Die Planungen für die Sanierung des Wunstorfer Stadttheaters haben einen wichtigen Zwischenschritt erreicht. Eine aktuelle Verwaltungsvorlage zeigt, wie sich zentrale Streitpunkte seit der letzten Diskussion im April weiterentwickelt haben und wo noch Entscheidungen anstehen. Im Mittelpunkt steht weiterhin die Frage der künftigen Gestaltung des Gebäudes. Dabei geht es vor allem um die Fassade, für die inzwischen zwei Varianten zur Auswahl stehen. Die Politik entscheidet in den kommenden Sitzungen, auf welcher Grundlage es weitergehen soll.
Ein zentraler Kritikpunkt aus dem Arbeitskreis Stadttheater ist inzwischen aufgegriffen worden. Während frühere Entwürfe noch eine deutliche Reduzierung der Kapazität vorsahen, stellt die überarbeitete Planung nun sicher, dass die wichtige Marke von 500 Plätzen erhalten bleibt. Nach aktuellem Stand sind im Saal künftig 506 Sitzplätze vorgesehen. Damit reagiert die Verwaltung auf die Bedenken der Veranstalter, für die diese Schwelle als entscheidend für die Attraktivität des Hauses gilt. Zuvor war eine Variante mit lediglich 471 Plätzen diskutiert worden, die nun verworfen ist. Die Anpassung wirkt sich direkt auf die Gestaltung des Foyers aus. Dort sollen weiterhin ein Cateringbereich sowie Arbeitsflächen für die Bühnentechnik integriert werden, allerdings in einer kompakteren Form als zunächst geplant.
Neben der Sitzplatzfrage schreiten auch die Planungen für die Umgestaltung des Innenbereichs voran. Das Foyer im Erdgeschoss wird neu strukturiert, um Servicebereiche effizienter zu organisieren. Gleichzeitig bleibt die Garderobe an ihrem bisherigen Standort. Im Obergeschoss ist eine grundlegende Neuordnung der WC-Anlagen vorgesehen. So soll unter anderem ein neues Damen-WC entstehen, während bestehende Flächen umgenutzt werden. Auch die Idee eines geschlechtsneutralen WC-Angebots wurde im Arbeitskreis aufgegriffen und in die Planung integriert. Ziel ist es, die Aufenthaltsqualität für Besucher spürbar zu verbessern und Engpässe in stark frequentierten Pausen zu vermeiden.
Besonders sichtbar wird die Sanierung an der Außenhülle des Gebäudes. Beide vorgeschlagenen Fassadenvarianten setzen auf ein sogenanntes „Theaterportal“, interpretieren dieses gestalterische Element jedoch unterschiedlich. Eine Variante sieht eine Verkleidung mit Kunststoffplatten in unterschiedlichen Farb- und Strukturabstufungen vor. Die andere Variante setzt auf ein gläsernes, teilweise hinterleuchtbares Portal, das je nach Veranstaltung unterschiedliche Lichtstimmungen erzeugen kann. Mit beiden Ansätzen wird das Ziel verfolgt, das Stadttheater stärker hervorzuheben und zugleich Bezug auf die historische Architektur zu nehmen. Auch der Außenbalkon, der im Jahr 1981 entstand, soll im Zuge der Arbeiten verändert werden. Statt eines massiven Stahlgeländers ist künftig eine transparente Lösung mit Glas und Schriftzug vorgesehen, die das Erscheinungsbild insgesamt leichter wirken lässt. Statt der Kugelleuchten sind künftig dezente Bodenstrahler angedacht.
Finanziell bewegen sich beide Fassadenvarianten nahezu auf gleichem Niveau. Die geschätzten Baukosten liegen bei rund 1,44 Millionen Euro und sind im vorgesehenen Budget enthalten. Insgesamt stehen für die Jahre 2026 und 2027 rund 1,535 Millionen Euro zur Verfügung. Mit der Verwaltungsvorlage biegt das Projekt in eine entscheidende Phase ein. In den nächsten Tagen und Wochen befassen sich Ortsrat, Sozialausschuss und Verwaltungsausschuss mit den Vorschlägen. Seit ein paar Wochen ist die Spielstätte geschlossen. Bis in den Herbst wird unter anderem die Bühnentechnik modernisiert, die Installation sicherheitsrelevanter technischer Anlagen wie etwa einer Absturzsicherung am Orchestergraben und Arbeiten an der Brandmeldeanlage vorgenommen (wir berichteten).