Konstruktive Mitarbeit | Wunstorfer-Stadtanzeiger

Konstruktive Mitarbeit

Vergabeentscheidung: Den Zuschlag hat der zweitplatzierte Wettbewerbsbeitrag erhalten. (Foto: tau, Stadt Wunstorf, Bildmonmtage)
Vergabeentscheidung: Den Zuschlag hat der zweitplatzierte Wettbewerbsbeitrag erhalten. (Foto: tau, Stadt Wunstorf, Bildmonmtage)
Vergabeentscheidung: Den Zuschlag hat der zweitplatzierte Wettbewerbsbeitrag erhalten. (Foto: tau, Stadt Wunstorf, Bildmonmtage)
Vergabeentscheidung: Den Zuschlag hat der zweitplatzierte Wettbewerbsbeitrag erhalten. (Foto: tau, Stadt Wunstorf, Bildmonmtage)
Vergabeentscheidung: Den Zuschlag hat der zweitplatzierte Wettbewerbsbeitrag erhalten. (Foto: tau, Stadt Wunstorf, Bildmonmtage)

Nach der Entscheidung des Stadtrates zur Auftragsvergabe an ein Planungsbüro betonen alle Akteure, konstruktiv am weiteren Verfahren mitwirken zu wollen. Trotz teils scharfer Kritik von CDU, Werbegemeinschaft und Bürgerinitiative richten sich die Blicke nun nach vorn. Vor allem die neue „Phase 0” rückt zunehmend ins Blickfeld.

Gegen die Auftragsvergabe stimmte im Stadtrat unter anderem die CDU. Bürgermeisterkandidat Martin Pavel sagte im Anschluss zum Stadtanzeiger, dass die geänderten Vorlagen sehr kurzfristig eingetroffen seien und somit kaum Zeit blieb, alles durchzuarbeiten. Zudem habe die überraschende Terminierung der Sondersitzung auch dazu geführt, dass einige Fraktionsmitglieder aufgrund anderer Verpflichtungen fehlten. „Uns war es daher nicht möglich, zuzustimmen”, so Pavel. „Wir werden uns jetzt aber nicht in den Schmollwinkel zurückziehen, sondern konstruktiv mitarbeiten”, so Pavel weiter.

Nach der Zerreißprobe: Der Stadtrat hat mehrheitlich der Auftragsvergabe zugestimmt. (Foto: tau)

Hängepartie im Rat beendet

Die politische Hängepartie um die Innenstadtsanierung hat mit der Entscheidung des Stadtrates am 4. März vorerst ein Ende gefunden. Mehrheitlich ist im nichtöffentlichen Teil die Vergabe an einen Landschaftsplaner sowie die Beauftragung eines Sanierungsträgers beschlossen worden. Dem Vernehmen nach kamen die erforderlichen Stimmen vor allem aus den Reihen von SPD und Grünen.

Die Werbegemeinschaft hat auf die Ratsentscheidung vom 4. März mit Unverständnis reagiert und spricht von einem Schlag ins Gesicht für alle Einzelhändler, Büros und Praxen. „Die schönste Innenstadt der Region wird damit zu Grabe getragen”, heißt es in einer Pressemitteilung. Der Bürgermeister wie auch die SPD-Fraktion werden darin kritisiert. Mit Blick auf die kurzfristig anberaumte Sondersitzung des Stadtrates, an der nicht alle Mitglieder teilnehmen konnten, wird von einem „advokatischen Schachzug” gesprochen. Die Vorgehensweise des Bürgermeisters sei „eher willkürlich und wenig transparent.” Dennoch wolle sich die Werbegemeinschaft weiterhin aktiv an dem Verfahren beteiligen, „vorausgesetzt, dass ein echter Gestaltungsspielraum gegebenen ist.”

