In den ersten Wochen des Jahres 2026 hat der Verein zum Erhalt des Steinhuder Meeres (VESM) zahlreiche Tiefenmessungen durchgeführt und auswerten lassen. Im August wurde das Ergebnis (wie berichtet) vorgestellt. Nun liegen die Stellungnahmen des Amtes für regionale Landesentwicklung (ArL) und der Region Hannover vor. Die Veränderungen in den Sedimentsstärken sieht das ArL durch eine hohe windgetriebene und strömungsgetriebene Dynamik begründet. So gibt es an einigen Stellen eine Zunahme des Schlamms während an anderen Stellen eine Abnahme festgestellt wurde. Die Zunahme des Sedimentvolumens war nach Aussage der Behörde erwartbar. Sie verweist dabei aber auch auf Unsicherheiten bei Messungen durch jahreszeitlich bedingter Wassertemperatur oder Sedimentstemperatur, damit einhergehende biologische Vorgänge oder auch Wasserstandsschwankungen.
Gleichzeitig sieht das ArL aber auch die Notwendigkeit zur Entschlammung in Teilbereichen zum Erhalt der Nutzung des Sees bestätigt. Auf den gerade erstellten zweiten Teil des Seeentwicklungsplans eingehend, wird eindeutig festgestellt, dass einzelne Maßnahmen nicht ausreichen. „Entschlammung bleibt notwendig, behandelt aber nur die Folgen der Belastung“, so das ArL. Langfristig wird die Bekämpfung der Ursachen für die Schlammneubildung für die Zukunft des Sees ausschlaggebend sein. Dabei liegt das Augenmerk auf Einträge von Phophor. Für einen stabilen ökologischen Zustand wird ein Zielwert von maximal 50 Mikrogramm Phosphor pro Liter genannt. Das entspricht einer jährlichen Gesamtemission von rund 520 Kilogramm. Aktuell liegt diese bei rund 2.000 Kilogramm.
Neben weiteren Maßmaßnahmen sind an dieser Stelle auch die Kommunen gefragt. So ist zur Oberflächenentwässerung aus Steinhude und Großenheidorn bereits ein Retentionsbodenfilter in Planung und soll 2028 fertiggestellt sein. Eine Maßnahme, die auch Bürgermeister Carsten Piellusch (SPD) im Rahmen einer Veranstaltung zur Entschlammung als notwendige städtische Maßnahme betonte. Außerdem herrscht parteiübergreifender Konsens im Hinblick auf die Erhöhung der Schlammentnahmen, was auch das ArL mittlerweile so sieht. Eine flächendeckende oder vollständige Entschlammung des Sees lehnt die Behörde dagegen nach wie vor ab. Auf politischer Ebene waren bei entsprechenden Veranstaltungen in den vergangenen Tagen bereits andere Töne zu hören. So signalisierte der Europaabgeordnete und ehemalige Ministerpräsident des Landes Niedersachsen, David McAllister (CDU), Unterstützung für entsprechende Maßnahmen oder auch Projekte auf EU-Ebene. Umstritten ist auch die Lagerung des Schlamms außerhalb der Polder im Bereich des Toten Moors. Das ArL lehnt dies ab. Auf politischer Ebene sieht man dies zwischenzeitlich durchaus differenzierter.