2016 wurde in Perugia (Italien) die erste Rote Bank als öffentliches Symbol gegen Gewalt an Frauen und Mädchen aufgestellt. Mittlerweile gibt es in vielen Städten Rote Bänke. Zwei davon stehen auch in Wunstorf: Alter Markt und bei kurze Wege in der Barne. Eine dritte wurde nun an der Evangelischen IGS am Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen und Mädchen (Orange Day) eingeweiht. Aufgestellt wird sie später vor der Schule nach erfolgtem roten Anstrich.
Umgesetzt wurde das Projekt „Rote Bank“ von der Gleichstellungsbeauftragten und Präventionsbeauftragten Heike Lieberwirth, der pädagogischen Mitarbeiterin Kerstin Brambor, Schulpastorin Susanne Sander und Referendarin Leonie-Sophie Tebbe, die dabei von Schulleiterin Elke Helma Rothämel, Svitlana Hoffmann und dem Förderverein unterstützt wurden. Wenn die Bank gestrichen ist, erhält sie auch noch einen QR-Code, über den dann in Form digitaler Medien Informationen und Arbeitsergebnisse der Schülerinnen und Schüler zum Thema „Gewalt gegen Mädchen und Frauen” abrufbar sein werden.
Vielfältig wird das Thema „Gewalt“ an der IGS thematisiert. Besonders wichtig ist dabei allen Beteiligten die Prävention, die vilefältig stattfindet. So hat Schulpastorin Sander das Thema im Block „Atempause“ mit der 5. Jahrgangsstufe aufgegriffen. Dabei leugnet sie nicht, dass auch an der IGS Mädchen teilweise respektlos behandelt werden. Nützlich ist dabei der Verhaltenskodex, der an der Schule erarbeitet wurde. Ihn müssen alle Schüler unterschreiben. Er ist eine Verpflichtung für alle, respektvoll miteinander umzugehen. Ganz wichtig ist es, Haltung zu bewahren, so Sander. Svitlana Hoffmann ist nicht nur Lehrkraft an der IGS sondern auch Beraterin im Verein Frauen für Frauen. Dort berät sie Mädchen und Frauen, die von Gewalt betroffen sind. Gerade für sie ist Präventionsarbeit in der Schule sehr wichtig. Eine Sichtweise, die auch Marija Giessen, Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Wunstorf, teilt und unterstützt. Auch Schülersprecher Ilias Schaffert stimmt zu und ist entsprechend aktiv. So hat er am Verhaltenskodex mitgearbeitet und ist im Arbeitskreis Prävention aktiv.
Wichtig für Betroffene ist es aber auch Hilfe vor Ort zu erhalten. An der IGS stehen hierfür Schulpastorin Susanne Sander und Heike Lieberwirth zur Verfügung. Zusätzlich gibt es einen entsprechenden Arbeitskreis, dem sowohl Lehrkräfte, Schüler als auch Eltern angehören. Außerdem hängen in jedem Klassenraum Plakate mit den entsprechenden Ansprechpartnern.
Die symbolische Einweihung einer roten Bank in Wunstorf ist ein willkommener Anlass, um auf die Problematik von häuslicher und geschlechtsspezifischer Gewalt aufmerksam zu machen. Die rote Bank soll das Thema aus der Tabuzone holen und Betroffene ermutigen, sich Hilfe z.B. in einem Frauenhaus zu suchen.
Die Situation, in der ein Täter nach einer Trennung neue Wege findet, um Gewalt auszuüben – sei es durch die Nutzung staatlicher Strukturen, das geteilte Sorgerecht, finanziellen Druck etwa durch unterlassene Unterhaltszahlungen und eine Täter-Opfer-Umkehr – ist ein bekanntes Muster von fortgesetztem Missbrauch und Machtmissbrauch.
An dieser Stelle mein eindringliches Anliegen an die Stadt Wunstorf: Ruhen Sie sich nicht auf einer symbolischen Roten Bank aus. Agieren Sie in strittigen Familien-Angelegenheiten kontinuierlich im Sinne einer sensiblen und differenzierten Herangehensweise, indem Sie es sich zur Regel machen beide Parteien tatsächlich anzuhören und nicht ohne Zögern die Täter stärken.
Martha Schneider, Wunstorf