Die Fahrradtürme am Bahnhof Wunstorf werden bislang deutlich weniger genutzt als geplant. Trotz eines Investitionsvolumens von rund 1,8 Millionen Euro liegt die Auslastung der Anlage nach aktuellen Zahlen der Region Hannover lediglich im niedrigen zweistelligen Prozentbereich. Im Jahr 2024 waren durchschnittlich nur 27 der insgesamt 244 Stellplätze belegt, 2025 stieg die Zahl auf 34 Fahrräder pro Tag. Das entspricht einer Auslastung von etwa elf beziehungsweise 14 Prozent – ein Wert, der für ein als Vorzeigeprojekt gestartetes Infrastrukturangebot ernüchternd ausfällt. Dieser Ansicht ist jedenfalls die CDU-Fraktion in der Region Hannover.
Dort kritisiert man besonders, dass es vor dem Bau der Anlage offenbar keine konkrete Auslastungsprognose gegeben hatte. Stattdessen setzte die Regionsverwaltung auf die Annahme, bestehende Wartelisten würden für eine schnelle Auslastung sorgen. Diese Erwartung hat sich nicht bestätigt. „Die vorliegenden Zahlen geben Anlass zur Sorge“, sagt der Vorsitzende der CDU-Regionsfraktion, Bernward Schlossarek. Angesichts der hohen Investitionen müsse die Wirtschaftlichkeit des Projekts hinterfragt werden. Neben der geringen Nutzung trugen auch technische Schwierigkeiten zur schwachen Akzeptanz bei. Bis Ende 2025 musste der zuständige Hausmeisterdienst 82 Mal wegen Störungen eingreifen. Insbesondere das Zugangssystem bereitete Probleme. Erst im Mai 2026 wurde die Anlage auf ein neues System umgestellt. Seitdem läuft der Zugang laut Region stabiler und schneller. Mehr als 400 Nutzer haben sich bereits registriert, zudem wurden zusätzliche Vor-Ort-Termine zur Unterstützung angeboten.
Die ursprünglich im Rahmen eines Zehn-Punkte-Programms vorgesehenen weiteren Fahrradtürme in Hannover, Lehrte und Mellendorf werden vorerst nicht umgesetzt. Die Region will zunächst die Erfahrungen in Wunstorf auswerten. Für die CDU ist das konsequent. „Bevor weitere Projekte gestartet werden, muss klar sein, dass das Konzept funktioniert und von den Bürgern angenommen wird“, erklärt der Wunstorfer Regionsabgeordnete Rolf-Axel Eberhardt. Als früherer Bürgermeister der Stadt war Rolf-Axel Eberhardt optimistischer. Mit Blick auf Verkehrswende, Klimaschutz und Mangel an Stellplätzen unterstützte er das Projekt ausdrücklich, als die Pläne im Jahr 2019 bekannt wurden. Der Fahrradturm würde wirksam Abhilfe schaffen, so die Prognose Eberhardts damals. Auch bei einer Sommertour der Gruppe CDU/FDP im Jahr 2024 (siehe Artikel hier) überwog die Zuversicht, wenngleich noch Luft nach oben bestünde.
Und heute: „Natürlich unterstützen wir als CDU den Ausbau attraktiver Fahrradabstellmöglichkeiten und eine bessere Verknüpfung von Fahrrad und öffentlichem Nahverkehr. Der Fahrradturm am Bahnhof Wunstorf mag optisch beeindrucken, die bisherige Bilanz kann jedoch nicht überzeugen”, so Eberhardt. Mit Gesamtkosten von 1,8 Millionen Euro, umgerechnet rund 7.400 Euro pro Fahrradabstellplatz und der enttäuschenden Auslastung müsse die Region nun kritisch prüfen, ob das Konzept etwas tauge.
Die Nutzung der Fahrradtürme bleibt kostenfrei, obwohl entsprechende Hinweise in App und auf der Internetseite, hier sind Warenkörbe vorbereitet, etwas anderes vermuten lassen. Dies sei ein standardisiertes System des Betreibers, das grundsätzlich auch kostenpflichtige Angebote abbilden kann, so die Region auf Nachfrage. Finanziert wird die Anlage weiterhin aus dem Regionshaushalt und damit aus öffentlichen Mitteln.