Auch die Bürgerinitiative, die eine Vergabeentscheidung eigentlich verhindern wollte, will sich ebenfalls einbringen und zu einem guten Ergebnis beitragen. „Wir hätten uns eine separat beauftragte „Phase 0“, geleitet durch ein unabhängiges Ingenieurbüro gewünscht”, heißt es in einer Pressemitteilung. Vorgeschlagen hatte man dies bereits bei der Initierungsveranstaltung des Arbeitskreises am 17. Februar. „Aus unserer Sicht wäre damit der Gestaltungsspielraum größer gewesen, als dies bei gleichzeitiger Beauftragung der Phasen 1-4 bei demselben Auftragnehmer zu erwarten ist.” Nun gelte es, den Prozess unter den gegebenen Bedingungen zu gestalten. Die Initiative lädt die Betroffenen daher noch vor den Osterferien zu einem Workshop ein. Ziel ist es, Inhalte für die „Phase 0” zu erarbeiten. „Wir sind der Meinung, dass es auf diesem Wege keine Zeit zu verlieren gilt.”

Die Grünen hoben im Anschluss an die Vergabeentscheidung die Bedeutung der „Phase 0” hervor, die auf ihr Drängen in das Gesamtpaket aufgenommen worden ist. In diesem strukturierten Beteiligungsformat sollen Hinweise, Kritik und Vorschläge aus Bürgerschaft, Handel und Innenstadtakteuren systematisch erfasst und in ein klares Anforderungsprofil für die anschließende Planung überführt werden. „Wir wollen sicherstellen, dass die Planung auf einer transparenten und breit diskutierten Zieldefinition basiert”, so Fraktionsvorsitzender Marvin Nowak. Er betont die Notwendigkeit der Sanierung. „Die Innenstadt wird an mehreren Stellen ohnehin geöffnet werden müssen. Vor diesem Hintergrund ist es aus unserer Sicht sinnvoll und verantwortungsvoll, diese Eingriffe koordiniert zu planen und Synergien zu nutzen“, so Nowak.

Mehrere zeitlich versetzte und unkoordinierte Einzelmaßnahmen würden Handel, Anwohner und Bürger deutlich stärker belasten als eine integrierte Gesamtmaßnahme. Dieser Auffassung ist auch die SPD, die die Vergabeentscheidung begrüßt. Fraktionsvorsitzender Martin Ehlerding sagt: „Der Rat hat damit den Weg für konkrete Pläne freigemacht. Endlich können anschauliche Entwürfe erstellt und auch die unterschiedlichen Maßnahmen, wie Umbau der Oberfläche, Erneuerung der Kanalisation und der möglichen Nahwärme, nebeneinander gelegt werden.” Außerdem sorgen die Fördermittel aus Sicht der Sozialdemokraten für eine Entlastung des städtischen Haushalts. „So angespannt das Verhältnis im Vorfeld der Sitzung auch war, sind alle Ratsleute offensichtlich an einer konstruktiven Begleitung interessiert”, so Ehlerding weiter.

Den Zuschlag hat der zweitplatzierte Wettbewerbsbeitrag (kerck + partner landschaftsarchitekten aus Hannover) erhalten. Das Preisgericht hatte die ruhige und einheitliche Grundgestaltung sowie die Akzentuierung besonderer Bereiche wie dem Platz vor der Stadtkirche oder jenem am Kuhbrunnen gelobt. Hier wird ein Wechsel der Materialität vorgeschlagen, der den Flächen Charakter verleiht. Das Preisgericht sah aber auch noch Verbesserungsbedarf mit Blick auf den Ville de Flers-Platz und die Gestaltung von Zonen in der Langen Straße. Außerdem müsse das Angebot an Kinderspielmöglichkeiten erweitert sowie ein ergänzendes Angebot „Wasser“ im zentralen Markplatzbereich geschaffen werden. Auch für die Zufahrt zur Tiefgarage wünscht das Preisgericht eine Prüfung.


André Tautenhahn (tau)
André Tautenhahn (tau)
Freiberuflicher Journalist
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