenheit verrichtet. Möglicherweise aber auch, wenn man sich durch erfolgreiche Werbung von einem neuen „Supermodell“ überzeugen lässt, auch wenn der alte doch noch ganz leidlich funktioniert. Gerade wenn der zweite Grund die Wahlentscheidung beeinflusst hat, schaut man hoffentlich genauer hin, ob er denn auch all das kann, was zu leisten er versprochen hat. Ausgepackt liegen da alle Teile, die einen guten Besen ausmachen. Ein ergonomischer Griff für das richtige Händchen für den zukünftigen Benutzer. Der Griff nicht zu weich, aber auch nicht zu hart. Der Stiel biegsam, aber unzerbrechlich. Und erst der Bürstenkopf. Hier zeigt sich, wie realistisch all die Werbungsversprechen sind. Natürlich kann erst einmal kräftig durchgebürstet werden. Das macht Eindruck und zeigt garantiert Wirkung.
Fingerspitzengefühl ist gefragt
Doch Vorsicht! Nicht alles, was das so herumliegt ist Schmutz, Dreck oder muss weg. Nicht jedes Staubkörnchen muss wirklich verschwinden. Das kann schnell zu einer sterilen Umgebung mutieren, in der sich niemand mehr wohl fühlt. Ein wenig Augenmaß und auch einmal ein Auge zudrücken, kann durchaus die allgemeine Atmosphäre verbessern und dafür sorgen, dass sich die Menschen, die sich neben dem „Besen“ im (Rat)Haus aufhalten, wohler fühlen. Harte Borsten eigenen sich nicht überall, manchmal ist der weiche Feudel die bessere Wahl! Natürlich haben neben diesen Menschen auch ganz viele andere Personen mitbekommen, dass ein neuer Besen kehrt. Man hat sich ja schließlich damit gebrüstet, alles besser zu erledigen. Wenn ich mich recht erinnere, war das vor der letzten „Besenwahl“ nicht anders. Auch damals wurden viele Versprechen gemacht. Sehr viele Werbungsversprechen ähnelten denen, die der neue Besen heute ebenfalls zusagt. In einer Reihe von Orten hat das geklappt. Der Besen darf weiter seinen Dienst versehen. Auch wenn die Leistung möglicherweise nicht mit einem schaufenster-neuen Modell vergleichbar ist, so sind doch alle wichtigen Personen zufrieden mit der Leistung. Manchmal ist es auch nicht zwangsläufig der alte Besen, der nicht mehr so perfekt zu funktionieren scheint. Die Einzelteile müssen zueinander passen und man muss für wirklich jeden Untergrund die richtige Methode wählen. Das gelingt garantiert nicht immer – das zeigt die Erfahrung. Auch das Umfeld muss mit dem neuen Besen zufrieden sein, sonst liegt plötzlich Dreck an Stellen, an denen man gar nicht damit gerechnet hat. Und noch etwas ist zu bedenken: Der neue Besen darf nicht nur in den ersten vier Wochen gut funktionieren. Er ist auf eine Dauerleistung von acht Jahren ausgelegt. Da wird man sich wohl oder übel schon mal auf eine „Reinigungspanne“ einstellen dürfen. Die Rahmenbedingungen für den neuen Besen werden nicht besser und bis der Neue den Dreck in den Ecken entdeckt hat und auch noch einen Weg gefunden hat, diesen zu entfernen, kann schon mal einige Zeit ins Land gehen. Mal schauen, wie lange die gute Stimmung bei allen Betroffenen hält.
Mit dieser Metapher wünsche ich allen alten und den neuen Besen einen hohen Wirkungsgrad und einen erfolgreichen Start beim Durchfegen,
Ihr Axel Bergmann